Retrozension | Muse – Origin of Symmetry

Man könnte ja meinen, in einem so unsonnigen Sommer bliebe mehr Zeit fürs Bloggen. Nun, leider weit gefehlt und zwar nicht nur was das Bloggen, sondern auch was das Musikhören betrifft.

Dennoch, der morgentliche Weg zur und der abendliche Weg weg von der Arbeit geben mir genug Raum, auch mal wieder ein paar alte Sachen auf meine Ohren dröhnen zu lassen. Besonders gepackt hat mich dabei in der letzten Zeit mal wieder Muse, diesmal mit dem Zweitalbum Origin of Symmetry, dass nunmehr auch schon wieder neun Jahre zurückliegt.

Muse 2001 klingt anders als Muse 2010, und das ist in beide Richtungen gut. Die neuen Sachen der Band sind grandios arrangiert und genial produziert, lassen aber immer mehr den Mitsing-Faktor vermissen. Da sind die älteren Alben der drei Engländer noch bodenständiger, obwohl der Hang zur musikalischen Arroganz auch da schon tief verwurzelt war – zu recht, wie ich finde.

Opener ist das über sechs-minütige New Born, das Muse-typisch, sanft einsteigt mit Klavierklängen und ein wenig Bass, der schon mehr vermuten lässt was Dynamik und Lautstärke angeht. Auch die Stimme Matthew Bellamys erkennt man unweigerlich auf den ersten Metern. Nach knapp über einer Minute bricht dann das Feuerwerk los und der Song wird zu einer mitreißenden Rocknummer, wie es leider immer noch viel zu wenige gibt. Auffälliger Unterschied zu anderen Bands ist die aktivere Bassarbeit und die höhere Kreativität im Gitarrenspiel. Druck nach vorne gibts reichlich und das Album macht schon richtig Spaß.

Bliss lässt die andere Seite von Muse erkennen, die etwas poppigere, von Synthesizern gestützte Seite. Der Song ist ein wenig ruhiger, in der Geste aber kein Stück zurückhaltender. Selbiges gilt auch für Space Dementia, das die orchestrale Seite von Muse zum Vorschein kommen lässt, wobei der klassisch anmutende Klavierpart eigentlich nur die Bühne bereitet für eine hektische Rocknummer die eine Dringlichkeit vermittelt, wie ich sie in der Musik nur selten erlebt habe. Muse verdeutlichen, dass sie den großen Wurf machen wollen. Jede Note ein Statement, jeder Satz die ultimative Wahrheit, jeder Akkord eine Geste der Überlegenheit. Wirklich genial.

Hyper Music strapaziert dann etwas die Nerven, mit viel Gefiepse zum Einstieg und viel Geheule vom Fronteunuch, aber auch dieser Song fängt sich, marschiert unaufhaltsam los und nimmt alles mit, was sich ihm in den Weg stellt. Direkt darauf folgt der vielleicht beste Song des Albums: Obwohl für Muse geradezu banal komponiert, überzeugt Plug in Baby mit einem vertrickten Gitarrenriff, einem eingängig simplen Refrain und kommt, anders als die meisten anderen Stücke auf OOS gleich zur Sache.

Citizen Erased ist da wieder anders, viel Klangexperiment dank Obertönen zu Beginn, ein nettes Akkordintro und dann eher ruhiger angelegter Gesang. Untermalt mit viel Gitarren und Bass und Synths. Kein echtes Highlight, aber wieder diese Eindringlichkeit, diese Ernsthaftigkeit. Micro Cuts ist dann die Eunuchennummer schlechthin, und ehrlich gesagt auch gelegtnlich ziemlich anstrengend. Mitsingen nicht empfohlen.

