[Not so] Recently Released | R.E.M. – Collapse into Now

Mir ist kürzlich aufgefallen, dass ich noch einiges als Konsequenz meiner Blogfaulheit zu Beginn des Jahres aufzuarbeiten habe. Unter anderem der Release des letzten Albums von R.E.M., dem mittlerweile 15ten Langspieler der Band, die Indie einst zum Mainstream erhoben hatte.

R.E.M. hatten ja nach New Adventures in HiFi einige Alben herausgebracht, die eher verhaltene Reaktionen auslösten. Zuletzt kam mit Accelerate endlich mal wieder ein wirklich spannendes Album heraus, blieb jedoch auch auf den sich-sonst-so-dankbar-auf-alles-mit-großem-Namen-stürzenden Radiostationen eher eine Randerscheinung in der Playlist. Collapse into Now setzt nun da an und versucht es besser zu machen, macht es sogar noch besser und wird trotzdem weitgehend ignoriert.

Zugegeben, R.E.M. haben nach Automatic for the People und den New Adventures nachgelassen. War Up noch grundsätzlich ein gutes Album, konnte es dennoch nicht einmal annähernd daran anknüpfen, was zuvor geholfen hatte R.E.M. zum Leuchtfeuer der Indieszene zu machen. Der Indietatus ging natürlich flöten mit dem Erfolg, dennoch sollte man nicht vergessen, dass der große Erfolg der Band aus Atlanta nicht über Nacht kam, sondern hart erarbeitet war.

Collapse Into Now eröffnet groß, überraschend vergangenheitsbewusst für R.E.M. und in einer angenehm positiven Stimmung. Zugegeben, der Refrain eignet sich zwar nicht zum Mitsingen, aber die Strophe lässt Erinnerungen insbesondere an New Adventures in HiFi aufleben. All the Best folgt auf dem Fuße und legt noch mal eine Schippe drauf. Wieder finden wir den so Michael Stipe-typischen melodieunterlegten Sprechgesang, Gitarrenwände, die unverkennbar R.E.M.-Graffiti tragen und einen Refrain, der sich diesmal auch zum Mitsingen eignet.

Überlin ist eine der beiden Singleauskopplung des Albums und damit auch einer der Songs, die bislang schon im Radio zu hören waren. Obwohl der Song großartig ist, war das marketingtechnisch wohl eher ein ungeschickter Schachzug. Eine etwas rockigere Nummer hätte sicherlich mehr Aufmerksamkeit gewinnen können. Denn Überlin ist eher eine ruhigere Nummer in der Tradition von The Sidewinder sleeps Tonight, entfaltet aber nicht ganz das selbe Charisma. Im Radio ging diese Nummer leider irgendwie unter.
Mit Oh my Heart folgt auf dem Longplayer unmittelbar die nächste Singleauskopplung, die zweifelsohne die bessere Wahl für eine Single ist. Der Song zeigt wunderbar alle Songwritingqualitäten der Band und kann dank eines fantastischen Refrains auch beim Nebenherhören bis ins Bewusstsein durchdringen.

It happened Today folgt als ruhige Midtemponummer und auch hier geben sich R.E.M. keine blöße. Alles passt, der Song begeistert weil er sich auf die Stärken der Band stützt, weil Melodie und Instrumentierung völlig ungezwungen daher kommen und prächtig harmonieren. Ebenso Everyday is Yours to Win, eine sehr zurückgenommene Nummer, die aber gerade mit der Stimme von Michael Stipe und der mittenlastigen Produktion derselben hervorragend funktioniert. Klasse.

So geht es weiter auf Collapse Into Now und anders als auf Accelerate schaffen es R.E.M. nicht nur, großartige Rocker zu schreiben sondern finden auch wieder den Zugang zu ruhigeren Nummern, die in bester Bandtradition an alte Zeiten anknüpfen, als hätte es die unsäglich langweiligen Alben Reveal und Around the Sun nie gegeben.

Somit ist Collapse Into Now eines der wirklich guten Alben der Band. Eines, dass einen nichts vermissen lässt, das trotzdem einen eigenen, reifen Stil präsentiert und das die volle Bandbreite dessen wiedergibt, zu dem R.E.M. fähig sind. R.E.M. are back!

