Seen Live | Portugal. The Man – Substage Karlsruhe – 12 Sep 2008

Freitag abend war es soweit: Nach einer harten Woche auf der Arbeit und nur knapp eine Woche nach Release des neuen Albums Censored Colors bot sich mir die Gelegenheit Portugal. The Man mal wieder live zu sehen.

Im überraschend geräumigen Substage in Karlsruhe eröffneten um kurz nach Neun die Steaming Sattelites aus Graz. Optisch sollten die Jungs aus Österreich noch ein bißchen an sich arbeiten. Das Stirnband des Sängers war ziemlich unterirdisch. Glücklicherweise entschädigte die Musik umfassend für den Augenterror. Sehr kraftvoller Rock mit viel Druck, raffinierten Drums und einem guten Gespühr fürs Songwriting. Eine absolut passender Supportact für die Hauptband des abends. Am besten ihr schaut mal auf dem Myspace-Profil der Band vorbei und hört euch ein paar Songs an. Wirklich empfehlenswert!

Nach kurzem Umbau erklommen dann Portugal. The Man die Bühne und der Abend war perfekt. Die vier Jungs und ihre Background-Rasselspielerin/Sängerin/Schellengranzartistin sowie der Mann am Lichtpult waren in Topform. Gespielt wurden ein bunter Mischmasch aus Songs von allen drei Studioalben sowie das wohl schon obligatorische The Devil.

Gerade die neuen Songs konnten live ihr ganzes Potential entfalten und auf wundersame Weise dabei sogar deutlich besser klingen als auf dem Album. Insbesondere die Gesangslinien waren deutlich genauer und ausgewogener gesungen. Der Gesamtsound war kraftvoll und beeindruckend umfassend, wenn man bedenkt, dass die Band auf den Alben mit deutlich mehr Instrumentierung arbeitet als auf der Bühne.

Portugal. The Man zeigten die volle Spielfreude, improvisierten viel im Rahmen ihrer eigenen Songs, spielten ein sehr spannendes Cover vom Beatles-Song Helter Skelter und auch ein ziemlicher Patzer des Keyboardes beim neuen Song And I wurde vom Publikum mit freundlichem Gelächter und schallendem Applaus entschärft. Alles in allem stimmte einfach alles und das verleitete die Band wohl auch dazu, nicht nur ungewöhnlich lange zu spielen, sondern auch gut und gerne 15 Minuten Zugabe anzuhängen. Für Portugal durchaus bemerkenswert.

Die Jungs sind in den kommenden tagen noch auf Tour und wenn ihr die Chance haben solltet euch ein Konzert anzutun, dann macht es. Für ca. 16 € werdet ihr zur Zeit mit Sicherheit nirgends besser unterhalten.

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Recently Released | Portugal. The Man – Censored Colors

Ich freue mich besonders, die schon seit längerem etwas vernachlässigte Kategorie Recently Released mal wieder nutzen zu können. Daraus lässt sich entsprechend schließen, dass meine kleine und bescheidene CD-Sammlung wieder Zuwachs bekommen hat. Portugal. The Man haben nach nur etwas mehr als einem Jahr seit Church Mouth ihr mittlerweile drittes Studioalbum veröffentlicht.

Obwohl ich die Band aus Alaska (mittlerweile eher Portland, Oregon) erst seit letztem Jahr auf meine Radar habe, bin ich bislang hellauf begeistert. Bester Beweis: Meine Charts auf last.fm, wo Portugal. The Man schon seit einiger Zeit unangefochten die Spitzenposition einnehmen. Noch vor Radiohead, die im Gegensatz zu Portugal schon weit mehr als drei Alben im Umlauf haben.

Als ich Anfang des Jahres erfahren hatte, dass Portugal. The Man planten, noch in diesem Jahr ein neues Album zu veröffentlichen, war ich etwas skeptisch. So kurz hintereinander zu veröffentlichen riecht immer ein bißchen nach Ausverkauf. Beruhigt war ich dann aber, als bekannt wurde, dass die Band die volle künstlerische Kontrolle über das Werk hat und in Eigenregie produziert. Seit letzter Woche Freitag ist das Album also nun auf dem Markt, seit Samstag in meinem Besitz. Da stellt sich nun natürlich die Frage: Wie ist es so?

