Recently Released | The Constellation Branch – The dream Life, the real Life, the empty Glass …

Self-Releases gibt es ja seit spätestens der Erfindung von MySpace und den ersten Erfolgsgeschichten á la Arctic Monkeys mindestens wie Sand am Meer. Wer ehrlich mit sich ist muss zugeben, dass das meiste davon eigentlich eher Schund denn gute Musik ist. Umso erfreulicher, wenn man dann doch mal wieder auf eine echte Perle aufmerksam wird.

So geschehen im Fall von The Constellation Branch. Nicorola.de brachte anfang Dezember einen eher unscheinbaren Post zum Debut von The Constellation Branch heraus, das bereits Anfang 2009 durch die Band veröffentlicht wurde. Der Artikel lies mich zumindest so neugierig zurück, dass ich mir auch sogleich das Album herunterlud und reinhörte. Seitdem erinnert mich die freundliche RTM-Kuh quasi täglich daran, dass ich eine Rezension zu diesem wirklich imposanten Release verfassen will. Jetzt da meine Blogpause vorbei ist komme ich endlich dazu.

The dream Life, the real Life, the empty Glass … darf ruhig und allen Ernstes als echtes Alternative-Konzeptalbum beworben werden. Dabei schaffen The Constellation Branch einen unwahrscheinlich dichten Sound, der ein wenig an Radiohead auf einem Heavy-Trip erinnert. TCB rocken gewaltig und kommen dabei dank sehr präzisem Schlagzeugspiel auch immer mal wieder in die Nähe von (hörbarem) Metal, sind aber doch insgesamt klar als Alternativegruppe einzuordnen.

Spannend macht das Album, dass das Prädikat self-produced Self-Release hier nicht bedeutet, dass man auf gute Produktionseinfälle verzichten müsste. Im Gegenteil versuchen The Constellation Branch hier auf oberstem Niveau mitzuhalten und schaffen das  auch. Hier und da merkt man vielleicht, dass der Sound etwas Tiefe vermissen lässt, aber das habe ich ehrlich gesagt bei manchen Labelreleases schon deutlich gravierender gehört.

Die Musik selbst ist abwechslungsreich, kreativ, originell und spannend geschrieben und inszeniert. Anfangs fielen mir noch jede Menge Assoziationen zu anderen Bands ein, mittlerweile muss ich eindeutig sagen, dass die Band einen sehr guten eigenen Stil repräsentiert, der vorwiegend durch die gesangliche Leistung und ein bißchen durch vereinzelte Gitarrenparts dezent an Radiohead erinnert. The Constellation Branch rocken aber deutlich verzerrter, etwas weniger verquer und mit einer anderen Agenda. Die Musik sprüht jetzt zwar auch nicht unbedingt vor Lebensfreude, ist aber doch deutlich lebensbejahender als alles, was Radiohead bislang herausgebracht haben.

Dadurch, dass das Album als Konzeptalbum angelegt ist findet man die klassischen Werkzeuge eines solchen vor: wiederkehrende Motive, ein Song in mehreren Sätzen und textliche Kontinuität. Das alles zusammen hinterlässt den erfreulichen Eindruck, ein Werk aus einem Guss zu hören und macht wirklich von vorne bis (fast) ganz hinten außerordentlich Laune. Nur der Hidden-Track hätte (wie eigentlich immer) nicht sein müssen. Der Gag des Hidden Tracks sollte mittlerweile ja eigentlich abgelutscht sein, aber irgendwie meinen die Künstler offenbar immer noch, dass die Hörer sich darüber freuen ein Album nicht per Repeat genießen zu können.

Alles in allem leisten The Constellation Branch aber etwas, von dem man gar nicht genug haben kann. Ein hervorragendes Album, verfügbar gemacht zum Nulltarif. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein, der Tourkalender ist voll, unter anderem mit Terminen bei SXSW, dem Mega-Indie Festival in Austin, Texas.

Mein Vorschlag: Rüber zu MySpace, Reinhören (z.B. Re-Creation in Sleep), Runterladen (legal!), Abrocken (amtlich). The dream Life, the real Life, the empty Glass ist deutlich mehr als nur ein achtbares Debut. Das Album gehört für mich zu den positivsten Eindrücken aus 2009 und es muss das Prädikat Self-Release nicht als Entschuldigung mit sich herum tragen. Vielmehr müsste das ein oder andere Label-Release aus 2009 den Vergleich fürchten. The Constellation Branch spielen nämlich ganz oben mit.


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