Retrozension | Mike Watt – Ball-Hog or Tugboat?

Mike Watt - Ball-Hog or Tugboat?Mike Watt nicht zu kennen ist zunächst einmal eher keine Schande. Ich selbst bin erst durch einen Freund auf den Bassisten aufmerksam geworden, als eben das Album Ball-Hog or Tugboat? auf einer Party lief. Wenn man sich aber dann mal per Wikipedia auf die Suche begibt stellt man schnell fest, dass der Kerl zu der Sorte Musiker gehört, die zwar kaum jemand kennt, die aber wiederum von vielen Größen insbesondere des Alternative Rock als Einfluss genannt werden.

Um hier mal kurz in die Biographie des Herrn Watt einzusteigen: Zunächst Bassist bei The Minuteman, einer Punkrock Band, die 1985 mit dem Tod des Sängers einen tragisches Ende fand, danach ein kurzes Intermezzo mit Sonic Youth und die Gründung von fIREHOSE, einer alternativerock Band, die bis 1993 musikalisch produktiv war. Im Anschluss startete Mike Watt seine Solokarriere, die mit  Ball-Hog or Tugboat? eröffnet wurde, welches 1994 aufgenommen und 1995 veröffentlicht wurde. Nach dem Debutalbum sollte noch ein weiteres Soloalbum folgen. Mittlerweile zupft Mike Watt für Iggy Pop and the Stooges die dicken Seiten, zwischendurch wieder Zeit für ein Soloprojekt und, und, und …

Man sieht schon, hier ist ein fleißiger Mensch am Werk, der sich zwar nie im Mainstream bewegt hat, aber dennoch so viele Spuren hinterlassen konnte, dass insbesondere Musikgrößen aus Seattle in ihm einen zentralen Einfluss sehen. Das schöne daran ist dann wiederum, dass sich einige dieser Musiker auf Watts Soloalbum Instrumente und Mikrofon in die Hand geben. Sozusagen eine kleine Superband mit permanent wechselnder Besetzung. Die Liste ist dabei so lang, dass ich hier gar nicht komplett darauf eingehen kann. Ich verweise aber ungeniert auf den entsprechenden Artikel in der englischen Wikipedia.

Der Opener Big Train eröffnet das Album recht eindrucksvoll mit einem schön basslastigen Song und wunderbarem Gitarrengejaule im Hintergrund. Hier wird schamlos gerockt und die Spielfreude lässt sich dabei klar heraushören. Ein toller Einstieg. Against the 70ies glänzt dann insbesondere mit Eddie Vedder am Mikrofon und Dave Grohl an den Drums. Auch hier wieder ein klar bassdominierter Sound. Die Gitarren dürfen sich ein wenig zurückhalten, was dem Gesamtsound einen schönen eigenständigen Touch verleiht. Spannend ist auch das Ende des Songs, am besten ihr hört euch das mal selbst irgendwann an.

Drove up from Pedro zeigt die etwas ruhigere Seite des Albums. Auch hier wieder schön bassbetont und irgendwie ganz minimlistisch wird hier ein Song gesponnen, der mir persönlich sehr gut gefällt. Auch Piss-Bottle Man sollte nicht unerwähnt bleiben, hier gehts wieder etwas rockiger zur Sache. Der Song hatte damals zusammen mit Against the 70ies einiges an Airtime auf College- und Alternative-Radiostationen erzielt. Der große Durchbruch blieb aber dennoch aus.

So geht es weiter mit dem Album. Immer im Spannungsfeld zwischen ruhigeren Songs und rockigeren Nummern, immer schön bassbetont – schließlich ist Mike Watt ja auch Bassist – und immer einen Hauch von Experimentierfreude in der Luft schafft das Album es, mich wirklich zu begeistern. Besonders erwähnenswert erscheinen mir hierbei noch die Titel Tuff Gnarl, Sexual Military Dynamics, Max and Wells (welches mich ganz ungemein an die Fun lovin’ Criminals erinnert), E-Ticket Ride, das sehr schräge Song for Igor und natürlich das jazzig elegante Sidemouse Advice.

Alles in allem bietet Ball-Hog or Tugboat? mit 17 Titeln und einer Spielzeit von über einer Stunde jede Menge musikalische Leckerbissen für Freunde der etwas experimentierfreudigen Spielart des Alternative Rocks. Eine Bereicherung für eine entsprechende Musiksammlung ist das Album allemal und wer es noch nicht kennt, der sollte mal über einen Kauf nachdenken. Echt jetzt!

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