 

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Retrozension | R.E.M. – New Adventures in Hi-Fi

Zu R.E.M.s New Adventures in Hi-Fi habe ich irgendwie eine besondere Beziehung. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass das zehnte Album der Band aus Atlanta das erste R.E.M. Album war, dessen Release ich bewusst erlebt habe.

Nicht lange vor dem Release im Jahr 1996 habe ich erkannt, dass R.E.M. eine wirklich gute Band sind. Hier gehört ein kurzer Dank meiner Schwester ausgesprochen, die Automatic For The People besaß und mich so auf den Geschmack brachte. Den Release von Monster hatte ich dann irgendwie auch noch verpasst, für New Adventures in Hi-Fi im Jahr 1996 war ich dann aber endlich auf den Geschmack gekommen. Und im Nachgang darf man wohlsagen: kein Album zu früh!

New Adventures in Hi-Fi ist bis heute das erfolgreichste Album von R.E.M., zumindest wenn man die Chartplatzierungen auf Wikipedia richtig interpretiert. Nummer eins in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Finnland und Schweden und immerhin noch Nummer zwei in den USA, das ist doch mal eine gute Leistung.

Die viel bessere Leistung daran ist aber, dass das Album nicht nur erfolgreich sondern auch wirklich gut ist. Wesentlich vielschichtiger als Monster oder Automatic for the People, atmosphärisch angenehm melancholisch und für ein Mainstreamalbum ziemlich experimentierfreudig. Schon der Opener How The West Was Won And Where It Got Us überzeugt auf ganzer Linie. Vor allem dadurch, dass das Stück mit Hörgewohnheiten aufbricht. Das Intro wird nur durch Drums gespielt, die Begleitung ist sehr rudimentär durch Bass und Klavier gegeben und irgendwie klingt das Stück auch im Refrain sehr filigran ohne dabei aber “unrockig” zu werden. Cool gemacht.

The Wake Up Bomb ist wohl bis dato eines der rockigsten und besten Stücke von R.E.M. Orgel, verzerrte Gitarren und einen überzeugenden Rythmus. Da bleibt kein Kopf ruhig auf dem Hals sitzen. Ich liebe diesen Song. New Test Leper folgt als ruhigerer Song. Hier kann man wieder einmal in den wirklich poetischen Zeilen schwelgen. So gut schreiben neben Michael Stipe nur die wenigsten.

Undertow bringt wieder etwas mehr die klanglich experimentelle Seite der Band zum Vorschein. Hier begrüßen den Hörer zunächst dampfend, stampfende Maschinensounds, ehe der Midtempo-Rocksong Form annimmt. Auffällig auch hier die teilweise fast zerbrechliche Gesangsstimme von Michael Stipe, die immer relativ nahe am Sprechgesang vorbeischrabbt. Sehr relaxt. Ebenso E-Bow the Letter, ein – wie es der Titel schon suggeriert – auch mit dem E-Bow gespieltes Stück. Der hilft, E-Gitarren ohne Anschlag spielen zu können, was in etwa an das Bogenspiel auf einer Geige erinnert. Ein cooles extra ist auch die Background-Stimme, die hier von niemand geringerem als Patti Smith geliefert wird.

Leave ist dann noch so ein echtes Highlight auf dem Album. EIne der konsequentesten und beeindruckendsten Kombinationen aus Synthesizer und Rocksong, die die Musikgeschichte bisher vorgebracht hat. Dabei wunderbar simple in der Grundstruktur und rockig ohne Abstriche. Echt beeindruckend. Thematisch passend schließt sich dann das Stück Departure an. Auch hier wird gnadenlos gerockt und eine Mischung aus Spoken Words Performance (man fühlt sich an Stadionrockansagen erinnert) und Gesang unterlegt mit einem sehr griffigen Gitarrenriff und ergänzt durch einen Mitgröl-Refrain. klassische Entfruster-Nummer, nichts zu kritisieren.

Etwas Entspannung bringt dann Bitersweet Me. Atmosphärisch erinnert der Song zunächst ein wenig an Automatic for the People, mündet dann aber in einen fantastisch eingängigen Refrain. Be Mine wird dann noch einmal deutlich ruhiger und zeigt wieder die poetischen Fähigkeiten der Band. Die Musik wie auch der Text laden zum Verweilen, zum Nachdenken, zum Sich-Selbst-Verlieren ein. Toll!