Nun, diese Frage würde ich gerne ähnlich euphorisch beantworten, wie meine Rezension zu Church Mouth im letzten Jahr. Das allerdings fällt mir schwer. Censored Colors, so der Titel des neuen Werks, ist zunächst einmal ganz anders. Hätte ich am Sonntag diese Rezension verfasst, wäre nicht viel Gutes über das Album zu sagen gewesen. Arbeiten wir der Einfachheit halber mal am Vergleichsobjekt Church Mouth. Censored Colors rockt nicht. Zumindest in 95% aller Fälle. Statt E-Gitarren satt gibts hier viel Akustik-Gitarre, statt fettem Sound eher ziemlich dünn klingende Klangwelten, Bass kaum wahrnehmbar. Statt ausergewöhnlichen Einzelgesangsleistungen des Frontmännleins teilweise fast schon wie Quaken anmutendes Gewimsel (ich übertreibe) das im schlimmsten Fall an ein christliches pseudomodernes Gottesdienstgesinge erinnert (Colors).

Klingt soweit ziemlich böse, ich weiß. Dennoch gibt das nur einen unvollständigen und gar falschen Eindruck des Albums. Nach Mittlerweile schätzungsweise 20 Durchläufen muss ich gestehen, dass das meiste wirklich gut ist. Einige Songhighlights haben bei mir inzwischen ihre Wiederhaken ausgepackt und gehen mir im positiven Sinne nicht mehr aus dem Kopf. Dazu gehören der Opener Lay me Back down, das bereits vorab bekannt geordenen And I, das sehr ruhige und besinnliche Created und mein bisheriger Favorit Out and In and In and Out, um nur einige zu nennen. Songwriting mit Bestnoten. Leider aber wirklich nicht gut produziert.

Und genau das ist das Hauptproblem, dass Censored Colors bei mir anecken lässt. Der Sound ist einfach viel zu dünn. Da merkt man nichts von der brachialen Gewalt, mit der sich die Songs auf Church Mouth noch zu entfalten wussten. Der Gesang ist insgesamt zu weit in den Vordergrund gestellt worden und die mehrstimmig arrangierten Gesangslinien klingen mehr als einmal schlichtweg wie falsch gesungen. Produktionstechnisch bewegt sich das Album überspitzt formuliert irgendwo zwischen Live-Mitschnitt und Demo-Tape und das ist schade. Gerade wenn man die Songs etwas besser kennt wünscht man sich da deutlich mehr Arbeit auf Produktionsseite.

Im Fazit muss es so deutliche Abwertungen geben. Ist wirklich schade, führt aber kein Weg dran vorbei. War Church Mouth noch ein Schritt in Richtung Weltruhm, dürfte Censored Colors für die Karriere der mittlerweile vier Jungs aus den Staaten eher einen Knick darstellen. Und das täte mir besonders deshalb leid, weil die Songs überwiegend wirklich gut sind. Vielleicht wäre hier etwas weniger Produktionskontrolle durch die Band der bessere Weg gewesen. Für Leute, die die Band noch nicht kennen, dürfte der EInstieg mit Censored Colors nur schwer gelingen. Ich als bekennender Fan der Band hatte selbst genug Mühe in die Musik auf diesem Album einzusteigen. Hat man den Einstieg geschafft, kann man sich wieder über clevere Arrangements und einen sehr interessanten und eigenwilligen Stil freuen. Man muss dem Album allerdings anfangs sehr viel Geduld einräumen.

P.S. Am Freitag abends gibts das ganze Live im Substage in Karlsruhe. Ich freu mich drauf.

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Retrozension | 2007 – Januar bis Dezember

Das Jahr nähert sich seinem wohlverdienten Ende und an allen Ecken und Enden sprießen wieder Jahresrückblicke, die kein Mensch braucht. Was liegt da näher, als selbst auch noch einen dran zu hängen? Besonders, wo mein Blog sich doch auf Rückblickungen spezialisiert hat.

Rückblick im musikalischen Sinne soll heißen, dass hier stehen sll, was mich in diesem Jahr musikalisch so alles bewegt hat. Und das war eine ganze Menge.

