Retrozension | Travis – Good Feeling

Travis habe ich ja schon mit zwei Alben retrozensiert, streng chronologisch nach Aufnahme in meine bescheidene Musikkollektion. Entsprechend weiter geht es daher nun mit dem ersten Album der vier sympatischen Schotten.

Good Feeling hieß das Debutalbum und es macht zunächst so ziemlich alles anders als die beiden Nachfolger The Man Who und The Invisible Band. Good Feeling ist fröhlich, sprüht nur so vor positiven Emotionen und Lebensfreude. Von der sehr geefühlvollen Melancholie, die danach die Musik von Travis bestimmte ist auf Good Feeling zu Beginn ziemlich wenig mitzubekommen.

Der Opener All I want to do is Rock markiert in Sachen Tempo und Attitude schon ziemlich gut, wo das Album hin will. Rock! Nicht unbedingt besonders innovativ, nicht einmal besonders einfallsrecih, aber überzeugend, treibend und zum Springen und Mitgrölen gemacht. Da schließt sich nahtlos auch U16 Girls an. Wie gesagt; nicht innovativ, aber es funktioniert mehr als prächtig. Travis geben sich als Party-Band und sprühen nur so vor Glückseligkeit.

The Line is Fine ändert nicht viel in Sachen Gesamteindruck, nimmt nur ein wenig das Tempo raus. Dennoch brettern die Gitarren in Travis-typischem Sound durch den Song. Erst Good Day to Die wirkt etwas ruhiger, obwohl auch hier Gitarren und Schlagzeug durchgehend reiclich Druck machen. Dennoch klingt der Sound hier deutlich stärker nach Britpop á la Oasis oder Blur.

Good Feeling zeigt schon deutlicher, wozu Travis in der Lage sind. Der titelgebende Track lässt nun wirklich etwas Tempo zurück und überzeugt mit guter Melodie und starker Rythmusbetonung. Das viele La-La-La müsste natürlich nicht sein. Ansonsten echt ein cooler Track. Obwohl hier schon deutlich differenziertere Emotionen einfließen wirkt der Song erstaunlich und erfreulich positiv. Auch das Klaviersolo im Stil von Saloon-Piano kommt sehr gut an.

Nach so viel Gefühl rockt Midsummer Night’s Dreamin’ dann wieder ordentlich, um die Stimmung nicht unter das Good-Feeling-Niveau fallen zu lassen. Ebenso kommt We’re tied to the Nineties daher. Dank “Hey”-Rufen fast ein wenig punky, aber insgesamt herrlich brav und doch gut. Diese kindliche Naivität schafft irgendwie nur Fran Healey unterzubringen ohne dass es peinlich werden würde.

I love you anyways ist dann der erste wirkliche Bezug zu den zwei folgenden Alben der Band. Dank Akustikgitarren und zurückhaltendem, melancholischen Gesang macht sich diese wundervolle Stimmung breit, die die Band so unverkennbar machen sollte. Einfach wunderbar…

Die Stimmung muss wieder zurück zu Good Feeling, also wird Happy eingeworfen. Party-Rock von vorne bis hinten. Mitsingen schon beim ersten Refrain möglich und Pflicht, springen, lachen, fröhlich sein. Wer dagegen immun ist, hat seinen Sarg schon gekauft.

Nach so einer Dosis Lebensfreude kann man auch nochmal eine ruhigere Nummer vertragen. Das eigentliche Highlight des Albums ist das behutsame More than us, dass für mich bis heute zu einer der besten Nummern von Travis gehört. Im Mainstream-Radio würde so etwas wohl  Ballade genannt, ich bevorzuge es einfach als grandiose ruhige Nummer zu bezeichnen, die sich Zeit nimmt sich langsam zu entfalten. Extrem gute Streicherarrangements ergänzen den Song auf den Punkt, der Gesang passt perfekt. Einfach genial, nicht weniger!

Danach einen Happy-Song zu bringen könnte nur schief gehen und so schließt sich Falling Down an, das in Atmosphäre sehr gut zu More Than Us passt. Tragende Elemente sind hier Klavier und das fast jazzig gespielte Schlagzeug mit viel Snare und High-Hat. Auch hier kann Fran Healey dank seiner Stimme viel Volumen in einen eigentlich sehr “klein” verfassten Song packen. Wirklich gut.

