Recently Released | Sola Rosa – Get it Together

Auf das neue Album von Sola Rosa hatte ich mich besonders gefreut. Seit meinem Aufenthalt in Neuseeland, dessen Beginn mittlerweile ziemlich genau drei Jahre her ist, gehören Sola Rosa zu den Perlen in meiner Musiksammlung. Erstaunlicherweise gehört die Original-Kiwi-Combo hierzulande nicht in die erste Reihe der Klangbastler. Dafür können die Jungs in wechselnder Besetzung in neuseeland von sich behaupten, eine feste Größe im Musikbusiness zu sein.

Erstaunlicherweise ist mir gerade aufgefallen, dass bisher noch keines der mir eigenen Sola Rosa Alben es zu einer Retrozension gebracht hat. Ein Umstand, den ich demnächst ändern werde. Aber jetzt muss ich die Band also doch erst einmal grundsätzlich vorstellen. Sola Rosa ist in erster Linie Andrew Spraggon, der sich schon früh als engagierter Soundbastler einen kleinen Namen gemacht hat. Für Sola Rosa lädt er dann immer mal wieder verschiedene Größen, überwiegend der neuseeländischen Musikszene, ins Studio ein und produziert Songs, die sehr unzulänglich mit dem Label Elektronica kategorisiert werden können. In Wahrheit lässt Sola Rosa eine Unmenge verschiedenster Einflüsse zusammenkommen, was auch die Liste der Bands bestätigt, deren Mitglieder bei Sola Rosa mitwirken durften: Fat Freddy’s Drop, Pluto, Dimmer, Che Fu und, und, und …

Heraus kommt dabei eine Mixtur aus elektronischem Jazz gewürzt mit Soul und HipHop, dem man starken Einflüsse  des Funk á la Herbie Hancock nicht absprechen kann. Die Stücke sind mal rein instrumental, mal gesanglich begleitet, mal mit Samples überlegt aber eigentlich immer grandios gut. Auch das neueste Werk bleibt diesem Konzept treu und orientiert sich zu meiner großen Freude sogar wieder etwas stärker an den jazzigen Instrumentalstücken, als dies beim letzten Album Moves On der Fall war. Schon The Ace of Space treibt mit fantastisch auskeklügelten Beats und einer spannenden Mischung aus Beat und Jazz jeden Faser zum Mitwippen an. Die Nummer macht klar, dass Sola Rosa sich wieder stärker an ihrem Debutalbum Solarized orientieren. Turn Around ist hingegen eher eine Soulnummer, gesungen von Iva Lamkum. Auch hier gilt: Starker Beat, geniale Produktion und obendrauf gibt es hier einen typisch neuseeländischen Soulgesang, wie ich ihn erst im schönsten Land der Welt zu schätzen gelernt habe.

Del Ray ist dann wieder eine dieser spannenden, fast Dub-artigen Instrumentalnummern, die mir in dieser Qualität ausschließlich von Sola Rosa bekannt sind. Da kann man sich wunderbar in den Melodien und Samples und Rythmen verlieren. Humanised ist dann wieder eine Solunummer, die wunderbar zur aktuellen Revivalwelle des Souls gehört, in Sachen Songtiefe und, naja eben Soul, den aktuelle Radionummern des Genres jedoch um Längen voraus ist. Interessantes Nebendetail: gesungen wird die Nummer, ebenso wie auch der Song Lady Love von der deutschen Sängerin Bajka. Spikey Tee verleiht dem Titel Love Alone, dann pazifischen Flair. Auch dieser Song kann am ehesten in die Ecke Soul gestellt werden. Gerade die sehr ausgefeilte musikalische Begleitung lässt aber auch diesen Song deutlich über die Grenzen des Soul hinaus schauen.

Get it Together, der Titelsong, ist dann wieder rein instrumental, sehr rythmusstark und trotz einer Reduktion auf das Wesentliche eine fantastisch gute Nummer, die gegen Ende in ein Thema mündet, das einen unvermeidbar an Buena Vista Social Club erinnert. I’ve Tried Ways kommt dann als erstes Stück auf Get it Together ganz klar aus der Richtung HipHop, angereichert mit den Sola Rosa-typischen Instrumentalisierungen und Samples; gefeatured wird hier Serocee. Der nächste Song ist das bereits erwähnte Lady Love mit Bajka. Wieder sehr soulig mit einer funkigen Bassline wird der Song zu einer sehr relaxt jazzigen Nummer.

All You Need und Bond is Back sind dann wieder zwei Instrumentalstücke, die in bester Tradition der beiden ersten Sola Rosa Alben Solarized und Haunted Out-takes stehen. Auch hier wieder viel cooler Rythmus, einen jazzige Atmosphäre und viel Funk. Wer da still sitzen kann, ist tot. Den Abschluss bildet dann These, Words, These Sounds, These Powers, eine wieder stärker dem HipHop zugewandtes Stück, dass von der Gesangsdarbietung durchaus auch an Shaggy erinnert.

Alles in Allem ist Get it Together ein wirklich spannendes Album voll klanglicher Raffinessen, dass am besten laut und mi viel Platz zum bewegen gehört werden sollte. Wer mal über den Tellerrand des Rock hinwegschauen möchte und wem zugänglicher Jazz grundsätzlich gefällt, der kann nicht viel falsch machen, sich Get it Together mal näher anzuhören. Dank derzeit unschlagbar günstigem NZD-Kurs kann man zum Beispiel bei amplifier.co.nz das Album für umgerechnet ca. 7 Euro erstehen. Ein wahres Schnäppchen, wie ich finde. Gerade im Vergleich zu den anderen dreien Alben der Kiwi-Combo liegt Get it Together auf vergleichbarem Niveau wie mein bisheriger Favorit Solarized. Ein rundum gelungenes Album, dass man nur von ganzem Herzen empfehlen kann. Schade, dass die Band hierzulande bislang noch so unterbewertet ist.


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