Retrozension | Pearl Jam – Vitalogy

Pearl Jam - VitalogyPearl Jam gehören für mich zu den besten Rockbands aller Zeiten. Wer Seattle-Rock liebt kommt an dieser Band nicht vorbei. Neben Nirvana sind sie ohne Zweifel die wichtigste Band aus der Stadt im Staate Washington – und inzwischen die einzig Überlebenden der Grunge-Ära.

Das erste PJ-Album mit dem ich selbst Kontakt hatte war der dritte Longplayer der Band aus Seattle: Vitalogy. Diese musikalische Begegnung ist mittlerweile etwa 12 Jahre her, aber das Album hat bis heute nichts von der Magie eingebüßt, die mich damals gefesselt hatte. Im Vergleich zu seinen Vorgängern Ten und VS. erscheint Vitalogy wesentlich brachialer, direkter, experimenteller – und auch deutlich schwieriger. Eben das machte – und macht noch heute – den Reiz der Songs auf Vitalogy aus.

Wer Vitalogy anspielt wird zunächst von einem – für Pearl Jam typischen – akustischen Wirrwar empfangen. Fast einnert es an ein Orchester das vor einem Konzert die Instrumente stimmt – nur eben halt mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Doch schon die ersten Schlagzeugtakte von Last Exit lassen einen alle Gedanken an Klassik vergessen. In ungewohnter Härte spielen sich Pearl Jam ihren Frust von der Seele, und genau das erreicht den Zuhörer ungefiltert. So viel Emotion auf auf einen Silberling gepresst kann einfach nur dazu führen, dass das Album zur Weltklasse des Alternative Rock gehört. So finden sich einige der kraftvollsten Pearl Jam Songs darauf. Insbesondere Spin The Black Circle, Whipping, Corduroy und Satan’s Bed rocken was das Zeug hält. Mit Songs wie Nothingman, Better Man und dem grandiosen Immortality schaffen Pearl Jam es aber immer wieder Gegenpunkte zu setzen und damit Zeit für Besinnung zu gewähren.
Neu für Pearl Jam sind auch die sehr experimentellen Tracks Pry, To, Aye Davanita und auch Bugs – einem nur von Gitarre und Akkordeon begleiteten Song in dem Eddie Vedder von seiner Last mit Ungeziefer singt. Die Krönung der Experimentierfreude stellt jedoch das mehr als 7-minütige Hey Foxymophandlemama, That’s Me dar. Selbst ein sehr überzeugter Pearl Jam Fan kann diesen akkustischen Erguss wohl kaum als Lied bezeichnen. Aufsehen erregte der Titel jedoch durch einen kleinen Gedankenaustausch über Selbstmord am Ende des “Songs”. Man muss dabei im Gedächtnis behalten, dass Vitalogy im November (Vinyl) bzw. Dezember (CD, Kassette) 1994 erschien. Dem Jahr also, indem Curt Cobain sich das Leben nahm.

Vitalogy ist – und bleibt – für mich eines der besten PJ-Alben. Es markiert einen Umbruch in der Band – den Bruch mit dem “Mainstream-Grunge” und die Zuwendung zum echten, reiferen Alternative Rock. Eine Einstellung die der Band bis heute geblieben ist.

Meine Bewertung:

Rating 5 star

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