Recently Released | Arctic Monkeys – Suck it and See

Lange hatte ich mich auf den Release des vierten Arctic Monkeys Longplayers gefreut. Die Beziehung von Retrozension zu Arctic Monkeys ist schnell erklärt: Der Erstling Whatever People say I am, that’s what I’m not war die erste Albumbesprechung, ja sogar der erste Blogeintrag überhaupt auf Retrozension.de. Aber auch unabhängig davon liebe ich Kontinuität in meiner Musiksammlung. Ich gehe gerne auch mal mit einer Band durch dick und dünn, wenn die Qualität sich später wieder einfindet. Warum ich das an dieser Stelle schreibe? Nun, wie ich schon sagte, Ich hatte mich gefreut:

Es ist erstaunlich wie sich die Arctic Monkeys seit Platte eins entwickelt haben. Vielleicht wäre unglaublich das bessere Adjektiv an dieser Stelle. War das Debut im Wesentlichen ein vom Britpop inspiriertes und eingefärbtes Punkalbum von unglaublicher Strahlkraft, haben sich die Polaraffen schon mit Favourite Worst Nightmare mehr auf den Britpop, denn auf den Punk versteift. Das an sich ist mal noch nichts Negatives.  Humbug reißt dann etwas heraus, klingt dank Josh Hommes Produktion erstaunlich amerikanisch und hat die Band im Sound nachhaltig verändert. Suck it and See geht klanglich wieder stärker auf die Insel zu und verneigt sich geradezu vor dem Pop, erhält sich aber klanglich Einiges von dem, was Humbug so anders machte.

Suck it and See klingt stellenweise wie eine wiederentdeckte Platte aus den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Weniger wegen des Sounds, als wegen des Songwritings. Man kann sich geradzu bildhaft vorstellen, wie die Band in Anzügen gekleidet und mit schlechtem Haarschnitt in Schwar-Weiß über den Bildschirm flimmern. Ich übertreibe bewusst, aber der Kern der Aussage steht. Die Arctic Monkeys wollen weiter wie kompromisslose Rocker wirken, schreiben aber handzahme Songs vom Stühleverrücken. Da hilft auch die Unterstützung von Josh Homme leider nicht viel.

Der Einstieg in diese Rezension ist ein wenig unfair, denn die Songs für sich genommen sind gar nicht schlecht. Besonders positiv fällt da etwa Library Pictures auf. Eine gelungene Melange aus der Unruhe, die auf WEPSIATWIN noch vorherrscht, sowie der klanglichen Aufweitung, die Josh Homme auf Humbug platziert hat und die eindeutig den Stil der Arctic Monkeys nachhaltig verändert hat. Auch Don’t sit down ’cause I’ve moved your Chair ist eigentlich ziemlich gut. Auch die anderen Songs, fast alle gar, sind für sich genommen gut bis wirklich gut.

Dennoch kann das Album als Gesamtwerknicht die Erwartungen erfüllen, einfach weil die Bandbreite zu gering ist und die Songs insgesamt zu brav und vorhersehbar sind. Das Phänomen gleicht ein Stück weit dem das sich ‘gerade’ erst bei den Foo Fighters gezeigt hat: Irgendwie gut, aber die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Drehen die Foos eher zu viel auf, bleiben die Arctic Monkeys definitiv zu verhalten. Im direkten Vergleich würde ich den Arctic Monkeys unbedingt die besseren Noten geben. Die Songs sind längst nicht so uninspiriert wie die letzten Machwerke der Foo Fighters. Es ist einfach nur schade, dass der Zauber des ersten Albums, dieser fast beispiellos druckvolle und gedrängte Sound, nicht mal mehr im Ansatz erreicht wird.

Dennoch ist Suck it and See kein Fehlkauf für Freunde der Band. Neue Fans lassen sich so vermutlich aber auch nicht gewinnen.

