Retrozension | King’s X – Dogman

King's X - DogmanDie heutige Retrozension widmet sich einer Band, die vermutlich vielen gar nicht bekannt ist. King’s X heißt das Dreiergespann aus Houston, Texas das mir zuallererst mit dem Album Dogman über den Weg lief. Das Album stammt aus dem Jahr 1994 und ist zu diesem Zeitpunkt bereits das fünfte Album der Band. Die Musik lässt sich im Grunde nur schwer schubladisieren. Gespielt wird wirklich guter Rock mit alternative-grunge Einschlag, Funk-Einflüssen, Gospel und Blues-Charme aber eben auch mit Classic Rock und Metal Präzision.

Der Opener Dogman rockt wie der Teufel und sogleich bemerkt man, dass King’s X wie nur wenige andere Bands einen ganz eigenen Sound entwickelt haben. Hervorstechenstes Merkmal ist dabei wohl der verzerrte Bass-Sound und die Tatsache, das dem Bass insgesamt eine ungewohnt zentrale Rolle zukommt. Bassist ist in diesem Fall übrigens der Sänger und Frontmann Doug Pinnick. Der überzeugt neben seinen Bass-Fähigkeiten auch durch eine wunderbar ausgewogene Gesangsstimme.

Shoes steigt mit mehrstimmigem Gesang hinterher und zeigt deutlich die Songwriting Qualitäten der Band. Hier geht es etwas gelassener zu als noch beim Opener. Der Song weiß in jedem Fall zu überzeugen. Auch das darauffolgende Pretend ist klanglich sehr ausgewogen und zeigt insbesondere in der Melodie seine Stärken. Was auffällt, ist die unglaublich klare Produktion der Songs. Flies and Black Skies klingt dahingegen fast schon gospelhaft, etwas bedrückter und wartet dabei sogar mit Background-Gesang auf. Besonders schön ist auch das Gitarrenspiel von Ty Tabor, der hier ganz besonders viel Raum für seine Solofähigkeiten bekommt, sich ansonsten aber auch zurückzuhalten weiß.

Black the Sky springt dann wieder zurück auf die rockigere Schiene der Band und kommt mit einer sehr funkigen Grundlinie daher. Dazu die wirklich grandios entspannte und doch spannende Stimme von Doug Pinnick. Der Refrain ganz klar und eindeutig im Grunge-Stil mit ein wenig klanglichen Anleihen bei Alice in Chains. Wirklich klasse. Im Solopart scheinen dann die Chili Peppers zugegen zu sein. Die Mischung ist dennoch einzigartig und man hat nie das Gefühl, dass hier lediglich abgekupfert wurde. Fool You bleibt im eher gospeligen-poppigen Bereich zumindets im Strophenteil. Der Refrain rockt auch hier enorm und dicht. Hier kann auch der Gesang wieder voll überzeugen.

Don’t Care rockt dann wieder eindeutiger als die Vorgängersongs. Fällt dafür im Refrain auf die Gospelelemente zurück. Ich muss aber dazusagen, dass es nicht klingt wie Sister Act, also keine Berührungsängste bitte! Mit Sunshine Rain folgt dann einer meiner früher Favoriten aus dem Album. Vom Arrangement her fast ein bißchen zu aufgeräumt, aber mit einer unglaublichen Dynamik und klanglichen Spannweite versehen, dass es einen einfach berühren muss. Auch wenn die Mehrstimmigkeit gelegentlich ein bißchen an die Münchner Freiheit erinnert.

Complain gehört dann wieder in die Kategorie “grundehrliche Rocknummer”. Zum Entfrusten absolut geeigent. Auch Human Behaviour reiht sich in diese Kategorie ein und verführt auf Konzerten ganz ungemein zum Mitgrölen. Kopfschütteln nicht ausgeschlossen. Cigarettes ist dann wieder ein ganz klares Highlight des Albums. Ungewöhnlich bedrückt aber auch ehrlich spielt die Band in diesem Song ihre stärken aus und schafft dabei ein balladeskes Element auf dem Album, dass mehr ist als nur ein willkommener Ruhepol. Um zum Konzertbild zurück zu kehren: Feuerzeuge raus, mitwippen und dazu mitsingen soweit die Stimme trägt, was bei dem gewaltigen Stimmumfang von Pinnick zugegeben nicht ganz einfach ist.

Go to Hell kann man kaum als mehr bezeichnen als als eine Prelude zu dem darauffolgenden Pillow, andererseits besteht da aber auch kein wirklicher Zusammenhang. Deshalb gleich weiter zum quasi letzten Stück des Albums. Auch hier geht es eher wieder etwas ruhiger zu. Die Stimmung von Cigarettes wird teilweise aufgegriffen und darau ein klassischer Rausschmeisser gestrickt, der an der einen oder anderen Ecke überrascht, ansonsten aber wunderbar vertraut klingt. Pillow ist deshalb nur quasi letzter Song, weil die Band sozusagen als Bonus noch eine wirklich spaßige live  Coverversion von Jimmi HendrixManic Depression hinterherschiebt. Hatte sich Jimmi Hendrix in seiner Interpretation doch ganz klar eher dem depressiven Teil einer manischen Depression gewidmet, zeigen King’s X uns ganz klar die Bedeutung von Manie. Man merkt auch nebenbei das unglaubliche Livepotenzial der Band, die ich im übrigen häufiger live gesheen habe als jede andere Band aus meiner Musiksammlung. Ich kann nur sagen jeder Besuch hat sich gelohnt. Falls ihr die Gelegenheit haben solltet, geht hin.

Im Fazit zeichnet sich im Grunde ganz klar eine Topwertung ab. King’s X gehört wohl zu den am meisten verkannten Talenten der Rockszene, was einerseits sehr traurig ist, andererseits aber auch den gewaltigen Vorteil hat, dass man sie an den besseren weil kleineren Locations live zu sehen bekommt. Solltet ihr Dogman nicht kennen, dann hört mal rein und gebt der Band eine Chance. Ihr werdet es höchstwahrscheinlich nicht bereuen.


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