Die nächsten Textzeilen widmen sich dann Binky the Doormat, also einem Fußabtreter. Merkwürdig, aber trotzdem ein ziemlich guter Song. Zither schließt direkt als Instrumentalstück an (Automatic For The People lässt grüßen) und wird wiederum von So Fast, So Numb gefolgt. Hier gehts wieder etwas rockiger zur Sache. Insgesamt ein ziemlich entspannter Song mit cooler Klavierbegleitung.

Den Abschluss bilden dann zunächst Low Desert, eine ruhige Rocknummer mit viel Slideguitar-Einsatz, und abschließend dann Electrolite, eine Stück, dass vor allem von der Klavierbegleitung und der bestechenden Gesangslinie lebt. Ein überraschend positiv gestimmter Abschluss für das insgesamt doch oft schwermütige Album.

New Adventures in Hi-Fi konkurriert bei mir immer wieder mir Automatic For The People um den Platz des besten R.E.M. Albums. Eine Entscheidung kann man hier kaum treffen, denn beide Alben stehen für sich und sind ohne jeden Zweifel große Kunstwerke. Selten gelingt es Bands so dorchgehend eine Stimmung zu schaffen und so das Album zu mehr zu machen als nur eine wahllose aneinanderreihung von Songs. Hier wird das Hörerlebnis zur Entdeckungsreise und genau so müssen gute Alben einfach aussehen/klingen. In jedem Fall ist New Adventures in Hi-Fi pflicht in einer gut sortierten Indie-Rock Bibliothek.


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Recently Released | R.E.M. – Accelerate

R.E.M. - Accelerate Hallo Welt, ich bin wieder daheim. Ich war ein bißchen weg im Urlaub. Genauer gesagt in Seattle und Umgebung, zum Wandern, Einkaufen, Burger Essen, im Regen stehen, Vulkane bestaunen und, und, und.

Da ich aber nicht so bin, hab ich auch was aus dem Urlaub mitgebracht. R.E.M. waren so nett, nach vier Jahren Studioalbumspause mal wieder einen Silberling aufzulegen, und da die CD-Preise in den Staaten unverschämt günstig sind, und der Dollar von Tag zu Tag noch günstiger wird, musste ich natürlich vor Ort zugreifen. SO hab ich für den Schnäppchenpreis von nur 9,57 € (Stand heute – und fallend) das neue Album Accelerate erstanden. Das macht Freude – und noch mehr Freude macht, dass meine CD-Sammlung jetzt auch mit CDs bestückt ist, die auch physisch aus Seattle stammen ;-) .

Genug der Vorrede, kommen wir mal zum Album. Eigentlich hatte ich mir nach dem letzten R.E.M.-Album geschworen, der Band endgültig abzuschwören. Der Verfall begann schon ein bißchen mit dem Album Reveal, aber das inzwischen vorletzte Album Around the Sun war einfach nur noch enttäuschend. Damit wären R.E.M. nicht die erste Band gewesen, die bei mir in Ungnade gefallen sind. Die Gesellschaft von den Smashing Pumpkins, Silverchair, Live und sicherlich noch ein paar anderen hätte R.E.M. auch ganz gut gestanden, aber die Band hatte – zum Glück – andere Pläne mit mir.

Der Neuling Accelerate stellt eine Rückkehr zu wirklich älteren Zeiten dar. Ein bißchen Monster ein bißchen Document, kein bißchen New Adventures in Hi-Fi oder Automatic, aber auch kein bißchen Reveal und Around the Sun – und letzteres ist wirklich erfreulich.

R.E.M. präsentieren sich auf Accelerate endlich wieder mit der Lust am Rockbeat, am Musizieren mit krachigen Gitarren und wummerndem Bass. Und sie können es auch noch. Bisweilen scheinen zwar einzelne Melodiestränge etwas holprig zu sein, aber das kann sich auch noch geben, wenn man das Album mal etwas besser kennen gelernt hat. Ich hatte bislang erst Gelegenheit für zwei Rotationen.

Die erste Single Supernatural Superserious – die hatte ich ja bereits mit Video verlinkt – ist das sicherlich eingänglichste Stück auf dem neuen Longplayer. Dennoch glaube ich, das sich da schon bald ein paar andere Stücke in den Vordergrund drängen werden. Beispielsweise der Opener mit dem schönen Titel Living Well Is The Best Revenge, der so wunderschön nach R.E.M. klingt, dass man schon allein dafür das Album kaufen möchte. Auch der Titel Accelerate ist ebenfalls sehr gut, wobei mir der Refrain noch etwas sperrig erscheint.