Screenager ist anders als man vermuten möchte ein ganz ruhige, entspannte Nummer. Die erste auf dem Album, wenn man es genau nimmt. Ein Hort der Entspannung im Sturm des restlichen Albums. Sehr schön. Auch Darkshines geht es eher etwas gelassener an, zeigt aber wieder deutlicher in Richtung Rock. Besonders schöne der etwas groovig angelegte Strophenteil. Im Refrain wird dafür wieder ordentlich Strom verbraten. Toller Song.

Mein zweites Highlight ist dann ganz eindeutig Feeling Good, eine gesangsstarke Nummer, die auch wieder dank der simplen Struktur und der einfachen Linie heraussticht aus dem sonst oft kopflastigen Album. Trivia hierzu: die Nummer wurde sogar von Michael Bublé gecovert, auch wenn ich sicher bin, dass Muse das besser gemacht haben. Den Schluss macht dann noch Megalomania, dass wieder eine große Geste und viel Arrangierarbeit zu Grunde legt. Ein guter Schluss und doch hätte man sich etwas positiveres als Abschluss gewünscht, aber fröhliche Musik haben Muse ja noch nie gemacht.

Origin of Symmetry ist ein wirklich starkes Album und gerade aus heutiger Sicht für mich spannend. Muse haben sich im Laufe der Jahre deutlich entwickelt was Klang und Arrangements betrifft. Anders als bei vielen anderen Bands ist hier aber nicht festzustellen, dass die alten Alben irgendwie ungeschliffen wirken. Muse haben schon damals großartige, eindringliche, arrogante Musik gemacht. Allerdings hat sich mittlerweile der Sound etwas verschoben. Was besser ist wage ich nicht zu sagen, das beides gut ist muss kaum erwähnt werden. Muse rocken nach wie vor.

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News & Rumors | Bush kommt zurück

Die bessere Nachricht zu erst: George W. ist nicht gemeint und meines Wissens hat sich auch seine Tochter bislang nicht darum bemüht, dem Weißen Haus Ihre nicht gerade unauffälligen Zähne zu zeigen.

Die andere Nachricht dreht sich dann nun um die Band Bush. Wir erinnern uns kurz: Bush kamen aus Sheperds Bush in London, machten gute Grunge-/Alternative-Musik und brachten Frauen zum dahinschmelzen ob des zugegebenermaßen nicht ganz hässlich geratenen Frontmanns Gavin Rossdale, seineszeichens Ehemann der deutlich besser bekannten Gwen Stefanie.

Nun, Gavin hat sich ein Herz gefasst und bringt die Band wieder zusammen, ganz Blues Brothers-mäßig. Allerdings will die Band nicht so sehr, weshalb genau genommen nur der Drummer Robin Goodridge zu überzeugen war. Der Rest, also ziemlich exakt genau die Hälfte, bleibt zu Hause und schaut sich das Ganze aus der Ferne an.

Ob diese “Reunion” am Ende hält was sie ganz sicher nicht verspricht bleibt abzuwarten. Im Oktober soll das neue Album Everything Always Now zu haben sein. Bis dahin heißts geduldig warten … oder halt eben nicht.

EDIT: Auf Soundcloud gibts sogar einen ersten Höreindruck.

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Recently Released | Bonaparte – My Horse Likes You

Musikblogging ist nicht immer ein einfaches Hobby: Zwar höre ich mehr oder weniger den ganzen Tag Musik, wenn es die Situation zulässt, aber nicht immer bin ich der Meinung, auch etwas dazu sagen zu müssen. Für den Popkiller ist das besonders schwierig zu lösen, da ich hier trotzdem Worte finden muss, die Musik zu beschreiben und zu bewerten. Auf Retrozension.de habe ich den Luxus, tatsächlich nur über das schreiben zu können, was mich wirklich bewegt und beeinflusst. Das hat zwar zur Folge, dass es hier kaum böse Rezensionen zu lesen gibt, dennoch empfinde ich es als sehr befreiend, all die schlechte Musik ignorieren zu können, die uns heutzutage so tausendfach um die Ohren fliegt.