Funny thing klingt vom Titel her wieder nach einer Nummer im Stile von Happy, aber dem ist nicht so. Travis haben sich langsam aber sicher auf die ernsthaftere Schiene mit melancholischer Grundnote festgelegt, und das kann kaum einer so gut wie die vier Schotten. Hier finde ich besonders bemerkenswert, wie Leadgitarrist Andy Dunlop es schafft, mit viel Noise herrlich und eindrucksvoll die Stimmung des Songs einzufangen und zu unterstreichen. Das klingt fast ein wenig nach Bush und endet im Prinzip in einem Solo ohne Solo. Ein sehr stimmungsvolles Ende in einem Album, das eigentlich ganz anders angefangen hatte.

Good Feeling ist ein eindrucksvolles Debut für Travis, das ein wenig den Eindruck erwckt man könne im Verlauf des Albums der Band beim Reifen zuhören. Die Party-Rock Nummern stehen Travis ausgesprochen gut auch wenn klar ist, dass sie keine Meisterleistungen der Band sind. Besonders live funtkionieren diese Nummern auch heute noch hervorragend, um die Laune schnell zu heben. In der zweiten Hälfte haben Travis dann ihreneigentlichen Stil gefunden; die Melancholie wird tragendes Element und funktioniert so hervorragend, dass sich die nächsten beiden Alben quasi komplett auf die Erforschung dieser Songatmosphäre konzentrieren werden. Dass das zum großen Durchbruch führte ist mittlerweile Geschichte …

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Recently Released | Travis – Ode to J. Smith

Ein guter September ist das in diesem Jahr. Zuerst eröffnen Portugal. The Man die Release-Saison nach einer Durststrecke für mich im diesjährigem Sommer. Nun legen Travis nach, und das nach nur knapp anderthalb Jahren seit dem Release von The Boy with no Name.

Das nächste Werk heißt nun entsprechend der Vorankündigung Ode to J. Smith, beherbergt 11 Titel mit einer Gesamtspielzeit von (nur) etwas mehr als 36 Minuten. Die gute Nachricht lautet demnach: Endlich mal kein Hidden Track.

Üblicherweise muss man ja skeptisch sein wenn Bands in so kurzen Abständen Alben raushauen. Der erste Eindruck bei Ode to J. Smith folgt glücklicherweise nicht dieser Logik. Endlich spielen Travis wieder unbeschwert genau den Rock, für den sie anfänglich so zu loben waren. Dabei haben sie dennoch eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht und klingen im großen und ganzen deutlich anders, reifer und vielleicht auch entspannter als früher. Was sie aber wiederentdeckt haben ist der unglaubliche Charme, der so wirklich nur bei Travis zu erleben ist. DIe Band hat offenbar einen Riesenspaß beim Musizieren, beim Songschreiben und überhaupt und sowieso. Und genau diesen Spaß, diese Liebe zum Job packen sie nun wieder in wunderbare Melodien, gelassene Rythmen und rockige Klänge.

Im ersten Durchlauf besonders anschmiegsam zeigen sich hierbei die Songs Chinese Blues, J. SmithSomething Anything sowie Song to Self. Aber dazwischen fällt wirklich Nichts negativ auf. Ich schätze nach ein paar Durchläufen mehr haben wir hier mal wieder eine potentielle Dauerrotation im CD-Spieler.

Fazit: Travis are back! Spielfreude, gute Songs, gute Produktion, Spielfreude satt, gute Laune auf CD und überhaupt einfach gut. Ich kann schon jetzt kaum abwarten die Jungs wieder live zu sehen.

P.S. Wer J. Smith ist weiß ich bislang nicht. Vielleicht kann mich ja bei Gelegenheit mal Jemand aufklären

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News & Rumors | Travis – J. Smith

Es gibt mal wieder Neues von der Band aus Schottland zu berichten. Travis arbeiten derzeit bereits fleißig an einem Nachfolger zum erst im letzten Jahr erschienenen The Boy with no Name.

Der neue Longplayer soll Ode to J. Smith heißen. Travis folgen damit den Versprechungen, die sie auf ihrer letzten Tour gemacht haben, möglichst schnell ein nächstes Album zusammenzuzimmern. Mittlerweile gibts auch schon eine erste Hörprobe: Der Song heißt J. Smith und zeigt die Band wie man sie mittlerweile kennt und (ich jedenfalls) liebt. Am besten ihr bildet euch eure eigene Meinung.