Im Fazit kann ich sagen, dass sich der Kauf von Accelerate auch zu deutschen CD-Preisen sicherlich lohnt, wenn man R.E.M. nicht erst seid New Adventures in Hi-Fi mag. Sicherlich entfaltet Accelerate nie das Potential von Automatic for the People aber dafür, dass R.E.M. jetzt endlich wieder gute Musik for the People machen, haben sie schon eine neue Chance verdient. Mir gefällt jedenfalls sehr gut was ich bisher gehört habe.


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News & Rumors | R.E.M. – Supernatural Superserious

Die größte (gemessen am Erfolg) Indieband aller Zeiten meldet sich mal wieder zu Wort. ich möchte an dieser Stelle keinen Hehl daraus machen, dass die beiden letzten Alben der – inzwischen nur noch – Dreierkombo aus Athens, Georgia bei mir für tiefe Enttäuschung gesorgt hatten.

Das neue Werk Accelerate soll der Eigenwerbung der Band entsprechend an ältere Sounds und Songs erinnern, und ich denke das lässt sich nur als gute Nachricht werten. Bleibt zu hoffen, dass die Prophezeiung dann auch entsprechend eintritt. Erscheinungsdatum ist übrigens der 31. März.

Wie zum Beweis gibt es nun via YouTube das Video zu ersten Single zu bestaunen. Und im Vergleich zu den Songs auf Reveal und Around the Sun klingt Supernatural Superserious zumindest schon man nach einer deutlichen Verbesserung. Grund genug für mich, die Embed-Funktion von YouTube einer Premiere auf meinem Blog zuzuführen. Viel Spaß damit.


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Retrozension | R.E.M. – Monster

R.E.M. - Monster

Nachdem R.E.M. 1992 mit ihrem Album Automatic For The People gezeigt hatten, dass sie zu den ganz großen Bands ihrer Zeit gehören, erschien zwei Jahre später der Nachfolger Monster. Obwohl sich Monster laut Charts erfolgreicher platzieren konnte als Automatic For The People, ist dieses Album für mich musikalisch immer ein Rückschritt gewesen. In keinster Weise knüpfen R.E.M. an die Genialität des Vorgängeralbums an, und das ist wirklich schade. Oder vielleicht doch nicht?

Dennoch wäre es verkehrt Monster für sich als missglückt zu bezeichnen. Es ist nur so, dass Monster musikalisch einfach viel eher als Vorgängeralbum zu Automatic glaubhaft ist. Der etwas kratzigere, ungestüme R.E.M. Sound, wie man ihn noch von Green, Out Of Time oder Document kennt, kennzeichnet auch Monster. Automatic For The People erscheint dazwischen fast wie ein Missgeschick.

Aber ich möchte hier auch erstmal die Vergleiche fallen lassen, und Monster für sich selbst stehen lassen. Der Opener What’s The Frequency, Kenneth eröffnet mit R.E.M. typischen Gitarrensounds, den verhaltenen, aber guten Vocals von Michael Stipe. Das ganze versprüht besten Indiecharme, insbesondere, da dieVocals ein wenig zu leise abgemischt scheinen, und auf übermäßige Produktionseffekte verzichtet wurde. Crush with Eyeliner folgt mit seinem charakteristischen Phasergitarrensound. Die Gangart des Albums wird spätestens hier klar. Es sind eher poppige Songs mit etwa 4 Minuten Länge. Die Schwermut bleibt außen vor, überschwengliche Freude wird sicher aber auch woanders zelebriert. Auch King of Comedy folgt auf den Pfaden seiner Vorgängersongs. Eher poppig inszeniert und gute Partymusik. Erst I don’t Sleep, I Dream zeigt sich etwas düsterer und ruhiger, ohne dabei allzusehr in Melancholie zu verfallen. Ein wirklich guter Song. Schluss mit Ruhe schreit dann förmlich Star 69. Es rockt erstmals richtig und befreit die Platte von der bis dahin zelebrierten Lethargie. Nach so einem Song wird es zeit für einen Engtanzsong, und der kommt auch prompt mit Strange Currencies. Da schmelzen die Herzen und man kann sich förmlich vorstellen wie zahllose Pärchen engumschlungen auf der Tanzfläche schwofen. Tongue hilft dann, den romantischen Augenblick noch ein paar Minuten länger festzuhalten, und macht dabei einen guten Job. Jetzt will man aber dann doch mal wieder ein bißchen tanzen. Da kommt Band and Blame genau recht. Der vielleicht beste Song des Albums fängt eher sanft an, um dann im Refrain ein bißchen rockiger zu werden. I Took Your Name folgt auf dem Fuße, und erinnert wegen seines Phasersounds nicht unwesentlich an Crush with Eyeliner. Macht aber nix. Ist trotzdem ein guter Song. Let me in schlägt wieder ruhigere Töne an. Mit stark übersteuerter Gitarre und nur sehr zaghaftem Schlagwerkeinsatz. Mit Circus Envy wird nochmal das Haus gerockt, dass die Fetzen fliegen. Toller Refrain übrigens, der mich ein wenig an die Rocknummern von The Police erinnert. Zum Schluß dann das eher ruhige und auch ein wenig düstere You.

