Recently Released | Variety Lab – Team Up!

Es fängt an mir Angst zu machen. Nicht nur, dass ich mittlerweile immer öfter auf grandiose Alben stoße, die man selbst mit viel Ausredekunst einfach nicht mehr als Rock bezeichnen kann. Nein, hier machen auch noch Franzosen Musik, und das nicht nur verdammt gut sondern auch noch auf Englisch und das ebenfalls verdammt gut. Vielleicht kommt das ja vom Alter, aber meine alten Vorurteile muss ich wohl langsam mal gründlich überdenken.

Variety Lab, heißt also meine Neuentdeckung, die ich wieder einmal dem Popkiller zu verdanken habe. Im Prinzip lässt sich Variety Lab sehr gut mit Sola Rosa vergleichen: Beides ist mehr Projekt denn Band. Ein Mastermind, in diesem Fall Thierry Bellia, sucht sich Musiker zusammen und nimmt ein Produktionsorientiertes Album auf. Dass die Ergebnisse dabei so gut sind, verwundert mich als alten Bandbefürworter doch immer wieder.

Musikalisch liegt Team Up!, welches übrigens bereits die zweite Platte von Variety Lab ist, ziemlich klar im Pop. Einflüsse aus Rock und sogar Jazz kann man durchgehend mal mehr und mal weniger unterstellen.  Einzelne Songs klingen fast schon nach Maroon 5, nur besser weil ehrlicher in Richtung Pop bzw. auch ehrlicher in Richtung Rock ausgerichtet. Das Album ist voll von echten Highlights, insofern möchte ich nur diejenigen herausstellen, die mir besonders in den Gehörwindungen hängen bleiben. Da wäre zum Einen This Parade (feat. Lily Frost). Mit zuckersüßer Stimme wird hier ein grammophonverkratzter Sound kreiert, der nach Jazz und nach den 1920er-Jahren klingt, dabei aber unglaublich direkt verzaubert. Ziemlich ähnlich gelagert ist das letzte Stück der Platte Love is a Bird (feat. Yael Naim), dass ebenfalls auf eine engelsgleiche Atmosphäre baut.

We should be Dancing ist auch so eine Nummer, die in Erinnerung bleibt. Obwohl unbestreitbar eine Dancepop-Nummer macht das Stück eninfach von vorne bis hinten Spaß. Wirklich genial ist aber der Song Which Way to Go. Der sich als einziger auf dem Album wirklich näher am Rock als am Pop bewegt. Eine Punk-hafte Struktur, ein knackiger, eingängiger Refrain, viel Druck und das permanente Verlangen, dazu mit dem Kopf zu wackeln und die Füße zu bewegen dürften wirklich nur Tote kalt lassen.

Team Up! ist ein definitiver Kauftipp für alle, die gerne bereit sind auch mal über den Tellerrand des Rock zu schauen und sich selbst einzugestehen, dass auch Pop gute Musik sein kann. Das solche Musik immer außerhalb von öffentlichen Radiostationen passieren muss ist eines der zentralen Probleme der Musikindustrie in Deutschland. Aber was solls. Wer Musik liebt kauft ja auch heute noch gerne, und Team Up! hat es wirklich verdient. Also: Reinhören und gegebenenfalls mitnehmen ist angesagt.


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