Retrozension | The Doors – The Doors

Ich bin ja wahrlich niemand, der sich musikalisch die alten Zeiten herbeisehnt. Schaut man sich meine Musiksammlung im Detail an wird man schnell feststellen, dass ich kaum alte Alben besitzen. Ich respektiere die Musik der alten Größen und finde sie auch wirklich gut und oft wegweisend, aber trotzdem war ich immer ein Freund der Musik meiner Zeit.

Ausnahmen mache ich kaum; einige davon sind The Beatles, Pink Floyd und eben The Doors. Genau genommen stammen diese Alben fast alle aus der Zeit, in der ich musikalisch noch deutlich nach Orientierung suchte. So kommt es auch, dass ich etwa von Led Zeppelin nur die Greatest Hits besitze oder von Deep Purple nur die Fireball, weil diese mir am interessantesten erschien. Von den altehrwürdigen Doors besitze ich ebenfalls nur ein einziges Album, nämlich das Erstlingswerk aus dem Jahre 1967.

Nachdem ich diese Woche verdammt gute (Anti-)Kriegsdokumentationen auf 3Sat gesehen habe in denen in Anlehnung an den wohl grössten Kriegsfilmklassiker (Apocalypse Now) auch Titel der Doors zur Untermalung genutzt wurden, sah ich mich dazu motiviert, mal wieder in das Album reinzuhören, das in den letzten Jahren fast völlig ungehört im Regal stand. Ich kann und will gar nicht im Detail darauf eingehen, wie das Album im Jahre 1967 wohl auf die Menschen gewirkt haben muss, bemerkenswert ist aber wie aktuell bei all dem klanglichen Staub die Musik der Doors insgesmat auf mich wirkt; immerhin 42(!) Jahre nach Veröffentlichung fühle ich mich an die gerade erst kürzlich für mich entdeckten Akron/Family erinnert.

Beide haben diese wunderbare Atmosphäre auf ihren Alben, die nicht nach Überproduktion und Perfektion sondern nach ungefilterter Rockmusik klingt. Das mag bei The Doors unter Umständen eher aus der Not heraus geboren sein, da die Produktionstechnik einfach noch nicht so weit war, bei Akron/Family unterstelle ich jedoch einen bewussten Verzicht auf diese Perfektion, die in so vielen Fällen grundsätzlich guten Musikern oft im Weg steht und jedes Leben aus der Musik sterilisiert.

Was allerdings noch viel mehr beeindruckt ist die Experimentierfreude mit der The Doors schon vor über 40 Jahrzehnten versuchten die Rockmusik über den damals wohl noch viel engeren Horizont herauszustoßen (auch hier wieder eine schöne Parallele zu Akron/Family). Man höre nur einmal das Cover des Alabama Songs von Berthold Brecht (Musik Kurt Weill). Hier bestand einfach der Mut Dinge zu tun, die sich für Rockbands eher nicht gehörten. Aber auch der Klassiker The End, einer der atmosphärischsten  Rocksongs aller Zeiten zeigt Ansätze, die man durchaus mit dem Label visionär versehen darf.

Darüber hinaus enthält das Album weiter Songs, die ohne Übertreibung als Evergreens des Rocks und meinetwegen sogar des Alternative Rocks gelten dürfen. Jeder kennt Light my Fire, Take it as it Comes oder Break on Through und auch die meisten anderen Songs des Debutalbums dürften einem wohl bekannt vorkommen. Jetzt wirds peinlich: Die Qualitätsdichte der Songs zusammen mit der Selbstbetitelung des Albums ließ mich bei Kauf davon ausgehen, dass die CD eine Greatest Hits Sammlung sein müsse. Ein Irrtum den ich nie in Frage stellte, bis gestern.

Vielleicht veranlasst mich die sehr sehr späte Erkenntnis dazu, mich doch noch etwas tiefer in den Katalog der Ausnahmetalente der Kalifornier einzuhören. Fest steht in jedem Fall, dass das Debutalbum der Doors nicht nur fest mit der Thematik des Vietnamkriegs, sondern auch fest mit der Entstehung des Alternative Rocks verknüpft werden sollte. Der Terminus mag erst Jahrzehnte später aufgekommen sein, die Wurzeln reichen aber definitv bis zu den Doors, wenn nicht sogar weiter. Das Debut ist in jedem Fall einer der größten Klassiker der Rockgeschichte und gilt nebenbei auch als eines der besten Debutalben aller Zeiten. Wer könnte das bezweifeln?


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