Insgesamt ist Monster ein wirklich gutes Album, dass wirklich Freude macht. Mir kommt es immer ein wenig vor wie eine nette Party. Nicht zu düster, nicht zu überschwenglich. Wahrscheinlich gehört Monster auch wirklich zu den besten Alben, die R.E.M. bisher produziert haben. Aber dennoch steht es meiner Meinung nach im Schatten des Überwerks Automatic For The People. Macht aber ja eigentlich nix. So lange es Spaß macht, oder?

Gute Musik

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Retrozension | R.E.M. – Automatic For The People

R.E.M. - Automatic For The PeopleR.E.M. waren mit Automatic For The People ganz groß. Genau genommen nie größer. Und das ist eine Wahrheit, die heute noch zutrifft. Gut für das Album, schlecht für die Band.

Erschienen war das Album 1992 und entwicklete sich zu dem Superseller der Band schlechthin. Über 18 Millionen verkaufte Exemplare sprechen für sich. Die Musik auf Automatic For The People ist dermaßen mainstreamtauglich, dass man das Label “Indie Rock” eigentlich gar nicht verwenden dürfte. Konsequenterweise betitelt Wikipedia Deutschland die Musikrichtung dann auch als Alternative Rock – meiner Meinung nach passt da Indie doch besser.

Fest steht, dass Automatic For The People zu den interessantesten Alben der 90er-Jahre gehört. Gefühlvollere, melancholischere Songs schrieb Anfang des Jahrzehnts wohl keiner, zumindest nicht in der Zahl. Für mich stellt dieses Album den ersten bewussten Berührungspunkt mit der Band aus Atlanta, Georgia, dar. Zwar kannte ich auch vorher schon Songs von R.E.M. wie It’s The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine), oder das etwas kürzer betitelte Losing My Religion, oder aber auch Fireplace, aber damals blieb mir die Band nicht im Gedächtnis. Das sollte sich mit Automatic … ändern.

Im Grunde sind alle Songs des Albums für mich Klassiker. Ich werde das Feld mal von hinten aufrollen und damit anfangen, was mir am wenigsten gefällt: Ignoreland, an und für sich ein guter Song passt vom Gesamtsound einfach nicht so recht zum Rest vom Album. Er sticht deutlich hervor und das nicht unbedingt positiv. Dabei ist das der vermutlich rockigste Song auf dem gesamten Album. Dann wäre da noch New Orleans Instrumental No. 5. Passt eigentlich ganz gut ins Album, ich bin nur kein Freund von Instrumental-Stücken auf Rockplatten. Das wirkt immer ein bisschen so, als hätte die Band keine Lust gehabt den Song fertig zu schreiben. Der Rest des Albums ist Geschichte. Hervorheben möchte ich nur ein paar besonders hübsch glänzende Perlen. Man On The Moon – von schöner Traurigkeit und strahlt dennoch Hoffnung aus, Everybody Hurts – da muss man nichts zu sagen, Nightswimming – die besten Lyrics aller Zeiten in einem wunderbaren Klaviersong. Da denkt man an Meer, nächtliche Autofahrten über einsame Autobahnen und die Liebe. Einfach Toll.

Das Album strahlt insgesamt eine faszinierende Ruhe aus, ganz anders als die vorigen R.E.M.-Alben, die meist ja doch mit hektischeren Songs durchsetzt waren. Auch heute noch überaus gern gehört. Deshalb gibts volle Punktzahl.

Rating 5 Star

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