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Retrozension | Travis – Good Feeling

Travis habe ich ja schon mit zwei Alben retrozensiert, streng chronologisch nach Aufnahme in meine bescheidene Musikkollektion. Entsprechend weiter geht es daher nun mit dem ersten Album der vier sympatischen Schotten.

Good Feeling hieß das Debutalbum und es macht zunächst so ziemlich alles anders als die beiden Nachfolger The Man Who und The Invisible Band. Good Feeling ist fröhlich, sprüht nur so vor positiven Emotionen und Lebensfreude. Von der sehr geefühlvollen Melancholie, die danach die Musik von Travis bestimmte ist auf Good Feeling zu Beginn ziemlich wenig mitzubekommen.

Der Opener All I want to do is Rock markiert in Sachen Tempo und Attitude schon ziemlich gut, wo das Album hin will. Rock! Nicht unbedingt besonders innovativ, nicht einmal besonders einfallsrecih, aber überzeugend, treibend und zum Springen und Mitgrölen gemacht. Da schließt sich nahtlos auch U16 Girls an. Wie gesagt; nicht innovativ, aber es funktioniert mehr als prächtig. Travis geben sich als Party-Band und sprühen nur so vor Glückseligkeit.

The Line is Fine ändert nicht viel in Sachen Gesamteindruck, nimmt nur ein wenig das Tempo raus. Dennoch brettern die Gitarren in Travis-typischem Sound durch den Song. Erst Good Day to Die wirkt etwas ruhiger, obwohl auch hier Gitarren und Schlagzeug durchgehend reiclich Druck machen. Dennoch klingt der Sound hier deutlich stärker nach Britpop á la Oasis oder Blur.

Good Feeling zeigt schon deutlicher, wozu Travis in der Lage sind. Der titelgebende Track lässt nun wirklich etwas Tempo zurück und überzeugt mit guter Melodie und starker Rythmusbetonung. Das viele La-La-La müsste natürlich nicht sein. Ansonsten echt ein cooler Track. Obwohl hier schon deutlich differenziertere Emotionen einfließen wirkt der Song erstaunlich und erfreulich positiv. Auch das Klaviersolo im Stil von Saloon-Piano kommt sehr gut an.

Nach so viel Gefühl rockt Midsummer Night’s Dreamin’ dann wieder ordentlich, um die Stimmung nicht unter das Good-Feeling-Niveau fallen zu lassen. Ebenso kommt We’re tied to the Nineties daher. Dank “Hey”-Rufen fast ein wenig punky, aber insgesamt herrlich brav und doch gut. Diese kindliche Naivität schafft irgendwie nur Fran Healey unterzubringen ohne dass es peinlich werden würde.

I love you anyways ist dann der erste wirkliche Bezug zu den zwei folgenden Alben der Band. Dank Akustikgitarren und zurückhaltendem, melancholischen Gesang macht sich diese wundervolle Stimmung breit, die die Band so unverkennbar machen sollte. Einfach wunderbar…

Die Stimmung muss wieder zurück zu Good Feeling, also wird Happy eingeworfen. Party-Rock von vorne bis hinten. Mitsingen schon beim ersten Refrain möglich und Pflicht, springen, lachen, fröhlich sein. Wer dagegen immun ist, hat seinen Sarg schon gekauft.

Nach so einer Dosis Lebensfreude kann man auch nochmal eine ruhigere Nummer vertragen. Das eigentliche Highlight des Albums ist das behutsame More than us, dass für mich bis heute zu einer der besten Nummern von Travis gehört. Im Mainstream-Radio würde so etwas wohl  Ballade genannt, ich bevorzuge es einfach als grandiose ruhige Nummer zu bezeichnen, die sich Zeit nimmt sich langsam zu entfalten. Extrem gute Streicherarrangements ergänzen den Song auf den Punkt, der Gesang passt perfekt. Einfach genial, nicht weniger!

Danach einen Happy-Song zu bringen könnte nur schief gehen und so schließt sich Falling Down an, das in Atmosphäre sehr gut zu More Than Us passt. Tragende Elemente sind hier Klavier und das fast jazzig gespielte Schlagzeug mit viel Snare und High-Hat. Auch hier kann Fran Healey dank seiner Stimme viel Volumen in einen eigentlich sehr “klein” verfassten Song packen. Wirklich gut.