Umso erfreulicher finde ich es, dass ich mal wieder – und mal wieder durch den Popkiller – an eine Entdeckung gekommen bin, die mich unmittelbar und nachhaltig begeistert. Die Band heißt Bonaparte, kommt mehr oder weniger aus Deutschland und macht so unbeschwert und kreativ Musik, dass sich nach meiner Ansicht alle Mainstream-Acts der täglichen Radio-Rotation ehrfürchtig auf die Knie werfen müssten. Bonaparte sind nur schwer einem Genre zuzuordnen (ein Umstand, der nur selten schlecht ist). Die Musik vereint Elemente aus Pop, Rock, Swing, Western, russischer Volksmusik, Elektronika und mindestens 45 anderer Musikrichtungen die mir entweder unbekannt sind oder die einfach noch keinen Namen haben. Und das ganze wirkt so ausgesprochen lässig, leicht und natürlich, dass es mir mal wieder alle musikalischen Sinne freigespült hat.

Das Album beginnt zunächst undefinierbar mit einer Ouverture, die halb orchestral, halb elektronisch wirkt/ist. Viel mehr als eine musikalische Randnotiz ist sie mit ihrer minnenhaften Melodieführung jedoch nicht. Hinweise auf das, was das Album noch zu bieten hat sind nur zu erahnen und leiten erst gegen Ende den eigentlichen Opener und Titeltrack My Horse likes You ein. Ein Elektropunksong erster Güte, der aufhorchen lässt dank seiner Kraft, Einfachheit überbordenen Idiotie und einem Beat, der zur Bewegung förmlich zwingt. Hier werden Erinnerungen an die Band Cake wach, die zwar musikalisch ganz anders unterwegs sind, deren Songs aber die selbe Motivation zu haben scheinen. Im direkten Vergleich darf Bonaparte aber als verrückter und frischer bewertet werden.

Computer in Love setzt den Trash-Ansatz konsequent fort und erzählt zu viel Elektronischem die stalkerhafte Liebeserklärung eines Computers an seinen Besitzer: Sozialkritik und eine ganze Menge Humor inbegriffen, ohne das es irgendwie angestrengt wird. Hier wird Elektronika und Rockmusik miteinander vereint und verschnitten, ohne das es dabei den geringsten Gegensatz zu geben scheint. Fast als wären die Genres dafür gemacht, kombiniert zu werden.

Boycott Everything könnte 1:1 auch von den Woog Riots stammen. Der Text mehr gesprochen als gesungen, die musikalische Untermalung verlässt sich mehr auf Keyboard und Synthie-Sounds denn auf Gitarre und dennoch hat man permanent das Gefühl eigentlich ein kleine Punkhymne zu hören. L’etat c’est moi klingt dann sogar wirklich verdächtig nahe nach Cake, hier wird tatsächlich schwerpunktmäßig gerockt. Der Gesang kurz vor der Schreigrenze könnte der Song aber genausogut von The Strokes oder The Hives stammen.

Besonders gut gefällt mir dann Fly a Plane into Me. Die vielleicht leichteste Nummer auf dem gesamten Album. Eine zuckersüße Melodie, leicht untermalt mit Gitarrenriffs, die mich an Voom erinnern und leichten Keyboardssounds, die wieder an Woog Riots denken lassen. Rave Rave Rave lässt dann Western Swing auferstehen, indem das ganze Stück konsequent nach Saloon-Piano klingt. Darüber wieder ein Gesang, der eigentlich näher an der Spoken-Word-Performance liegt. Der Text wortverliebt und wortwitzig und alles schreit geradezu danach das Tanzbein zu schwingen.

Intermission in Mexiko greift kurz nochmal die Ouverture auf, wirft ein paar musikalische Fragmente in den Raum und erfüllt an sich weiter keinen Zweck, als den Raum zwischen dem letzen und dem nächsten Song zu füllen. Transportiert dabei aber hervorragend die Stimmung von Western Swing rüber zum Balalaikapolkapunk der uns im Song Technologiya erwartet – samt russischem Refrain. Dazu dieser wunderbar idiotische Lobgesang auf die Technologie: “Technolgy will outlive us all!”. Einfach riesig!