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Gefunden auf So much Silence

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Retrozension | Travis – The Invisible Band

Travis - The Invisible Band

Diese Woche überkam mich mal wieder das Verlangen, schöne, ruhige, melancholische Musik zu hören. Welche Band könnte da besser geeignet sein als Travis? Um der Reiehnfolge treu zu bleiben, mit der ich mich der Band näherte, steht heute das dritte Album The Invisible Band auf dem Prüfstand.

Der Nachfolger des Durchbruchalbums The Man Who erschien im Jahre 2001, also zwei Jahre nach erscheinen des Vorgängers. Das Album steigt mit der Single SIng ein, die direkt einiges klarstellt: Travis kehren mit ihrem dritten Album nicht zum rockigen Sound des Debutalbums Good Feeling zurück und der Sound von The Man Who lässt sich auch noch für ein weieres Album genüsslich auskosten. Was ds heißt, sollte jedem Fan klar sein: mitsingen eindeutig erwünscht.

Dear Diary bleibt in der Grundstimmung auf dem selben Pfad wie der Opener. Traurig, melancholisch und dabei umwerfend schön. Side bringt dann die besondere Stärke von Travis zum Vorschein: die perfekte Harmonie zwischen der bereits ewähnten Melancholie und der puren Hoffnung und Lebensfreude, verpackt in einem Song, der doch hoffentlich jeden zum fröhlichen Mitsingen animiert.

Besonderes Highlight im weiteren Verlauf ist der Song Flowers in the Window, ebenso wie Last Train und dem Humpty Dumpty Love Song (zugegeben, der Name ist nicht geglückt). Diese drei Songs schaffen es ganz besonders gut, an die Qualität des Vorgängeralbums anzuschließen. Das Album jetzt hier Song für Song durchzusprechen wäre hingegen sicher nutzlos, da die Songs im Grunde mehr oder weniger alle die gleichen Attribute vereinen.

Das ist die große Stärke des Albums, die durchgehende Stimmung ist im Grunde perfekt und macht – sofern man in der richtigen Stimmung ist – eindeutig Spaß. Im selben Moment liegt darin aber auch die nicht hinweg zu diskutierende Schwäche von The Invisible Band. Die Songs grenzen sich teilweise zu schwach voneinander ab, trotz wirklich gutem Songwritings bleibt das Album insgesamt etwas zu gesichtslos – oder unsichtbar, um der Wortspielkasse die Ehre zu erweisen.

Das soll insgesamt nicht sagen, dass The Invisible Band kein gutes Album sei. Ganz im Gegenteil lässt sich behaupten, dass andere Bands sich von der durchgehenden Qualität sicher eine dicke Scheibe abschneiden könnten. An die Verspieltheit und Abwechslung von The man Who reicht der Nachfolger aber leider nicht ran. Travis haben hier ganz eindeutig zu sehr auf Bewährtes gesetzt. Das die Enttäuschung dabei jedoch grundsätzlich sehr gering aussfällt, dürfte mein Gesamturteil jedoch hoffentlich klar zeigen. Das Album ist grandios, aber ich hätte mir mehr erhofft.

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Retrozension | 2007 – Januar bis Dezember

Das Jahr nähert sich seinem wohlverdienten Ende und an allen Ecken und Enden sprießen wieder Jahresrückblicke, die kein Mensch braucht. Was liegt da näher, als selbst auch noch einen dran zu hängen? Besonders, wo mein Blog sich doch auf Rückblickungen spezialisiert hat.

Rückblick im musikalischen Sinne soll heißen, dass hier stehen sll, was mich in diesem Jahr musikalisch so alles bewegt hat. Und das war eine ganze Menge.

