Retrozension | 2007 – Januar bis Dezember

Das Jahr nähert sich seinem wohlverdienten Ende und an allen Ecken und Enden sprießen wieder Jahresrückblicke, die kein Mensch braucht. Was liegt da näher, als selbst auch noch einen dran zu hängen? Besonders, wo mein Blog sich doch auf Rückblickungen spezialisiert hat.

Rückblick im musikalischen Sinne soll heißen, dass hier stehen sll, was mich in diesem Jahr musikalisch so alles bewegt hat. Und das war eine ganze Menge.

Zum einen steht da die “Kategorie” persönliche Neuentdeckungen des Jahres: Für mich neu war in diesem Jahr die Entdeckung von Muse. Eine Band, die schon seit Ende der 90er Jahre fantastische Musik macht, und die es trotzdem bis zu diesem Jahr geschafft hat, mir nicht aufzufallen. Und das, obwohl ich Muse als Vorband von Bush bewundern durfte, als das erste Album von Muse gerade rausgekommen war. Solch eine Spätentdeckung hat aber auch den enormen Vorteil, dass man innerhalb kürzester Zeit dazu kommt, vier Studioalben und eine B-Side Compilation zu teilweise unverschämt günstige Preisen zu erstehen und wochenlang im Grunde nur einer Band zu lauschen.
Ebenfalls neu für mich waren die Arctic Monkeys. Britischer Pop-Punk oder so ähnlich könnte man das labeln, was den Kindern aus England da so eingefallen ist. Erfreulicherweise habe ich nichts von irgendeinem Hype um die Band mitbekommen und konnte so völlig unvoreingenommen lauschen und begeistert sein. Ich bin gespannt was diese Band in Zukunft noch so vom Stapel lässt. Für das nächste Album bin ich in jedem Fall ein sicherer Käufer.
Eine wirklich grandiose Neuentdeckung hat mich dann in der zweiten Jahreshälfte, oder eigentlich eher im letzten Jahresdrittel gepackt: Portugal. The Man. Die Band aus Alaska mit dem etwas merkwürdigen, aber absolut coolen Bandnamen stehen für einen so genialen und eigenwilligen Sound, dass es mich schier vom Hocker gerissen hat. Das in diesem Jahr erschienene Album Church Mouth ist so wundervoll vielschichtig und doch so einprägsam, dass ich unglaublich viel Zeit mit der Musik verbacht habe. Auch der Vorgänger aus 2006 ist nicht weniger grandios; und das Portugal. The Man ein gigantisches Konzert abgeliefert haben, habe ich ja in diesem Blog berichtet. Die nächste Eintrittskarte ist auch schon gekauft.

Auch einige Neuerscheinungen haben diese Jahr wieder den Weg in meine bescheidene, aber stetig wachsende, Sammlung gefunden. Da ware unter anderem Travis, Foo Fighters, Arctic Monkeys und die Queens of the Stone Age am Start. Letztere mit dem vielleicht genialsten Album ihrer Karriere. Nicht vergessen werden darf aber auch Radiohead, bei deren Album leider mehr die Art des Releases als die eigentliche Musik im Vordergrund stand, und das völlig zu Unrecht, denn In Rainbows ist ein wirklich hochspannendes Album und darf in keiner alternative Musiksammlung fehlen.

Den bleibenden Eindruck des besten Konzert des Jahres kann ich nicht guten Gewissens an eine einzelne Band vergeben, deshalb teilen sich Portugal. The Man und Travis den hoch begehrten und mit Nichts dotierten Titel. Beide Konzerte waren eine reine Freude und haben mir mal wieder gezeigt, dass Bands viel mehr live spielen und nicht zu viel Zeit in MTV investieren sollten. Ein live-Publikum ist nämlich wirklich dankbar, und lädt nicht gleich alles aus dem Internet runter, ohne dafür zu blechen.

So, das solls dann auch gewesen sein. Wer gehofft hatte, ich verkünde hier einen Verlierer des Jahres, der hat sich getäuscht. Ich bin zu nett für so was. Im Zweifelsfall passt in diese Kategorie aber wohl immer Britney Spears.

Einen Guten Rutsch also ins neue Jahr 2008. Klingt eh viel besser.

