You Asked For It | Infight – Discoland

Bisher habe ich die Anfragen von Bands bezüglich Rezensionen meist schlichtweg ignoriert. Als Blogger bekommt man nämlich ziemlich häufig ziemlich unpassend irgendwelche Anfragen etwa: „Sollen wir uns gegenseitig verlinken?“ (15x pro Jahr), „Wir sind eine Band und dachten Du könntest uns mal schnell erwähnen“ (25x pro Jahr), „Ist dein Penis zu klein?“ (56.348x pro Jahr).

Das Problem mit den meisten dieser Anfragen ist aber, dass Sie nicht zielgerichtet sind und damit im Prinzip als Spam durchgehen. Warum bitte sollte ich auf eine Homepage verlinken, die Reisen verkauft (und mir noch nicht mal eine Provision anbietet)? Warum sollte ich über Bands schreiben, deren Musikstil so gar nicht zu dem passt, über das ich sonst so schreibe? Warum sollte ich überhaupt schreiben?

Nur gelegentlich passen diese Anfragen, und dann freue ich mich auch. Ich werde gerne auf neue Musikblogs aufmerksam gemacht, wenn Sie thematisch passen. Ich freue mich auch über aufstrebende Bands, die in den hier besprochenen Genres zuhause sind und um Rezensionierung bitten. Dazu muss dann aber auch was geboten werden, sprich: Songs müssen her und zwar offline-abspielbare. Was nicht auf den iPod passt wird nicht bemustert. Ich weiß nicht wie es andere machen, aber ich höre Musik auf dem Weg zur Arbeit und zurück. Natürlich läuft Musik auch zuhause, aber da will ich nicht jeden Song einzeln starten müssen, da läuft die Musik ebenfalls über die üblichen Mediaplayer bzw. den CD-Spieler. Wer also ernsthaft will, dass Blogger sich die Zeit nehmen sich mit der Musik von aufstrebenden Bands zu beschäftigen, der sollte eben zur Bemusterung das Album, die EP zur Verfügung stellen. Als Download, als „Real-Life“-CD oder meinetwegen auch als Musikkassette (gibt’s die noch?). Was das betrifft, haben Infight im Grunde alles richtig gemacht. Zumindest hat es für mich den Anschein: Stilistisch passt es zum Blog, es wird ein Download zur Verfügung gestellt und eine höflich formulierte Anfrage wird auch gleich mitgeliefert. Bingo!

Daher habe ich die Ehre, die erste Retrozension.de-Rezension über eine Band zu verfassen, die ich überhaupt noch nicht kenne. Mit dem Resultat müsst ihr, liebe Band, leben; You Asked For It! Ihr wolltet es so! Und ich habe eine neue Kategorie auf meinem Blog.

Infight haben also eine EP rausgebracht und wollen, dass die Welt Bescheid weiß. Könnt ihr haben: Infight kommen aus dem schönen Freiburg uund machen Punk und leben Punk mit allen eingebauten Peinlichkeiten; schräge Künstlernamen, schrilles Konzept und tendenziell eher flachen Texten mit Message.

Das funktioniert bedingt auf den fünf Songs der EP Discoland. Ist der Song No Fitting noch einigermaßen gelungen, nervt das über fünfminütige Shoot Shoot Shoot schon extrem dank ständig wiederholtem Refrain. Öde! Sorry, liebe Band.

Besser ist da schon wieder Hitclip. Es zeigt sich, dass die Band musikalisch durchaus gute Einfälle zu bieten hat. Die Gesangslinie und Performance gehören aber eindeutig nicht zu  den Stärken der Band. Dafür gefallen mir die immer wieder eingestreute Synthiepassagen ganz gut.

Die Dominieren auch den Beginn von Song Nummer vier Beatboy Batman. Guter Anfang, durchaus ordentliches Potenzial, dass mit Einsetzen der Singstimme leider wieder verspielt wird. Begeisterung kommt keine auf, da die Melodien uninspiriert sind und die Umsetzung gesanglich leider auch nicht mit der Instrumentalebene des Songs mithalten kann. Selbiges gilt auch für die letzte Nummer der EP, wobei Sidewards insgesamt noch das Highlight der kleinen Sammlung bildet.

Infight ist mit der EP Discoland mit Sicherheit kein großer Wurf gelungen, ich kann mir aber gut vorstellen, dass Live-Abende mit der Band eine Menge Spaß bringen können, denn die Musik an sich hat Tempo, gute Einfälle und griffige Beats. Gesangliche Unpässlichkeiten lassen sich live auch eher verzeihen und so tendiere ich dazu, Infight eher als Live-Party-Band, denn als gutem Studioact einzuordnen.

Bildet euch selbst eine Meinung, auf www.in-fight.com gibt’s die EP zum kostenfreien Bezug für Jedermann.

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