Zum einen steht da die “Kategorie” persönliche Neuentdeckungen des Jahres: Für mich neu war in diesem Jahr die Entdeckung von Muse. Eine Band, die schon seit Ende der 90er Jahre fantastische Musik macht, und die es trotzdem bis zu diesem Jahr geschafft hat, mir nicht aufzufallen. Und das, obwohl ich Muse als Vorband von Bush bewundern durfte, als das erste Album von Muse gerade rausgekommen war. Solch eine Spätentdeckung hat aber auch den enormen Vorteil, dass man innerhalb kürzester Zeit dazu kommt, vier Studioalben und eine B-Side Compilation zu teilweise unverschämt günstige Preisen zu erstehen und wochenlang im Grunde nur einer Band zu lauschen.
Ebenfalls neu für mich waren die Arctic Monkeys. Britischer Pop-Punk oder so ähnlich könnte man das labeln, was den Kindern aus England da so eingefallen ist. Erfreulicherweise habe ich nichts von irgendeinem Hype um die Band mitbekommen und konnte so völlig unvoreingenommen lauschen und begeistert sein. Ich bin gespannt was diese Band in Zukunft noch so vom Stapel lässt. Für das nächste Album bin ich in jedem Fall ein sicherer Käufer.
Eine wirklich grandiose Neuentdeckung hat mich dann in der zweiten Jahreshälfte, oder eigentlich eher im letzten Jahresdrittel gepackt: Portugal. The Man. Die Band aus Alaska mit dem etwas merkwürdigen, aber absolut coolen Bandnamen stehen für einen so genialen und eigenwilligen Sound, dass es mich schier vom Hocker gerissen hat. Das in diesem Jahr erschienene Album Church Mouth ist so wundervoll vielschichtig und doch so einprägsam, dass ich unglaublich viel Zeit mit der Musik verbacht habe. Auch der Vorgänger aus 2006 ist nicht weniger grandios; und das Portugal. The Man ein gigantisches Konzert abgeliefert haben, habe ich ja in diesem Blog berichtet. Die nächste Eintrittskarte ist auch schon gekauft.

Auch einige Neuerscheinungen haben diese Jahr wieder den Weg in meine bescheidene, aber stetig wachsende, Sammlung gefunden. Da ware unter anderem Travis, Foo Fighters, Arctic Monkeys und die Queens of the Stone Age am Start. Letztere mit dem vielleicht genialsten Album ihrer Karriere. Nicht vergessen werden darf aber auch Radiohead, bei deren Album leider mehr die Art des Releases als die eigentliche Musik im Vordergrund stand, und das völlig zu Unrecht, denn In Rainbows ist ein wirklich hochspannendes Album und darf in keiner alternative Musiksammlung fehlen.

Den bleibenden Eindruck des besten Konzert des Jahres kann ich nicht guten Gewissens an eine einzelne Band vergeben, deshalb teilen sich Portugal. The Man und Travis den hoch begehrten und mit Nichts dotierten Titel. Beide Konzerte waren eine reine Freude und haben mir mal wieder gezeigt, dass Bands viel mehr live spielen und nicht zu viel Zeit in MTV investieren sollten. Ein live-Publikum ist nämlich wirklich dankbar, und lädt nicht gleich alles aus dem Internet runter, ohne dafür zu blechen.

So, das solls dann auch gewesen sein. Wer gehofft hatte, ich verkünde hier einen Verlierer des Jahres, der hat sich getäuscht. Ich bin zu nett für so was. Im Zweifelsfall passt in diese Kategorie aber wohl immer Britney Spears.

Einen Guten Rutsch also ins neue Jahr 2008. Klingt eh viel besser.

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For Your Interest | Travis im Interview

Der Blogkollegin  aus Colorado kann man nur Respekt zollen. Sie hat es geschafft ihren rasenden Reporter zu einem Gespräch mit den Schotten von Travis zu schicken. Das hat sogar zur Hälfte geklappt. So  kann man dann auch entsprechend das Interview mit Fran Healey und Dougie Payne auf dem Blog I AM FUEL, YOU ARE FRIENDS nachlesen. Travis plaudern über ihre Aufnahmen zu The Boy With no Name, aber auch ansonsten wird viel lesenswertes aus dem Nähkästchen geplaudert.

Da ich kein Freund davon bin, Interviews übersetzt zum lesen zu geben, sei an dieser Stelle mit dem Link zum Interviewtext meine Schuldigkeit getan. Nur so viel erlaube ich mir doch schon mal zum besten zu geben: Das nächste Travis-Album soll nach Aussage der Band wieder etwas rockiger werden. Als Produzent hat man sich Radiohead-Producer Steve Lillywhite erkoren. Dieser hatte schon für The Invisible Band am mit Mischer gesessen.

P.S: Schön zu sehen, dass man Travis und Radiohead also auch dann verknüpft sehen kann, ohne den Umweg über Coldplay zu machen.

😉

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