Wir sind keine Menschen bleibt ebenso rockig, packt auf die leichte Punknummer Technologiya aber noch eine Schippe Härte drauf und rockt in bester Alternative Manier bis die Fetzen fliegen. Englische Strophe, deutscher Refrain, und trotzdem – oder gerade deswegen – wird daraus ein ganz großer Song auf My Horse Likes You. Ein echter Entfruster. Und ein harter Kontrast zum Folgenden My Body is a Battlefield, das sich wesentlich stärker auf Elektronika konzentriert und die Gitarre erst im Refrain emanzipiert, dann aber voll einen auf Indierock macht.

Mit Unterstützung von Modeselektor folgt dann Orangutan, eine wieder stark elektronische Nummer, die textlich wieder einmal Volltrash ist, aber dennoch musikalisch zu überzeugen weiß. Die Synthies dürfen auch bei Adabmal die Hauptrolle spielen, dabei sogar kanglich kurz Erinnerungen an Pink Floyds Wish You Were Here Album wecken, nur um dann scharf in Richtung Orient abzubiegen. Textlich passiert nicht viel, als kurz vor Schluss-Nummer aber ein voll gelungenes Stück.

Ein Trommelwirbel läutet dann das Ende des Albums ein; der Titel treffenderweise The End, fahren Bonaparte nochmal kurz auf, was sie so alles in ihrem Repertoire stecken haben: Gitarren, Synthies, Keyboards, Drums vereinen sich in einer kurzen Kakophonie, die letzlich aprubt von Stille abgelöst wird, bis sich schließlich der freundliche Mitarbeiter der Bonaparte Helpline meldet.

Ende eines grandios kreativen, sehr trashigen Albums das von Anfang bis Ende einfach nur erfrischend gut ist. Mir bleibt nur die Verneigung vor der scheinbaren Leichtigkeit und Unverfrorenheit mit der das Album geschrieben und produziert wurde. Sicher nichts fürs Mainstream-Radio, aber musikalisch ein voller Gewinn. Für solche Bands blogge ich.

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Recently Released | Stone Temple Pilots – Stone Temple Pilots

Die Vorfreude war ja schon etwas gedämpft, als die Stone Temple Pilots freudig zu verkünden wussten, dass Sie sich für die Aufnahmen ihres sechsten Studioalbums (und dem ersten nach nunmehr 9 Jahren) soweit wie möglich nicht gemeinsam im Studio aufgehalten haben. Man mag mich altmodisch nennen, aber ich glaube immer noch fest daran, dass Musik immer dann gut wird, wenn Bands sich im Studio Zeit lassen, Jammen, verrückte Ideen verfolgen und letzlich ein organisches Werk abliefern, dass die Handschrift der ganzen Band trägt und das stellenweise hart erkämpft ist. Dazu braucht es belastbare Beziehungen zwischen den Bandmitgliedern, denn solche Auseinandersetzungen können belasten. Hätten die Stone Temple Pilots versucht, auf diesem Wege das neue Album aufzunehmen, hätte es zwei Möglichkeiten zum Ausgang gegeben: Entweder, das Album wäre nie zustande gekommen, oder es wäre richtig gut geworden. Alles oder Nichts, wobei ich versucht bin zu glauben, dass Nichts vielleicht besser gewesen wäre.