Funny thing klingt vom Titel her wieder nach einer Nummer im Stile von Happy, aber dem ist nicht so. Travis haben sich langsam aber sicher auf die ernsthaftere Schiene mit melancholischer Grundnote festgelegt, und das kann kaum einer so gut wie die vier Schotten. Hier finde ich besonders bemerkenswert, wie Leadgitarrist Andy Dunlop es schafft, mit viel Noise herrlich und eindrucksvoll die Stimmung des Songs einzufangen und zu unterstreichen. Das klingt fast ein wenig nach Bush und endet im Prinzip in einem Solo ohne Solo. Ein sehr stimmungsvolles Ende in einem Album, das eigentlich ganz anders angefangen hatte.

Good Feeling ist ein eindrucksvolles Debut für Travis, das ein wenig den Eindruck erwckt man könne im Verlauf des Albums der Band beim Reifen zuhören. Die Party-Rock Nummern stehen Travis ausgesprochen gut auch wenn klar ist, dass sie keine Meisterleistungen der Band sind. Besonders live funtkionieren diese Nummern auch heute noch hervorragend, um die Laune schnell zu heben. In der zweiten Hälfte haben Travis dann ihreneigentlichen Stil gefunden; die Melancholie wird tragendes Element und funktioniert so hervorragend, dass sich die nächsten beiden Alben quasi komplett auf die Erforschung dieser Songatmosphäre konzentrieren werden. Dass das zum großen Durchbruch führte ist mittlerweile Geschichte …

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Recently Released | Arctic Monkeys – Humbug

Seit letzten Freitag ist es also draußen, das aktuelleste, das neueste, das dritte Album der Arctic Monkeys. Da sollte kurz Zeit dafür sein zu erwähnen, dass es immerhin die Besprechung des Debutalbums eben jener Band war, die diesen Musikblog eröffnete. Genug aber der Gefühlsduselei. Es gibt ernstere Dinge zu besprechen als Bloghistorie.

Die Single Crying Lightning konnte zumindest eine zeitlang auf diesem Blog ja schon gehört werden, zumindest so lange, bis YouTube wieder mal den Stecker zog. Ein Schicksal, das mehr und mehr Videos zu treffen scheint.

Kommen wir aber jetzt wirklich zum Thema. Crying Lightning, die erste Singleauskopplung aus Humbug sollte ja auch einen ersten Vorgeschmack auf das dazugehörige Studiowerk liefern. Um erhlich zu sein: den Job macht die Single eher schlecht. Crying Lightning klingt richtig gut, aber auch allzu sehr nach den Arctic Monkeys aus alten, scheinbar vergangenen Zeiten. Arctic Monkeys 2009 scheinen langsam reifer zu werden, und das merkt man auch der Musik deutlich an.

Die auffälligste Neuerung ist sicher, dass das Album insgesamt deutlich ruhiger geworden ist als seine beiden Vorgänger. Mal abgesehen von den drei ersten Nummern My Propeller, Crying Lightning und Dangerous Animals nehmen die Pol-Affen deutlich das Tempo raus und fangen an, mit dem Klang zu experimentieren. Dazu haben sie sich auch für sieben der zehn Tracks kompetente Produktionsunterstützung in Person von Joshua “Josh” Homme (jepp, genau der) geholt, und das hört man auch ziemlich deutlich raus. Das gute ist: die Kombination aus BritPop und Krachgitarren klappt hervorragend. So sind auch gerade die im Teamwork produzierten Nummern die glanzstücke des Albums. Crying Lightning gehört sogar dazu.

