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    Retrozension | Stone Temple Pilots – Shangri-La Dee Da
    Sunday February 28th 2010, 11:21
    Abgelegt unter: Alternative Rock, Retrozension, Stone Temple Pilots

    Nachdem dieses Jahr sich anschickt wenigstens zwei spektakuläre Reunions wahr werden zu lassen, nutze ich die Gelegenheit einer dieser Bands mal wieder zu huldigen.

    Die größere Überraschung in der Reunion-ankündigung sind für mich die Stone Temple Pilots, die nun für den 25. Mai ihr Amerika-Release des selbstbetitelten sechsten Studioalbums angekündigt haben. Nachdem sich die Band ja in den letzten Jahren ihres Bestehens immer wieder in die Haare gekommen war weil Frontmann Scott Weiland es einfach nicht hinbekam die Finger von Drogen zu lassen, hätte ich eine Reunion insgesamt eher nicht erwartet. Im letzten Jahr straften die Pilots meine Einschätzung dann Lügen und reformierten sich für ein paar Live-Auftritte. Es folgt nun also die logische Konsequenz: Ein neues Studioalbum. Nach Aussagen der Band über weite Strecken getrennt voneinander aufgenommen was zwar verhindert, dass man sich wieder gegenseitig die Haare rauft, was aber auch nicht gerade als sehr positive Prognose für die weitere Zukunft und Eintracht der Band herhalten kann.

    Das letze Studioalbum der Stone Temple Pilots erschien mit Shangri-La Dee Da bereits Mitte 2001 und bot damit zum vorerst letzen Mal den sehr prägnanten Power-Rock, der die Band so einzigartig gemacht hatte. Dreizehn Songs präsentierten die Pilots auf ihrem letzten Album und diese waren von einer seltsam düsteren, sehr dichten Atmosphäre geprägt. Obwohl textlich immer wieder um positive Botschaften bemüht, sprach die Musik hier insgesamt eine andere Sprache. Zwar kann man dem Album nicht vorwerfen, sich in Melancholie zu ergießen, dennoch hat der Sound insgesamthäufig fast etwas bedrohliches.

    Vorbei sind die Zeiten á la Tiny Music … in denen Jazz-Einflüsse und Psychedelic den Stil der STP ins Experimentelle beeinflussten. Shangri-la Dee Da konzentriert sich auf Gitarrenwände, starke Vocals und hämmernde Drums. Das ist bisweilen tatsächlich genial, war aber zu Anfang für mich setsam gewöhnungsbedürftig. Irgendwie klang das fremd, obwohl es zu jeder Sekunde des Albums unverwechselbar nach den Stone Temple Pilots klingt.

    Shangri-la Dee Da bietet wirklich viele sehr gute Songs. Mein persönlicher Favorit ist Bi-polar Bear, das sehr dynamisch ist und die Stimmung des Albums am besten auf den Punkt bringt. Der Song Hollywood Bitch, die zweite Singleauskopplung nach Days of the Week ist hingegen fast poppig, geradezu anstrengend, geht aber mit der Zeit auch richtig gut ins Ohr. Ich weiß nicht, wen Scott Weiland da eigentlich besingt, sich das ganze als Anti-Hymne auf Courtney Love vorzustellen, passt ziemlich gut.

    Auch wundervoll: A Song for Sleeping, ein Begrüßungssong für den damals Neugeborenen Sohn von Scott Weiland und das positivste Stück auf dem ganzen Album, dass aber interessanterweise auch die Angst vor einem erneuten Drogenrückfall musikalisch mitverpackt hat. Musik, die aus der Seele spricht. So muss das sein.

    Shangri-La Dee Da leistet sich über die gesamte Spielzeit keine Patzer und ist so ein Album auf dem typischen Stone Temple Pilots Niveau. In meiner Einschätzung eines der drei besten Alben der Band, zusammen mit Purple und Tiny Music. Leider schaffte es die Band trotz dieser guten Arbeit nicht, sich wieder zusammenzufinden und löste sich ob der Exzesse und Entziehungen des Sängers Scott Weiland schließlich auf. Lediglich ein Best-Of erblickte noch das Licht der Welt. Die einzelnen Bandmitglieder begaben sich in dieverse Solo-Projekte, wovon ungerechter- aber nicht ungerechtfertigterweise nur die Supergroup von Scott Weiland unter dem Namen Velvet Revolver wirklich einschlug.

    Shangri-La Dee Da bleibt in jedem Fall stehen als genial-brachiales Rockalbum, als eines meiner Lieblingsalben aus dem Alternative-Grunge-Rock Bereich. Deshalb gibts auch volle Punktzahl.