Das Album startet mit ein paar Nummern, die zwar unverkennbar nach Stone Temple  Pilots klingen, die aber alles vermissen lassen, das die STP bislang so einzigartig gut gemacht hatte. Hier werden Alternative-Power-Rock Hymnen am Fließband produziert, die kurz davor sind zur Parodie von guter Musik zu werden, wären Sie nur nicht so schrecklich ernst gemeint. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich das Problem des Albums in Worte fassen soll. Eben auf der Zugfahrt nach Hause ist mir erschreckenderweise klar geworden, wie es gesagt werden muss. Das Album ist vergleichbar mit – und jetzt wirds schmerzhaft – Bon Jovi. Der klingt zwar auch noch entfernt nach Jon Bon Jovi (oder Jon Bongiovi, falls sich noch wer erinnert), hat es aber mittlerweile geschafft jeden Song nach Schema-F  zu schreiben und zu produzieren. Irgendwie klingt jeder Song gleich vertraut und nur marginal anders. Innovation sollen doch die anderen machen, so gehts schnell und bequem und bringt (zumindest bei Bon Jovi) einen Haufen Schotter.

Künstlerisch hat Stone Temple Pilots (Das Album) leider kaum etwas zu bieten. Vielleicht ist nicht jeder Song schlecht, genau genommen ist sogar kein Song wirklich schlecht, aber es ist auch bei weitem nicht das, wozu die Band noch vor neun Jahren in der Lage war. Man muss leider sagen, dass das Material von Velvet Revolver mehr Ideen umsetzt als die neue Stone Temple Pilots-Scheibe, und Velvet Revolver waren für mich immer nur auf etwa 80 % des STP-Niveaus.

Das ist nun leider neu definiert, und so bleibt zu hoffen, dass sich die STP entweder deutlich bessern oder lieber doch endgültig von der großen Bühne verabschieden. Denn das Mittelmaß, dass der neue Tonträger vermittelt, ist weder der Band von früher würdig, noch eine Bereicherung für die Fans, die sehnsüchtig auf die Veröffentlichung gewartet haben dürften.

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Recently Released | Mugison – Ítrekun

Mugison, der geniale Isländer, hat mal wieder ein musikalisches Feuerwerk angezündet, dessen Rauchfahne bis nach Deutschland reicht, auch wenns kaum einer mit bloßem Auge zu erkennen vermag. Ok, ich gestehe, das war jetzt Wortwitz der untersten Eyjafjallajökull-Schublade. Nichtsdestotrotz hat Mugison zwischenzeitlich einen neuen Langspieler veröffentlicht, auch wenn er sich dabei ein wenig darum gedrückt hat tatsächlich neues Material zu schreiben.

Ítrekun ist eine Live-Aufnahme von neun Stücken, die größtenteils aus den drei Studioalben entstammen. Dabei sind drei Dinge hervorzuheben: Ein Cover gibt es nicht. Die Hülle und die durch das Sichtfenster erkennbare CD werden schlichtweg zum Cover umfunktioniert. Stilmittel sind hier ein Roter Stempel und der Aufdruck auf dem Silberling. Auch die Rückseite ist schlicht mit den nötigen Infos über den Künstler und die Songs gestempelt. Das passt hervorragend zur etwas rauheren Musik von Mugison, die selbst auch auf alle unnötige Verzierung verzichtet. Des Weiteren spielt Mugison zwar live mit einer Band, aber offenbar in Abwesenheit jeglichen Publikums. Ferner werden die Songs in der Aufnahme nicht einfach nur wiedergegeben sondern vielmehr neu interpretiert. Das kann kaum merklich sein, wie etwa bei dem sehr schönen Song Poke a Pal (ursprünglich vom Album Lonely Mountain) oder aber auch sehr tiefgreifend, wie etwa bei Jesus is a Good Name to Moan (aus dem genialen Album Mugiboogie), das sich plötzlich im Funk versucht.

Auch zwei (zumindest mir) neue Nummern verstecken sich zwischen altbekanntem, aber neu interpretiertem. I’m Alright ist eine sehr fragil wirkende, sehr ernste und ruhige Nummer, die von leicht angezerrten Gitarrenparts getragen wird. Nur im Refrain erhält der Song mehr Statik und scheint sich ein wenig aufzubäumen.