Zum einen steht da die “Kategorie” persönliche Neuentdeckungen des Jahres: Für mich neu war in diesem Jahr die Entdeckung von Muse. Eine Band, die schon seit Ende der 90er Jahre fantastische Musik macht, und die es trotzdem bis zu diesem Jahr geschafft hat, mir nicht aufzufallen. Und das, obwohl ich Muse als Vorband von Bush bewundern durfte, als das erste Album von Muse gerade rausgekommen war. Solch eine Spätentdeckung hat aber auch den enormen Vorteil, dass man innerhalb kürzester Zeit dazu kommt, vier Studioalben und eine B-Side Compilation zu teilweise unverschämt günstige Preisen zu erstehen und wochenlang im Grunde nur einer Band zu lauschen.
Ebenfalls neu für mich waren die Arctic Monkeys. Britischer Pop-Punk oder so ähnlich könnte man das labeln, was den Kindern aus England da so eingefallen ist. Erfreulicherweise habe ich nichts von irgendeinem Hype um die Band mitbekommen und konnte so völlig unvoreingenommen lauschen und begeistert sein. Ich bin gespannt was diese Band in Zukunft noch so vom Stapel lässt. Für das nächste Album bin ich in jedem Fall ein sicherer Käufer.
Eine wirklich grandiose Neuentdeckung hat mich dann in der zweiten Jahreshälfte, oder eigentlich eher im letzten Jahresdrittel gepackt: Portugal. The Man. Die Band aus Alaska mit dem etwas merkwürdigen, aber absolut coolen Bandnamen stehen für einen so genialen und eigenwilligen Sound, dass es mich schier vom Hocker gerissen hat. Das in diesem Jahr erschienene Album Church Mouth ist so wundervoll vielschichtig und doch so einprägsam, dass ich unglaublich viel Zeit mit der Musik verbacht habe. Auch der Vorgänger aus 2006 ist nicht weniger grandios; und das Portugal. The Man ein gigantisches Konzert abgeliefert haben, habe ich ja in diesem Blog berichtet. Die nächste Eintrittskarte ist auch schon gekauft.

Auch einige Neuerscheinungen haben diese Jahr wieder den Weg in meine bescheidene, aber stetig wachsende, Sammlung gefunden. Da ware unter anderem Travis, Foo Fighters, Arctic Monkeys und die Queens of the Stone Age am Start. Letztere mit dem vielleicht genialsten Album ihrer Karriere. Nicht vergessen werden darf aber auch Radiohead, bei deren Album leider mehr die Art des Releases als die eigentliche Musik im Vordergrund stand, und das völlig zu Unrecht, denn In Rainbows ist ein wirklich hochspannendes Album und darf in keiner alternative Musiksammlung fehlen.

Den bleibenden Eindruck des besten Konzert des Jahres kann ich nicht guten Gewissens an eine einzelne Band vergeben, deshalb teilen sich Portugal. The Man und Travis den hoch begehrten und mit Nichts dotierten Titel. Beide Konzerte waren eine reine Freude und haben mir mal wieder gezeigt, dass Bands viel mehr live spielen und nicht zu viel Zeit in MTV investieren sollten. Ein live-Publikum ist nämlich wirklich dankbar, und lädt nicht gleich alles aus dem Internet runter, ohne dafür zu blechen.

So, das solls dann auch gewesen sein. Wer gehofft hatte, ich verkünde hier einen Verlierer des Jahres, der hat sich getäuscht. Ich bin zu nett für so was. Im Zweifelsfall passt in diese Kategorie aber wohl immer Britney Spears.

Einen Guten Rutsch also ins neue Jahr 2008. Klingt eh viel besser.

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News & Rumors | Portugal. The Man wieder im Land

Das nenn ich mal ‘ne gute Nachricht. Portugal. The Man drehen nochmal eine Runde durch deutsche Lande. Hier gibts den Veranstaltungskalender via la last.fm. Angesichts des gnadenlos guten (wenn auch sehr lauten) Konzerts in Wiesbaden, denke ich ernsthaft darüber nach nochmal vorbeizuschauen. Wer die Band bisher verpasst hat, bekommt DIE Chance, doch noch in den Konzertgenuss zu kommen. Also, hingehen.

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Seen Live | Portugal. The Man – Schlachthof Wiesbaden/09 Sep 2007

Die gehen ab wie Schmitz' Kätzchen

Wow, was ein abend. Lange schon hatte ich mich auf das Konzert der Band aus Alaska/Oregon gefreut. Ich gestehe, ich hatte meine Zweifel, ob sie die wundervolle Komplexität der Songs aus ihrem Album Church Mouth auf die Bühne bringen könnten. Aber ich wurde positiv überrascht. Aber der Reihe nach:

Vorband war die Gruppe Saboteur (schrecklicher Name – aber eine Umbenennung steht bevor) aus Hamburg. Die vier Jungs spielten sehr guten Indie Rock mit einem Hauch von Britpop-Einflüssen. Besonders positiv fiel mir dabei der Sänger/Bassist auf. Dessen Stimme war einfach unglaublich gut. Die Songs waren überwiegend schnell eingängig – ohne jedoch dabei flach zu wirken. Ich denke von diesen Jungs wird man in den kommenden Jahren noch mehr zu hören bekommen. Momentan gibts aber leider nichts zu hören, denn auf dem MySpace-Profil der Band liegen derzeit keine Songs. Schade.