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    Retrozension | Bush – Golden State
    Friday February 12th 2010, 21:12
    Abgelegt unter: Alternative Rock, Bush, Retrozension

    Zeit mal wieder ins Plattenregal (ok, ich gebs zu, es sind nur CDs) zu greifen und einen alten Schinken anzuhören. Bushs Golden State erschien Ende 2001 und markierte das Ende der Band, dass trotz einer Comeback-Ankündigung 2008 meines Wissens bis heute Stand der Dinge ist.

    Golden State darf man tatsächlich einen alten Schinken nennen. Das Album klingt mittlerweile schon deutlich angestaubt. Der Sound ist/war typisch für Bush, allerdings ist das Album wenig aufregend. Vor allem nach dem doch relativ experimentierfreudigen The Science of Things verblaßt Golden State deutlich.

    Das bedeutet jetzt nicht, dass das Album grundsätzlich als schlecht zu bezeichnen wäre. Es macht sich eher der Eindruck breit, dass die Band einfach unmotiviert war und daher beim Songwriting nicht mehr die Zeit investiert hatte, die notwendig gewesen wäre. So wurde das Album auch kommerziell kein großer Erfolg und die Auflösung der Band folgte auf dem Fuße.

    Eigentlich birgt das Album aber durchaus gute Rocknummern. Da wären The People That We Love, Hurricane oder Reasons, die alle zeigen, dass die Band wirklich für gute Grunge-/bzw. Alternativerocknummern stand. Auch wirklich gute ruhige Stücke finden sich mit Inflatable und Out of this World.

    Allerdings passte das Album irgendwie nicht mehr so richtig in das neue Jahrzehnt. Zu jammerfreudig, zu wenig Fortschritt im Klang. Die Band hatte ihren Zenit hier schon überschritten. Hier hätte sich die Band wohl eher ein Stück weit neu erfinden müssen. Das hat sie leider verpasst. Die Bandmitglieder trennten sich 2002 auch nicht gerade in enger Freundschaft, was sicher auch am Riesenego von Frontmann Gavin Rossdale lag.

    So bleibt Golden State vor allem als Marker des Endes der Band in Erinnerung. Trotzdem ist Golden State ein insgesamt gutes Album gewesen. Leider kam es ein paar Jahre zu spät auf den Markt.


    Recently Released | The Constellation Branch – The dream Life, the real Life, the empty Glass …
    Wednesday February 10th 2010, 10:00
    Abgelegt unter: Alternative Rock, Recently Released, The Constellation Branch

    Self-Releases gibt es ja seit spätestens der Erfindung von MySpace und den ersten Erfolgsgeschichten á la Arctic Monkeys mindestens wie Sand am Meer. Wer ehrlich mit sich ist muss zugeben, dass das meiste davon eigentlich eher Schund denn gute Musik ist. Umso erfreulicher, wenn man dann doch mal wieder auf eine echte Perle aufmerksam wird.

    So geschehen im Fall von The Constellation Branch. Nicorola.de brachte anfang Dezember einen eher unscheinbaren Post zum Debut von The Constellation Branch heraus, das bereits Anfang 2009 durch die Band veröffentlicht wurde. Der Artikel lies mich zumindest so neugierig zurück, dass ich mir auch sogleich das Album herunterlud und reinhörte. Seitdem erinnert mich die freundliche RTM-Kuh quasi täglich daran, dass ich eine Rezension zu diesem wirklich imposanten Release verfassen will. Jetzt da meine Blogpause vorbei ist komme ich endlich dazu.

    The dream Life, the real Life, the empty Glass … darf ruhig und allen Ernstes als echtes Alternative-Konzeptalbum beworben werden. Dabei schaffen The Constellation Branch einen unwahrscheinlich dichten Sound, der ein wenig an Radiohead auf einem Heavy-Trip erinnert. TCB rocken gewaltig und kommen dabei dank sehr präzisem Schlagzeugspiel auch immer mal wieder in die Nähe von (hörbarem) Metal, sind aber doch insgesamt klar als Alternativegruppe einzuordnen.

    Spannend macht das Album, dass das Prädikat self-produced Self-Release hier nicht bedeutet, dass man auf gute Produktionseinfälle verzichten müsste. Im Gegenteil versuchen The Constellation Branch hier auf oberstem Niveau mitzuhalten und schaffen das  auch. Hier und da merkt man vielleicht, dass der Sound etwas Tiefe vermissen lässt, aber das habe ich ehrlich gesagt bei manchen Labelreleases schon deutlich gravierender gehört.