Rockig hingegen Go Blind, das scheinbar in die Trickkiste von vierzig Jahren Rockgeschichte gegriffen hat um die besten Elemente neu zu kombinieren. Das funktioniert und ist im Gegenteil zu I’m Alright ein wahrlich fröhliches Stück Rockmusik, das auch den früheren Travis gut zu Gesicht gestanden hätte.

Alles in allem ist Ítrekun eine fantastische Meditation von Mugison über Mugison und schon allein deshalb einen Kauf Wert. Kein anderer Künstler versteht es derzeit so treffsicher eigene Musik zu schreiben, zu produzieren, zu vertreiben und sich dabei so erfreulich treu zu bleiben. Die Songs berühren und sind eine Freude für die Ohren; man hat die Gelegenheit die Musik von Mugison aus einem etwas anderen Blickwinkel kennen zu lernen, und das ist eine Gelegenheit, die man ganz sicher nicht verstreichen lassen sollte.

Bezug zu äußerst fairem Preis (trotz schwachem Euro) von 9$ als Download+CD über www.mugison.com und anders als bei Jack Johnson werden hier nicht noch 30$ als Versand fällig.

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Recently Released | De Staat – Wait for Evolution

Es ist schon wieder eine ganze Weile her, dass ich für den Popkiller De Staats Debutalbum Wait for Evolution begutachten durfte. Es kam wie so oft mit einem ganzen Schwung von CDs und mein erster Eindruck vom Digipack führte mich schnell zum Schluss, dass ich hier mal wieder eine von diesen unzähligen und leider fast immer überflüssigen Punkkreationen geschickt bekommen hätte. Das kommt immer wieder vor und ich muss einfach sagen, dass Punk meist dermaßen öde ist, dass ich entsprechend unfreudig die CD anspielte, um es schnell hinter mich zu bringen.

Nun, ich wurde sehr schnell eines besseren belehrt. De Staat sind seit dem ersten Anspielen ein Dauerbrenner auf meinen Ohren. Der iPod bekommt kaum Gelegenheit mehr, etwas anderes abzuspielen, denn der Sound von De Staat hat mich gefesselt und vereinnahmt wie kaum ein anderes Album in der letzten Zeit.

De Staat klingen angenehm verrückt, leicht experimentell, aber nicht im Sinne von seltsamen Klangexperimenten sondern einfach was die Herangehensweise an die Musik betrifft. Die Musik wirkt organisch, natürlich und geradezu bestechend gut gelaunt. Im Genre des Alternativ Rock angesiedelt bringt die Band auf Wait for Evolution dreizehn wunderbare Tracks in Umlauf, die unbedingt gehört gehören.

Anspieltipps zu geben ist eigentlich falsch, denn kein Song fällt hinter den anderen zurück. Das Album wird zwar mit jedem Track besser; das heißt aber nicht, dass die ersten Songs nicht gut wären. Schon der zweite Track mit dem etwas ungelenken Titel The Fantastic Journey of the Underground Man gehört für mich zu den Highlights des Langspielers. Und wo wir schon dabei sind, sollte man Habibi, My blind Baby, Meet the Devil, You’ll be the Leader und den Bonustrack (kein Hidden Track!) Because I’m a Cage Fighter nicht vergessen zu erwähnen.

Kurzum: De Staat gehören momentan zu den besten Bands, die Europa auf dem Markt hat. Erfrischend, neu, spannend, aufregend und vor allem mit viel Spaß dabei. Die ultimative Beschreibung aber muss ich auch in dieser Rezension meinen Niederländischen Kollegen von 3voor12 entleihen:

De Staat klingen alt und neu, verrückt und bekannt, schmutzig und sexy, tot und lebendig zur gleichen Zeit. Es ist so als würden Elvis, Tom Waits und die Queens of the Stone Age gemeinsam Urlaub machen“

Besser kann man es nicht ausdrücken.

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