Retrozension | Jamiroquai – Synkronized

Wieder einmal eine dieser Scheiben, die eigentlich gar nicht in meine Musiksammlung zu passen scheinen. Synkronized von Jamiroquai dürfte einer der ersten wirklich krassen Brüche in meinem sonst fast ausschließlich auf Alternative-Rock bzw. artverwandte Stile ausgerichteten CD-Bibliothek. Besonders erstaunlich ist, dass dieser scheinbare Ausrutscher bereits im Jahr der Veröffentlichung, nämlich vor 10 Jahren passierte. Offenheit bezüglich Pop-Musik war damals sicher keine meiner herrausragenden Eigenschaften.

Das es aber soweit kam, lag an MTV, an Godzilla sowie an exakt zwei Songs: King for a Day sowie Deeper Underground (aus dem Godzilla Soundtrack) liefen damals mehr oder weniger täglich auf MTV und haben es irgendwie geschafft, mich nachhaltig zu begeistern. Es kam also wie es kommen musste, und ich stand irgendwann im CD-Laden und kaufte die CD, nachdem ich erkannte, dass tatsächlich beide Songs darauf zu finden waren.

Dank meiner Tendenz, immer volle Alben zu hören, statt einzelner “Lieblingssongs”, war ich also gefordert mich erstmals mit einer Funk-Platte auseinander zu setzen. Das mir das von Anfang an leicht gefallen wäre, kann ich kaum behaupten. Ich erinnere mich, dass ich mir in den ersten zwei Wochen nach dem Kauf durchaus ein paar Mal überlegt hatte, ob die (ich rate mal) 30 Mark für die zwei guten Songs wirklich gerechtfertigt waren. Schließlich war ich Schüler und musste auf CDs gezielt sparen. Mit der Zeit aber gingen mir die Stücke dann doch ziemlich gut ins Ohr, und das ist bis heute so geblieben.

Stilistisch rangiert die Platte im Pop mit sehr starken Einflüssen aus Funk und Disco sowie klanglich mehr als einer Anleihe aus Jazz (schließlich kommt da ja der Funk her) und Blues. Rock gibt es im Prinzip nur beim Kinofilm-Track, der dem Album eigentlich nur als Bonus angehängt wurde. Der Zauber des Albums geht zentral von genau zwei Elementen aus: Die Stimme von Jay Kay, die glasklar aber doch mit dem gewissen Etwas durch die Songs führt, sowie die fantastisch funkige Rythmussektion aus Bass und Schlagzeug, untermalt durch eine sehr unterordnungsfreudige Gitarre. Produktionstechnisch ist das Album einfach perfekt.

Meine Songfavoriten bleiben insgesamt die zwei bereits benannten, aber weniger wegen der musikalischen Attribute als wegen der Tatsache, dass ich ohne die beiden Tracks meinen musikalischen Horizont deutlich später geöffnet hätte. Ansonsten sind unbedingt Soul Education, Canned Heat und Supersonic zu nennen, die für mein Empfinden besonders mitreißend sind. Insbesondere Soul Education fasziniert mich mit dem treibenden Funk immer wieder. Aber auch die bislang nicht benannten Tracks sind wirklich gut; mir spielt gerade Falling im Ohr, eine verträumte Popnummer mit ruhigen Beat und bestechend schöner Melodie. Man könnte romantisch werden …

Synkronized ist vermutlich nicht das beste Album von Jamiroquai. Da es jedoch für mich der erste wirklich bewusste Kontakt mit dem Mann mit den komischen Hüten war, hat es bei mir nach wie vor eine Sonderstellung. Wenn ich versuche es neutral zu betrachten, steht aber auch dann definitiv fest, dass Synkronized eine ziemlich coole Platte ist. Das Erbe des Head Hunters von Herbie Hancock lebt weiter.


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