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Recently Released | Radiohead – In Rainbows

Radiohead - In RainbowsVor ganzen vier Jahren konnte man sich das letzte Mal über ein neues Werk aus dem Hause Radiohead freuen. Dieser Notstand wurde nun endlich behoben. Seit dem 10. Oktober ist das neuste Album zu haben. Wer allerdings meint dafür in den nächsten Plattenladen rennen zu müssen, der wird enttäuscht feststellen, dass es da kein neues Album gibt.

Die Band wagte den Schritt das neue Album zunächst ohne Plattenfirma in Eigenregie über ihre Webseite Radiohead.com zu vertreiben. Dort stehen einem als Optionen ein Albumdownload, oder ein Discbox-Set (inklusive sofortigem Download) zur Verfügung. Das Boxset kostet stolze 40 britische Pfund, enthält aber das Album mit einer Zusatz-CD mit weiteren 8 Tracks. Das ganze gibts dann auch gleich nochmal auf LP dazu plus zusätzlichen Photos und Artworks. Ein durchaus lohndendes Angebot für Fans.

Wer nicht weiß, was er mit Vinyl anfangen soll, der kann aber auch die Download-Option kaufen und die kostet, soviel man eben will. Einfach anklicken, Preis eintragen (Ja, auch 0,00 Pfund werden akzeptiert) und downloaden. Erste Statistiker sprechen bereits davon, dass nur etwa 34 % aller Käufer überhaupt etwas gezahlt haben, die Band verneint diese Zahlen, ohne jedoch andere zu nennen.

Für alle, denen das ganze etwas zu schräg ist nun auch noch eine (gute ?) Nachricht: Im Januar kann man dann auch ganz normal und wie gewohnt in den Plattenladen seiner Wahl maschieren und die CD ohne Vinyl (und ohne extra-Songs) kaufen.

Jetzt wird es aber langsam mal Zeit auf die musikalische Komponente des neuen Albums einzugehen. Das neue Radiohead-Album ist großartig. Auf ihre mittlerweile gewohnt sperrige Art hat die Band 10 Songs zusammengeschustert, die in guter Tradition zu Hail To The Thief stehen. Im Gesamteindruck kommt In Rainbows deutlich ruhiger und melancholischer daher. Wer auf eine Rückkehr zu rockigeren Zeiten, wie noch auf Pablo Honey oder The Bends hofft, wird mit Sicherheit entäuscht. Auch In Rainbows ist wieder in gewisser Weise elektronisch geprägt, ohne aber auch nur eine Sekunde lang steril zu wirken. Dafür sorgt schon Thom Yorkes Stimme, die überwiegend im Falsett-Bereich umherschwirrt und so wunderbar leidend klingt, dass man einfach von der Schönheit der Radiohead-Melancholie eingenommen werden muss.

Bei Musik stelle ich mir häufig die Frage, zu welcher Situation eine bestimmte Band oder ein bestimmtes Album am besten passt. Bei Radiohead stelle ich mich damit vor ein schier unlösbares Problem. Die Musik ist grandios aber (inzwischen) untanzbar, nicht gesellschaftstauglich und zu Schade um einfach nur so nebenbei konsumiert werden. Die Musik muss bewusst genossen werden. Inzwischen finde ich, dass man Radiohead am besten hört, wenn man Zeit hat, sich ganz fallen zu lassen und die Gedanken schweifen zu lassen. Das kann auch morgens im Zug auf dem Weg zur Arbeit funktionieren, aber am ehesten doch zu Hause auf der Couch, die Anlage schön laut und das Telefon ausgestöpselt. Für solche Momente ist auch In Rainbows gemacht und funktioniert prächtig.

Im Fazit muss ich nun doch machen, was ich eigentlich vermeiden wollte: Der Vergleich zu OK Computer darf nicht ausbleiben, da die Größe von Radiohead eben jenem Album geschuldet ist. In Rainbows ist kein zweites OK Computer. Das kann es nicht sein und das will es auch gar nicht sein. Die Band hat sich weiterentwickelt und mit ihrem neusten Album ein wirklich großartiges Werk veröffentlicht, dass von vorne bis hinten absolut rund, tiefgründig, sehr gut produziert und ein bißchen sperrig ist. Der Ein oder Andere wird hier und da in seinen Hörgewohnheiten gestört und genau das ist ja auch Teil des Charmes von Radiohead. Wie gesagt: großartig, kein neues OK Computer aber auf jeden Fall 5 Sterne von mir.