    Die Musik selbst ist abwechslungsreich, kreativ, originell und spannend geschrieben und inszeniert. Anfangs fielen mir noch jede Menge Assoziationen zu anderen Bands ein, mittlerweile muss ich eindeutig sagen, dass die Band einen sehr guten eigenen Stil repräsentiert, der vorwiegend durch die gesangliche Leistung und ein bißchen durch vereinzelte Gitarrenparts dezent an Radiohead erinnert. The Constellation Branch rocken aber deutlich verzerrter, etwas weniger verquer und mit einer anderen Agenda. Die Musik sprüht jetzt zwar auch nicht unbedingt vor Lebensfreude, ist aber doch deutlich lebensbejahender als alles, was Radiohead bislang herausgebracht haben.

    Dadurch, dass das Album als Konzeptalbum angelegt ist findet man die klassischen Werkzeuge eines solchen vor: wiederkehrende Motive, ein Song in mehreren Sätzen und textliche Kontinuität. Das alles zusammen hinterlässt den erfreulichen Eindruck, ein Werk aus einem Guss zu hören und macht wirklich von vorne bis (fast) ganz hinten außerordentlich Laune. Nur der Hidden-Track hätte (wie eigentlich immer) nicht sein müssen. Der Gag des Hidden Tracks sollte mittlerweile ja eigentlich abgelutscht sein, aber irgendwie meinen die Künstler offenbar immer noch, dass die Hörer sich darüber freuen ein Album nicht per Repeat genießen zu können.

    Alles in allem leisten The Constellation Branch aber etwas, von dem man gar nicht genug haben kann. Ein hervorragendes Album, verfügbar gemacht zum Nulltarif. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein, der Tourkalender ist voll, unter anderem mit Terminen bei SXSW, dem Mega-Indie Festival in Austin, Texas.

    Mein Vorschlag: Rüber zu MySpace, Reinhören (z.B. Re-Creation in Sleep), Runterladen (legal!), Abrocken (amtlich). The dream Life, the real Life, the empty Glass ist deutlich mehr als nur ein achtbares Debut. Das Album gehört für mich zu den positivsten Eindrücken aus 2009 und es muss das Prädikat Self-Release nicht als Entschuldigung mit sich herum tragen. Vielmehr müsste das ein oder andere Label-Release aus 2009 den Vergleich fürchten. The Constellation Branch spielen nämlich ganz oben mit.

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    You Asked For It | My Glorious – Home is where the Heart Breaks
    Sunday February 07th 2010, 18:58
    Abgelegt unter: Alternative Rock, Garage Rock, My Glorious, You Asked For It

    Eine weitere freundliche und sehr gut passende Anfrage zu einer Rezension erreichte mich von der Band My Glorious aus Wien. Mit Home is where the Heart breaks legen die drei Österreicher gerade ihr erstes Studioalbum vor, nachdem Sie offenbar – von mir allerdings unbemerkt – mit ihrer EP Leper bereits den ein oder anderen Achtungserfolg auch schon in Übersee feiern konnten. Gerne habe ich mich bereit erklärt, mir das neue Album anzuhören und meinen Senf dazu zu geben, und ich darf schonmal vorwegnehmen, dass ich es nicht bereut habe.

    Anfangs ging mir das zugegebenermaßen anders. Der erste Durchlauf lies mich zweifeln, ob ich hier einen Bezug zum Album finden würde, auf dessen Basis sich eine vernünftige und faire Rezension schreiben lassen würde. Zwar gefiel mir der Opener Love Extender gleich im ersten Anlauf, mit den nachfolgenden Songs hatte ich aber so meine Mühe. Das darf zum Teil daran gelegen haben, dass ich das Album zunächst im Auto hörte. Zum Teil aber sicher auch daran, dass die ein oder andere Melodie für meine Ohren zunächst etwas wahllos klang.

    Mittlerweile habe ich das Album aber mehrfach laufen lassen und ich finde das Albumsdebut von My Glorious wirklich ordentlich. Denn hier wird hier ehrlich und sauber gerockt. Kein weichgespielter Poprock, kein ausschließlich in Melancholie verfallener Alternativerock, der nicht in Fahrt kommt. Nein, My Glorious drehen gerne mal auf und klingen dabei hier und da ein ganz feines bißchen wie bekannte Größen aus dem Genre des Alternative und damit überwiegend gut.