Nach nunmehr fünf Tagen mit dem Album fällt es mir immer noch schwer, ein klares Urteil zu fällen, wobei ich diese Tatsache an sich sogar eher als positiv werten möchte. Wie schon gesagt, das Album ist klar anders als die beiden Vorgänger. Man erkennt zwar ganz eindeutig die Band wieder, aber der Druck, die Griffigkeit der beiden ersten Alben (und insbesondere des Debuts) ist nicht mehr so präsent. Darunter leidet die Tanzbarkeit, nicht aber die Qualität.

Die Band hat sich (erfreulicherweise) dazu entschlossen eine Entwicklung zu starten und erwachsener zu werden. Auf diesem Weg geht sicher der ein oder andere Fan der ersten Stunde verloren, die Band dürfte daraus aber gestärkt hervorgehen. Besonders auffällig ist diese Entwicklung beim Track Fire and the Thud. Bleibt die übliche Frage, die man sich bei solchen Veränderungen stellt: Sind das noch die Arctic Monkeys oder geht das schon zu weit?

Nein, zu weit geht das nicht. Ich bin seit jeher ja ein großer Freund von Entwicklung und den Arctic Monkeys habe ich, wie sich ja dank der Existenz von Post#1 beweisen lässt schon von Beginn an wirklich großes zugetraut. Humbug ist kein Album, dass Maßstäbe setzt oder in die Geschichte des Rock eingehen wird, aber das Album ist spannend, anders, reif und von vorn bis hinten überwiegend richtig gut. Hier und da hat es vereinzelte Längen, aber insgesamt sehe ich die Band auf einem sehr guten Weg. Und hier gilt klar die Devise: Der Weg ist das Ziel.

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For Your Interest | Arctic Monkeys – Crying Lighting

Wieder ein Vorgeschmack auf ein kommendes Album. Die bereits im letzten Post erwähnten Arctic Monkeys, Release des neuen Albums Humbug am 21. August, haben ihren Song Crying Lightning bebildert.

Zugegeben, dass Video ist echt scheiße, aber der Song gefällt mir schon sehr gut.

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Recently Released | Franz Ferdinand – Tonight: Franz Ferdinand

Das meine Ohren zu dem Vergnügen kamen, die neue Franz Ferdinand Platte zu belauschen, verdanke ich voll und ganz dem Popkiller. Denn selbst wäre ich wohl kaum auf die Idee gekommen, das aktuelle Werk der schottischen Britpopcombo anzuschaffen. Nur um hier keine Zweifel aufkommen zu lassen, ich halte Franz Ferdinand für eine hoch kreative Truppe mit wirklich guten Hits, das Problem ist jedoch, dass die beiden ersten Alben insgesamt eher nicht so gut sind. Hat man die Hits nämlich durchgehört, macht sich fast so etwas wie Langeweile breit.

Nun, Tonight: Franz Ferdinand ist anders. Schon der Opener Ulysses, gleichzeitig die erste Singleauskopplung, erinnert auf schockierende Weise zunächst einmal an die Popband Mika. Löst sich dann zwar schnell wieder in Richtung Franz Ferdinand auf, bleibt aber eine überraschend poppige Nummer. Auffallend bereits hier ist die nicht unwesentliche Ergänzung des Sounds durch Synthies. So wird Ulysses zu einer starken Eröffnungsnummer, die auch den Charakter des Albums ziemlich gut repräsentiert.  Auch Turn it On verbleibt erst einmal in klassischen Poprythmen. Dennoch schaffen es Franz Ferdinand auch hier unverwechselbar nach sich selbst zu klingen.

Man ahnt es fast: Auch No You Girls klingt irgendwie ungewohnt poppig, ja fast funkig und doch nach Franz Ferdinand. Von der Struktur her eine sehr einfacher Song,  der vielleicht gerade deshalb sofort mitreißt und zum mitwippen zwingt. Hier, wie auch schon in Ulysses, greift die Band auch gerne mal  zum Stilmittel der Atonalität und schafft es so auch einer sonst so glatten Nummer noch etwas mehr Ecken zu verleihen. Send Him Away orientiert sich stärker an Retroeinflüssen und klingt ein bißchen nach siebziger-Jahre Rock mit viel Funk und einer Basslinie, die auch einem Tatort-Vorspann würdig wäre.