Danach stürmten dann Portugal. The Man die Bühne. Eine solche Bühnenpräsenz hab ich bisher nur selten erlebt. Vom ersten Takt an waren die fünf Musiker voll da und zeigten neben grandiosen Songs und Gesangslinien auch, dass sie mit sehr viel Spaß auf der Bühne stehen. Dass das Publikum sie dabei auch gut sehen kann steht aber offensichtlich nicht so sehr im Vordergrund. Sänger John Gourley (siehe Bild im karierten Hemd) stand das gesamte Konzert über seitlich auf der Bühne und hatte seine nicht ganz so hübsche Kappe tief ins Gesicht gezogen. Was zunächst sehr schrullig wirkte wurde im Laufe des Konzerts im Grunde sehr sympathisch. Auch die anderen Bandmitglieder stellten sich gerade zu Beginn des Konzertes lieber mit dem Rücken zum Publikum.

Dem Spaß tat das jedoch in keinster Weise Abbruch. Im Gegenteil. Die Musik rückte in den Vordergrund, und die musikalische Darbietung war erste Sahne. Gespielt wurden überwiegend Songs aus dem aktuellen Album Church Mouth, aber auch das Vorgängeralbum Waiter: “You Vultures!” war ausreichend vertreten. Zwischendurch durfte es dann auch mal ein, zugegeben sehr experimetelles, Beatles-Cover zu Helter Skelter sein. Insgesamt brachten Portugal. The Man es auf etwas mehr als 105 Minuten Bühnenprogramm plus ein Song Zugabe.

Alles in allem war das eines der besten Konzerte die ich je besucht habe. Wer noch Gelegenheit hat, sich die Band anzuschauen, sollte nicht zögern. Für knapp 15 Euro bekommt ihr einen genialen Konzertabend garantiert (und einen Tinnitus gibts gratis dazu 😉 ).

genial, grandios, spaßig und laut

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Recently Released | Portugal. The Man – Church Mouth

Portugal. The Man - Church MouthZugegeben, für “Recently Released” ist es im Falle von Portugal. The Man vielleicht schon etwas zu spät. Immerhin erschien das zweite Album der Band bereits am 20. Juli. Da ich die Band aber bislang nicht kannte, kann ich nichts für meine Verspätung. Basta.

Aufmerksam wurde ich auf Portugal. The Man durch den Alternative Music Blog. So stieß ich auf die Hörproben zum neuen Album Church Mouth auf deren MySpace-Auftritt. Es fiel mir von Anfang an sehr schwer, nicht zu mögen was ich hörte. Seit gestern bin ich nun stolzer Besitzer des Albums in der Doppel-CD Ausführung, die neben dem Album Church Mouth auch noch die EP It’s Complicated Being A Wizard vom Februar dieses Jahres enthält.

Wie sich dem allwissenden Internet entnehmen lässt, hatten Portugal. The Man mit ihrem Debutalbum Waiter: “You Vultures!” bereits einen absoluten Überraschungserfolg. Ich muss gestehen, dass dieser an mir spurlos vorüber gegangen war. Insofern kann ich hier keine Vergleiche zwischen den beiden Alben anstellen. Was ich allerdings sagen kann ist, dass Church Mouth eines der interessantesten Alben ist, das ich seit langem gehört habe.

Der Sound schwebt irgendwie in einer neuen Dimension zwischen Led Zeppelin und Queens of the Stone Age. Dabei sind Portugal. The Man insgesamt erstaunlich eigentändig in ihrem Stil. Wirklich vergleichbare Bands kenne ich bislang nicht. Die Arrangements sind irgendwie abgehoben und kompliziert. Alles erinnert sehr stark an die Zeit des experimentellen Rocks von Led Zep, Deep Purple, The Who und Konsorten und dennoch klingt alles sehr modern und zeitgemäß. Zusamengehalten werden die progressiven Elemente dann von der alles bestimmenden Melodie. Und genau da liegt die absolute Stärke der Band, die es schafft bei allerFreude am experimentieren nicht das Ziel aus dem Auge zu verlieren, einen hörbaren Song abzuliefern.

Portugal. The Man sind bislang meine persönliche Neuentdeckung des Jahres. Insbesondere die Tatsache, dass die Band sich von allen Konventionen frei gemacht zu haben scheint und einfach ihr eigenes Ding durchzieht, begeistert. Church Mouth beinhaltet eine erstaunliche Breite an Klangwelten und liefert bei allen experimentellen und progressiven Ansätzen ausschlielich gut hörbare Songs, frei von einem elitären Anspruch wie er bei den meisten Prog-Rock Bands mitschwingt. Am besten ihr schaut selbst mal auf der MySpace-Seite der Band vorbei und macht euch einen Eindruck. Fünf Songs können dort angehört werden – Mein Tipp ist My Mind.

Ich kann den Kauf nur empfehlen.

Portugal. The Man im Web

Hörproben aus dem Debutalbum Waiter: “You Vultures!”

Stables and Chairs

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Marching with 6

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