    Die Top-Songs dabei sind für mich beispielsweise das bereits erwähnte sehr rockige Love Extender, das sehr schöne und ruhige Horse und das sich langsam aufbauende Use Me, das, wenn es letzlich losbricht erschreckend nah an Audioslave ist, zumindest was die Instrumentenleistung betrifft. Als Schwachpunkt sehe ich den Song Atmosphere. Der klingt etwas uninspiriert und auch scheint mir der Sänger hier etwas jenseits der Grenze dessen zu sein, was die Stimme leisten kann. Dafür überrascht das anschließende und fast schon nach Prog-Rock klingende It’s love when wieder positiv.

    Es ist also nicht alles gut am Album, aber erfreulicherweise glaube ich, dass das insgesamt weniger an My Glorious liegt als an der Produktion. Leider habe ich auf dem ganzen Album das Gefühl, dass die Songs unnötig dumpf klingen. Das ist nicht so tragisch als dass man sich das Album nicht anhören könnte, aber im Vergleich zu anderen CDs fällt doch irgendwie auf, dass hier irgendetwas klanglich nicht stimmt. Ansonsten gibt es auch das ein oder andere Effektexperiment in Gesang und Schlagzeug, dass ich persönlich für einen Fehler halte. Es drängt sich auch sonst permanent das Gefühl auf, dass mit etwas mehr Führung in der Produktion viel mehr aus den wirklich gut geschrieben Songs rauszuholen gewesen wäre. Das haben My Glorious, oder genauer gesagt der Tonmeister leider nicht ausgeschöpft. Das ist insofern wirklich schade, weil ich die Songs potenziell für sehr stark halte und mir gerade die sehr rockige Gesamtausrichtung ziemlich gut gefällt.

    Insgesamt aber darf man Home is where the Heart breaks nicht nur überzeugten Förderern von Bands aus dem deutschen Sprachraum ans Herz legen. Wem der Sinn nach ehrlichem Alternativerock steht, der kann bei My Glorious durchaus fündig werden. Die Band hat deutlich Potenzial. Da kann man auch mal über Produktionsmängel und -versäumnisse hinweghören.

    Das Album von My Glorious ist seit Freitag den 05. Februar 2010 erhältlich.

    P.S.: Vielleicht liegt das auch an mir, aber Albencover mit einem Herz sehen irgendwie auch alle gleich aus …


    Seen Live | Akron/Family – Studio 672 Köln/18. November 2009
    Friday November 20th 2009, 21:20
    Abgelegt unter: Akron/Family, Alternative Rock, Progressive Rock, Seen Live

    Keinen Aufwand scheute ich diesen Mittwoch, um im Auftrag des Popkillers Akron/Family live zu sehen. Einziges Konzert der Band, das halbwegs in meiner “Nähe” stattfand, war der dieswöchige Auftritt in Köln im Studio 672. Nun, zum Einen wurde die Tour vom Popkiller präsentiert, zum Anderen muss ich sagen, dass das Album der drei Amis für mich das absolute Releasehighlight des Jahres ist.

    Es war daher sozusagen erste Bloggerpflicht, auch einen etwas größeren Aufwand in Kauf zu nehmen, um die Band live erleben zu können. Aufwand hieß in diesem Fall nach der Arbeit in den Zug, dann ins Auto, 260 km, 2h 45 min Fahrtzeit und 10 Autobahnbaustellen (Danke, Konjunkturpaket) in Kauf zu nehmen, um den Weg nach Köln zu bewältigen. Der Bericht zum Konzert ist bereits seit gestern auf Popkiller.de zu lesen, und wird nun auch noch hier nachgereicht. Benjamin von Popkiller (ja, das bin ich) schreibt also:

    So richtig lässt sich gar nicht beschreiben, was da gestern im Studio 627 in Köln passierte. Gegen viertel vor zehn betraten drei schüchtern wirkende, bärtige Musiker die Bühne, ohne großes Tamtam, fragten erst mal das Publikum, ob es ihm gut ginge, erwähnten noch, dass eigentlich eine Freundin zur Verstärkung mit auf die Bühne kommen sollte, diese aber wegen nicht näher spezifizierter Probleme mit der „Transportation“ es doch nicht schaffte und begannen sogleich, mit Hilfe zahlreicher Livesamples im Endlosloop Schritt für Schritt eine Soundkulisse aufzubauen, die einen zweifeln lies, dass da tatsächlich nur drei Männlein auf der Bühne standen.