Twilight Omens ist für mich eines der Highlights des Albums. Irgendwie in einer sehr düsteren Stimmung verpackt, dennoch irgendwie leicht und absolut tanzbar. Dazu ein cooler Refrain und ein Synthiethema, das einfach im Ohr hängen bleibt. Wirklich groß! Es folgt Bite Hard, ein Stück das zunächst anfängt wie ein sehr schönes ruhiges Beatles-Stück, dann aber in eine fast punkige Nummer übergeht, die besonders im Refrain stark an Franz Ferdinand Hits wie etwa Do You Want To erinnert. What She Came For klingt dann irgendwie wie Punkrock aus den 60er Jahren. Ein Widerspruch in sich, aber ich lasse das mal so stehen.

Live alone widmet sich dann wieder etwas stärker dem Pop. Geht dabei fast ein Stückchen zu weit, denn der Song erinnert teils zu stark an die gar nicht so glorreichen Produktionen aus den 70er Jahren. Dennoch eine absolut tanzbare und melodiös einprägsame Nummer. Direkt gefolgt von Can’t Stop Feeling, einem Dance-pop Stück der Extraklasse, natürlich ein bißchen in Richtung Britpop verzerrt und wirklich gut. Auch hier wieder eine eindrucksvoll produzierte Soundkulisse mit Synthiesounds und diesem funkigen Bass. Lucid Dreams ist dann irgendwie das am meisten hervorstechende Stück auf dem Album. Zunächste eine weniger auffälige Nummer , die erst zum Refrain wirklich Druck entwickelt, dann aber abgeht wie Schmitz’ Katze. Etwa in der Hälfte der Gesamtspielzeit des Songs ist das “Lied” dann fertig und geht über in einen fast vollelktronische Rythmustrack, der hier und da noch leichte Referenzen zum Song aufweist. Solche Experimente kennt man bereits von anderen Bands, so konsequent und vor allem so lang hat das aber meines Wissens noch keine Rockband ausgehalten. Spannend daran ist, dass man an sich selbst bemerkt, dass einem auch diese Rythmussektion absolut ins Ohr gehen kann. Selbsterkenntnis kommt also frei Haus.

Dream again zeigt sich dann wieder versöhnlich mit all denjenigen, die die Selbsterkenntnis nicht hören wollten. Der Song erinnert jedoch dank Dissonanz zunächst eher an einen Albtraum. Ist aber durch und durch passend zum Restalbum. Katherine Kiss Me gibt sich dann noch als Friedensangebot an all Jene, die in Tonight: Franz Ferdinand gar keinen Anker werfen konnten. Lennonesk gesungen, McCartneyesk gezupft und irgendwie eine traurige Schönheit nach einer wilden Reise durch Klanglandschaften, die man bestimmt nicht erwartet hätte.

Tonight: Franz Ferdinand ist ein schwieriges Album für eingefleischte Fans der Band, denn vom Retrostil-Britpop versuchen Franz Ferdinand immer weiter wegzukommen, und das gelingt auch ziemlich gut. Die gute Nachricht ist, dass die neuen Franz Ferdinand klanglich dennoch sehr nah an den alten Franz Ferdinand. Liegen. Was dem Album vermutlicht fehlt, ist ein klarer Radiohit, denn kein Song steht wirklich hervor. Was für manche jedoch ein Abwertungsgrund darstellen würde, ist in diesem Fall meiner Meinung nach ein klares Indiz dafür, dass das Album eine durchgängige Qualität erreicht hat, die Franz Ferdinand Alben bislang gefehlt hatte. Tonight: Franz Ferdinand wird vermutlich nie den Status der Vorgängeralben erreichen, es ist aber mit Sicherheit das beste Album der Band bisher.

