Recently Released | Mugison – Ítrekun

Mugison, der geniale Isländer, hat mal wieder ein musikalisches Feuerwerk angezündet, dessen Rauchfahne bis nach Deutschland reicht, auch wenns kaum einer mit bloßem Auge zu erkennen vermag. Ok, ich gestehe, das war jetzt Wortwitz der untersten Eyjafjallajökull-Schublade. Nichtsdestotrotz hat Mugison zwischenzeitlich einen neuen Langspieler veröffentlicht, auch wenn er sich dabei ein wenig darum gedrückt hat tatsächlich neues Material zu schreiben.

Ítrekun ist eine Live-Aufnahme von neun Stücken, die größtenteils aus den drei Studioalben entstammen. Dabei sind drei Dinge hervorzuheben: Ein Cover gibt es nicht. Die Hülle und die durch das Sichtfenster erkennbare CD werden schlichtweg zum Cover umfunktioniert. Stilmittel sind hier ein Roter Stempel und der Aufdruck auf dem Silberling. Auch die Rückseite ist schlicht mit den nötigen Infos über den Künstler und die Songs gestempelt. Das passt hervorragend zur etwas rauheren Musik von Mugison, die selbst auch auf alle unnötige Verzierung verzichtet. Des Weiteren spielt Mugison zwar live mit einer Band, aber offenbar in Abwesenheit jeglichen Publikums. Ferner werden die Songs in der Aufnahme nicht einfach nur wiedergegeben sondern vielmehr neu interpretiert. Das kann kaum merklich sein, wie etwa bei dem sehr schönen Song Poke a Pal (ursprünglich vom Album Lonely Mountain) oder aber auch sehr tiefgreifend, wie etwa bei Jesus is a Good Name to Moan (aus dem genialen Album Mugiboogie), das sich plötzlich im Funk versucht.

Auch zwei (zumindest mir) neue Nummern verstecken sich zwischen altbekanntem, aber neu interpretiertem. I’m Alright ist eine sehr fragil wirkende, sehr ernste und ruhige Nummer, die von leicht angezerrten Gitarrenparts getragen wird. Nur im Refrain erhält der Song mehr Statik und scheint sich ein wenig aufzubäumen.

Rockig hingegen Go Blind, das scheinbar in die Trickkiste von vierzig Jahren Rockgeschichte gegriffen hat um die besten Elemente neu zu kombinieren. Das funktioniert und ist im Gegenteil zu I’m Alright ein wahrlich fröhliches Stück Rockmusik, das auch den früheren Travis gut zu Gesicht gestanden hätte.

Alles in allem ist Ítrekun eine fantastische Meditation von Mugison über Mugison und schon allein deshalb einen Kauf Wert. Kein anderer Künstler versteht es derzeit so treffsicher eigene Musik zu schreiben, zu produzieren, zu vertreiben und sich dabei so erfreulich treu zu bleiben. Die Songs berühren und sind eine Freude für die Ohren; man hat die Gelegenheit die Musik von Mugison aus einem etwas anderen Blickwinkel kennen zu lernen, und das ist eine Gelegenheit, die man ganz sicher nicht verstreichen lassen sollte.

Bezug zu äußerst fairem Preis (trotz schwachem Euro) von 9$ als Download+CD über www.mugison.com und anders als bei Jack Johnson werden hier nicht noch 30$ als Versand fällig.

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Seen Live | Mugison – Hafenklang/Hamburg – 08/12/2008

Was war das für eine Aktion: über 600 km Anreise um einen Künstler bewundern zu können, den momentan leider immer noch kaum Jemand überhaupt kennt. Dabei hätte Mugison es längst verdient auch hierzulande vor mehr als 50 Leuten aufzuspielen.

Aber mal der Reihe nach; im Dienste des Popkillers machte ich mich am Wochenende auf die Weite Reise in die Hansestadt Hamburg, um einen sehr denkwürdigen Abend im ebenfalls sehr denkwürdigen Hafenklang zu erleben.

Die Eröffnung des Abend besorgte Peter Broderick, ein Musiker aus Dänemark, der versuchte alleine das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Nun, die Wahrheit ist leider, dass es beim Versuch blieb. Um Klangdichte zu erzielen bediente sich Herr Broderick immer und immer wieder live eingespielter Samples. Das mag mal ganz nett sein, aber nur so zu musizieren wird schnell eintönig. Darüber hinaus konnten die Kompositionen auch an sich nicht überzeugen. Nach dem Konzert erzählte er überdies noch munter beim CD-Verkauf, dass das aktuelle Album in nur einer Woche geschrieben worden war und sogar in nur einer Stunde aufgenommen war. Hingabe und ernsthaftes Arbeiten an Songs sieht meiner Meinung nach anders aus.

Nach der enttäuschenden Eröffnung betrat dann Mugison mit seinen zwei Mitstreitern die Bühne. Mit (Akustik-)Gitarre, Bass und Schlagzeug bewaffnet brauchte es dann auch keinen ganzen Song, um endlich Stimmung aufkommen zu lassen. Dabei war der Sound aufgrund der sehr rudimentären Besetzung wesentlich roher als auf dem aktuellen Album Mugiboogie. Die Songs dieses Longplayers stellten auch den wesentlichen Teil des Abend, aber auch Stücke der beiden Vorgängeralben wurden wiedergegeben.

Alles in allem überzeugte Mugison so auf mehr als nur eine Weise. Musikalisch war der Auftritt topp, aber auch unglaublich unterhaltsam. Der Schlagzeuger war dermaßen aktiv, dass man mehr als einmal einfach nur über so viel Charme lachen musste. Mugison zeigte in seinen Ansagen eine ordentliche Portion Selbstironie und einen feinen Sinn für Humor, so war der Abend auch schon deshalb ein echter Knaller. Was mich aber mit am meisten berührte, war die unglaubliche Stimmgewalt des sympathsichen Isländers. Mehr als einmal fühlte ich mich an Kurt Cobain erinnert, aber auch immer mal wieder an die Intensität eines Jimmi Hendrix.

Ich bin wirklich froh, dass ich in diesem Jahr noch die Gelegenheit hatte, Mugison mal live zu sehen. Schade, dass der Mann, der in den USA schon für die Queens of the Stone Age supporten durfte hier nur in so kleinem Rahmen auftreten kann, andererseits aber auch schön so hautnah dran sein zu können. Für mich ist Mugison einer der kreativsten Köpfe, die die Alternative Rock Szene derzeit aufbringen kann.

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