Seen Live | Herbert Grönemeyer – Zwölf Tour / Stuttgart / 31. Mai 2007

Grönemeyer - ZwölfZwischen all den Bands, die sich so in meiner CD-Sammlung befinden, sticht Herbert Grönemeyer ziemlich deutlich hervor. Er singt deutsch, er ist ein Interpret, der nicht als Band berühmt geworden ist, meine Mutter findet ihn (zumindest überwiegend) gut, hatte ich schon erwähnt, dass er deutsch singt…?

Dennoch hab ich Geschmack an der Musik von “Herr Bert” gefunden. Seit seinem Comeback-Erfolg mit Mensch, der ja eigentlich kein wirkliches Comeback darstellte hat seine Musik wieder etwas frisches, kraftstrotzendes. Und deshalb war ich bereits auf der Mensch-Tour gewesen. Damals auch in Stuttgart zum Abschlusskonzert der Tour. Inzwischen hat Grönemeyer ein neues Album fabriziert, dass sich Zwölf nennt und – ohne dass ich hier eine eventuelle Rezension vorwegnehmen möchte – mich bisher nicht wirklich überzeugen konnte. Das liegt hauptsächlich daran, dass der gute Herbert auf dem gesamten Album irgendwie verschnupft klingt, aber auch daran, dass es keine so druckvollen Stücke liefert wie das noch bei Mensch der Fall war.

Dennoch war ich letzte Woche Donnerstag voller Vorfreude auf dem Weg ins Gottlieb-Daimler Stadion um Grönemeyer auf seiner Zwölf-Tour zu sehen. Nach unzähligen, nicht enden wollenden Staus und einem kleinen Sprint von den Cannstatter Wasen zum Stadion, hatten wir zwar den Anfang des Konzertes, aber nicht wirklich vel verpasst. Die Stimmung im Publikum war anfangs noch leicht unterkühlt und in der ersten halben Stunde wollte der Funke nicht so recht überspringen. Animationsversuche seitens Hernn Grönemeyer schlugen fehl, da das Publikum nicht textsicher war und die Songs noch zu neu.

Das änderte sich dann aber doch recht schnell. Die ersten älteren Hits wurden gespielt und damit bekam das Publikum endlich die Gelegenheit lauthals mitzusingen und das Konzert zu geniessen. Die Performance der Band als auch von Grönemeyer war überwiegend perfekt. Hier und da ein paar kleine Schnitzer machten das Ganze dann sogar noch sympathischer als es der Herr Grönemeyer sowieso schon ist.

Grandios war auch der Bühnenaufbau, der von einer, den ganzen Rückraum abdeckenden Leinwand beherrscht wurde. Auf dieser wurden dann entweder Live-Bilder von der Bühne gezeigt oder nette Kurzfilmchen abgespielt, die für die jeweiligen Songs produziert wurden. So blieb auch für den armen Zuschauer auf den weit entfernten Sitzplätzen im Tribünenbereich (ich spreche von mir) noch ein gigantisches Konzerterlebnis, dass sich mit zunehemder Dunkelheit naturgemäß steigerte.

Zur Höchstform liefen Herbert und seine “Combo” im Zugabenblock auf. Ganze drei Mal liesen diese sich zurück auf die Bühne bitten, ehe die Lichter endgültig wieder angingen. Ein schöner Moment war hier die Interpretation des Liedes “Ich hab dich lieb”, wo Herbert sehr selbstkritisch über die geringe Qualität des Songtextes lästerte. Gemeint war die Zeile “Bin ich so’n oller Baum” die ihm misfällt, aber die sich nunmal auf “Traum” reimen musste. Solche Anekdoten geben einem dass Gefühl eines intimen Konzertes. Auch wenn um einen herum 40.000 + Leute sitzen. Schön.

Das Gute am Konzert war, dass die neuen Songs von Zwölf live eben die Energie entfalten konnten, die auf der Silberscheibe leider überwiegend fehlt. Mit der Erinnerung an das Konzert gefallen auch die Studioaufnahmen inzwischen deutlich besser. Im Fazit war das Konzert ein Riesen-Erlebnis – auch als Sitzkonzert – und die lange Fahrt nach Stuttgart 100%-ig wert.

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