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Retrozension | Muse – Showbiz

Im Jahre 1999 traten aus England drei Herren in Erscheinung, die fortan als Muse bekannt werden sollten. Das Debutalbum Showbiz zeigte sich als furioser Anfangspunkt einer Band, die zunächst damit leben musste, von mir beflissentlich ignoriert zu werden. Meine Erinnerungen an Muse aus dieser Zeit beschränken sich denn auch auf das Musikvideo zu Uno, dass massiv auf MTV gespielt wurde sowie auf einen Auftritt der Band im Vorprogramm zu Bush.

Mein Erweckungserlebnis  hatte ich erst 2007, als mir eher zufällig das Album Absolution in die Finger kam. Da ich zu dieser Zeit gerade ein erstes ernsthaftes Geld verdient hatte dauerte es auch nicht lange, die beiden Vorgänger Showbiz und Origin of Symmetry zu kaufen. Das schöne daran war, dass man auch hier in keinster Weise enttäuscht wurde, denn die drei ersten Alben von Muse rangieren auf ähnlichen Leveln.

Was Muse von allen anderen Bands absetzt ist die Tatsache, dass Muse wohl die einzige Band sind, die musikalisch mit Radiohead mithalten können, wenn sie auch eher die Pfade austreten, die Radiohead mit den ersten beiden Alben freigeschlagen haben. Dennoch kann man klangliche Ähnlichkeiten definitiv nicht verneinen. Zu Anfang glaubte ich auch eine deutliche Ähnlichkeit in den Stimmen von Matthew Bellamy und Thom Yorke zu vernehmen. Das kann ich heute nicht mehr ganz nachvollziehen, könnte aber darauf zurückzuführen sein, dass beide sehr gut mit Kopfstimme singen können und eine Stimmgewalt aufbringen, wie ich sie in meinen kühnsten Träumen nicht zu haben wage.

Der Sound von Muse ist denn auch ähnlich gewaltig; orchestrale Soundstrukturen, viel Piano (das bisweilen an Supertramp zu erinnern vermag) und Synthesizer in direktem Zusammenspiel mit verzerrten Gitarren und das Ausreizen des gesamten dynamischen Spektrums werden hier zu Markenzeichen, die Muse inzwischen unverkennbar machen. Im angebrachten Vergleich zu Radiohead kann man behaupten, dass Muse etwas weniger paranoid klingen, dafür aber etwas großspuriger rüberkommen. Keine sehr hilfreiche Beschreibung, aber das ist nunmal, was ich dabei denke.

Eine Schilderung jedes einzelnen Songs will ich mir an dieser Stelle ersparen. Zu sagen ist jedoch, dass das Album keine Schwachstellen aufweist. Im Grunde kann man sogar behaupten, dass keine Songs wirklich hervorstechen, da alles auf höchstem Niveau stattfindet und aus einem Guss erscheint. Die Songs bauen allesamt eine düstere Stimmung auf, die sich scheinbar am Rande der Existenz zu bewegen scheint, wo es auf jeden Ton und jede Dynamik ankommt, und wo Beiläufigkeiten einfach unmöglich sind. So vermittelt auch der Gesang von Matthew Bellamy jederzeit das Gefühl es ginge um Alles oder Nichts, und das fand ich schon immer sehr reizvoll. Favoriten kristallisieren sich dann aber doch mit der Zeit heraus und da müssen sicherlich Muscle Museum, Falling Down und die bereits erwähnte Single Uno.

Ich kann auch heute noch nichts an Showbiz finden, dass rechtfertigen würde Abzüge in der B-Note durchzusetzen. Muse machen auf ihrem Debutalbum da weiter, wo Radiohead nach The Bends aufhörten um sich mit OK Computer endgültig musikalisch vom Mainstream abzusetzen. Was zunächste als Plagiatsvorwurf klingt ist in Wahrheit viel eigenständiger und zeigt, dass Muse zu den wenigen Bands gehören, die wirklich intensives Songwriting betreiben und Feinheiten in ihre Stücke einbauen, die auch nach Monaten und Jahren noch Freude wecken, wenn man mal wieder reinhört.

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