Absolut Groß

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Recently Released | Stereogum Presents… OKX: A Tribute To OK Computer – B-Sides

Stereogum Presents... OKX: A Tribute To OK Computer - B-SidesAuf Stereogum finden sich mittlerweile noch 3 B-Seiten zum kürzlich veröffentlichten Tribute to OK-Computer.

Dabei handelt es sich um zwei Songs von Northern State (Away, Away sowie No Surprises) und einen Song von Chris Walla (Polyethylene Part I+II).

Wie schon beim Tributealbum können die Songs natürlich wieder kostenlos heruntergeladen werden. Viel Spaß beim Reinhören.

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Recently Released | Stereogum Presents … OKX: A Tribute to OK Computer

OKX - A Tribute to RadioheadObwohl es genauso gut in die Kategorie For Your Interest passen würde, habe ich mich dann doch entschieden bei diesem Post auf Recently Released zu gehen. Um was es geht ist im Prinzip sehr schnell erklärt: Die Jungs und Mädels (nehme ich mal an) von Stereogum haben anlässlich des nunmehr 10-Jährigen Jubiläums des vielleicht besten Radiohead-Albums aller Zeiten OK Computer einige Künstler gebeten jeweils einen Song des Albums zu covern. Ein ziemlich langer Satz meinerseits und ein absolut beeindruckendes Album ist nun das Ergebnis.

Das schöne daran widerum ist, dass sich jeder selbst davon überzeugen kann, wie gut es tatsächlich geworden ist, denn das komplette Tribute-Album steht kostenlos und unverbindlich zur Datenfernübertragung im weltweiten Datennetzwerk bereit.

Um mal einen Überblick zu geben die Tracklist:

1. Doveman – “Airbag”
2. Slaraffenland – “Paranoid Android”
3. Mobius Band – “Subterranean Homesick Alien”
4. Vampire Weekend – “Exit Music (For a Film)”
5. David Bazan’s Black Cloud – “Let Down”
6. John Vanderslice – “Karma Police”
7. Samson Dalonoga feat. The Found Sound Orchestra – “Fitter Happier”
8. Cold War Kids – “Electioneering”
9. The Twilight Sad – “Climbing Up the Walls”
10. Marissa Nadler feat. Black Hole Infinity – “No Surprises”
11. My Brightest Diamond – “Lucky”
12. Flash Hawk Parlor Ensemble – “The Tourist”

Interessanter als die Titel sind hier natürlich die Interpreten. Um ganz ehrlich zu sein, ich kenne bislang keinen von denen. Nur von Cold War Kids hatte ich schonmal was gehört ohne bislang aber etwas von ihnen gehört zu haben (da darf man ruhig mal eine Minute drüber nachdenken, stimmt aber trotzdem). David Bazan hatte zum Zeitpunkt meines Hörens auf Last.fm beispielsweise gerade einmal 213 gescrobbelte Titel. Das zeigt, dass ich wohl nicht der einzige sein dürfte, der die Bands nicht kennt.

Zurück zur Musik. OKX ist durchgehend gut anzuhören. Die Künstler haben es geschafft ihre eigenen Stile einfliessen zu lassen, ohne die Songs bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln. Dabei verfolgen die Bands teilweise deutlich unterschiedliche Ansätze bei ihrer Neuinterpretation. Von sanften Veränderungen bis hin zum radikal durchgezogenen Gegenkonzept lässt sich alles finden. Das ganze ist auf jeden Fall für Freunde von OK Computer einen Ausflug wert. Ich bin begeistert.

Tolle Sache - Runterladen!

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News & Rumors | Neues Radiohead Album am Start?

Wie es scheint gibt es demnächst Neues von Radiohead. Nachdem das letzte Album Hail To The Thief inzwischen vier Jahre alt ist kündigt sich laut ZME Music ein Nachfolger an. Releasetermin ist allerdings noch keiner genannt worden. Genau genommen sind auch die Aufnahmen noch nicht gänzlich abgeschlossen. Urheber des Gerüchtes ist übrigens die Band selbst, die auf ihrem Blog Dead Air Space mit einem sehr kurzen Post Hoffnung machen.

Da hilft wohl nur Warten und Hoffen.

UPDATE!

Inzwischen hat es sogar ein kleines Video direkt aus dem Studio der band in die Außenwelt geschafft. Zu sehen ist hauptsächlich ein Tonbandgerät. Viel interessanter ist aber, dass man die ersten Tonschnipsel zu hören bekommt. Das Video gibts mal wieder bei ZME bzw. auf Radioheads Dead Air Space.

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