    Und was für drei Männlein: Optisch wie aus einem schlechten Witz. Treffen sich ein Hippie, einer aus den Achtzigern und ein Computernerd und machen gemeinsam Musik. Und was für Musik. Für mich ohne jeden Zweifel stammt das bislang beste Album des Jahres 2009 von Akron/Family. Nun also das ganze live. Die Eröffnung ist schon eine sehr interessante Wahl: Gravelly Mountains of the Moon, ein Stück, dass man eigentlich nur mit dem Label Programmmusik treffend beschreiben kann. Aber es funktioniert. Das Stück wird auf das Wesentliche eingedampft. Zwei Gitarren, ein Bass und zur Einleitung die bereits erwähnte vielschichtige Soundkulisse, die auch insgesamt das Markenzeichen des Abends werden sollte. Auch der nächste Songs wird als wunderbar ruhige Ballade intoniert; glasklar gespielt, sehr fein abgemischt und von vorn bis hinten der pure Genuss.

    Aber Akron/Family können und wollen auch anders: Immer wiederverfallen sie in wildeste Improvisationstiraden, immer mit dem Ziel, eine von Loops geprägte, völlig anarchisch wirkende Soundkulisse aufzuschichten, die – umso erstaunlicher – immer wieder zu Klängen führt, die einem vom Album her bekannt vorkommen. Und so werden aus gelegentlich überlangen und unnötig wirkenden Minuten dann doch wieder nur Intros zum nächsten Stück. Die Übergänge zwischen den Songs, die hauptsächlich aus den beiden letzten Alben Set em Wild, Set em Free und Love is Simple stammen, sind überwiegend fließend. Oft kommt man über mehr als zwanzig Minuten nicht zum Klatschen, denn Akron/Family verschnaufen nur selten, ziehen Ihr Programm mit voller Konzentration durch. So hat man auch immer wieder den Eindruck, dass es sich bei dieser Rock-Orgie eigentlich um ein Jazz-Konzert ohne Jazz handelt. Oder um die Darbietung einer Symphonie.

    Fest steht: es ist ein wahrer Genuss, den drei Multiinstrumentalisten zuzusehen. In den Improvisationsphasen kann gelegentlich die ein oder andere Länge entstehen und ob das in jedem Moment noch Musik ist, was da dargeboten wird, oder ob hier doch nur Krach gemacht wird, ist Jedem im Publikum selbst überlassen. Kunst ist es allemal, definitiv kein Pop aber Rock as Rock can be. Ehrlich, rau, experimentell, spannend, mitreißend, laut, auch zu laut, dringlich, genial.

    Nach etwas mehr als eineinhalb Stunden ist das Spektakel dann vorbei. Eine Zugabe, Everyone is Guilty, lassen sich Akron/Family noch entlocken, dann gehen die Lichter wieder an und des Spektakel ist vorbei. Die Eindrücke und der Tinnitus aber halten noch eine ganze Weile an.

    Soweit der Bericht auf Popkiller. Viel möchte ich dem gar nicht hinzufügen. Der Abend war gut, das Konzert echt ein Erlebnis trotz hier und da der ein oder anderen Länge in den Noise-Improvisationsteilen, aber durch die immer wieder hergestellten Übergänge in die Songs lies sich das auch immer wieder verschmerzen.

    Akron/Family überzeugten mich dadurch, dass sie ihre Songs irgendwie komplett demontierten, um sie dann Schicht für Schicht wieder zusammenzusetzen, mal mit mehr Variationen gegenüber den Studioversionen, mal mit Weniger. Das Live-Erlebnis war jedenfalls die kleine Reise wert. Also zurück, 260 km, 10 Baustellen, diesmal nur 2 1/2 Stunden Fahrtzeit und vor allem keine Zugfahrt bis ich um halb drei im Bett lag. Zugegeben, der nächste Tag auf der Arbeit war hart, aber wofür ist man denn noch jung?

    Die Deutschlandtour ist leider mit dem Kölnkonzert zu Ende gegangen, wenn die Band aber wieder in die Lande kommt kann ich allen Freunden experimentellen Alternativerocks nur empfehlen hinzugehen.


    Flip-Book | Muse – Undisclosed Desires
    Monday November 16th 2009, 20:20
    Abgelegt unter: Alternative Rock, Flip-Book, Muse

    Muse legen nach und veröffentlichen mit Undisclosed Desires nun ihre zweite Single (und damit auch das Video) aus dem, wie ich immer noch finde, genialen Album The Resistance.

    Man mag sich fragen, was die Dame im Video zu den scheinbar unkontrollierten Zuckungen verleitet, die Musik bleibt aber groß und die Keytar ist in jedem Fall sehenswert.

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