Retrozension | Garbage – Version 2.0

Garbages erstes Album mit dem etwas einfallslosen Titel Garbage hatte mir damals (1995) ja schon ziemlich gut gefallen. Das komplett in pink gehaltene Album sollte 1998 mit Version 2.0, diesmal komplett orange, seinen Nachfolger bekommen.

Um es schon einmal vorwegzunehmen, ein wenig hatte ich bis dahin schon genug von Garbage. Auf Dauer konnte mich der Vorgänger nicht voll begeistern, zur vier-Sterne Wertung stehe ich auch weiterhin. Aber das Verlangen nach mehr Garbage war bei mir kaum da. Insofern hatte Version 2.0 bei mir auch einen schweren Start.

Die ersten beiden Songs des zweiten Albums gefielen mir dann aber doch auf Anhieb ziemlich gut. Mit Temptation Waits und I Think I’m Paranoid gelang der Band um Butch Vig ein ziemlich guter Einstieg in das neue Album. Umso erschütterter war ich dann aber nach When I Grow Up, einem Song den ich mir heute sehr gut in einer Interpretation von, sagen wir einmal, Avril Lavigne vorstellen könnte. Die kannte man 1998 zum Glück noch nicht, dass der Song jedoch nicht gut ist konnte mir auch damals direkt auffallen. Zu lieb, zu mädchenhaft, zu Pop. Leider scheint auch Medication in etwa gleicher Facon nachzulegen. Hier ist lediglich der Refrain eigentlich ziemlich gut. Die Strophe und Bridge wirken dagegen so gewollt, dass es schon ein wenig weh tut.

Special ist dann trotz sehr strakem Hang zum Pop wieder ein wirklich cooler Song. Jetzt nicht unbedingt zum mitsingen geeignet, aber doch angenehm unterhaltsam. Auch Hammering in my Head kann schon wieder mehr gefallen. So wirklich begeistert hinterlässt mich aber auch dieser Song nicht. Push it überzeugt da schon mehr, ist griffig, hat ein paar wirklich gute Riffs. Dennoch kann die betont unaffektierte Stimme von Frontfrau Shirley Manson gelegentlich schon etwas nerven.

Wirklich gut gefällt mir dann aber The Trick is to keep Breathing. Hier stimmt einfach die Gesamtstimmung, das Arrangement und die Produktion. Wirklich toll. Mit Dumb kommt endlich mal wieder etwas mehr Tempo und Action ins Album. Schade nur, dass das Stück insgesamt nicht wirklich besonders ist. Insbesondere der Refrain passt einfach so gar nicht. Sleep Together legt dann wieder etwas zu, aber der Funke will bei mir immer noch nicht überspringen. Zu gleichförmig, zu uninspiriert für meinen Geschmack. Fehlen noch Wicked Ways und You look so Fine. Nun, es gibt keinen Grund hier künstlich zu versuchen Spannung zu erhalten wo einfach keine ist. DIe Songs sind ok, aber beide klingen ebenso bemüht wie fast alle Songs zuvor.

Hier bleiben einem leider keine Melodien im Ohr weil es einfach viel zu wenige Melodien gibt. Das Album macht vielmehr den Eindruck, die Band hätte die Songs zunächst komplett ohne Sängerin geschrieben und eingespielt. Die wiederum kam dann irgendwann auch mal ins Studio, allerdings ohne viel Lust und Kreativität, weshalb auf Melodien eben einfach mal verzichtet wurde. Insesamt wirklich schade. 1999 hatte ich Gelegenheit die Band auf Rock am Ring live zu sehen und da machte es wirklich Spaß, aber Version 2.0 bleibt meiner Auffassung nach deutlich hinter dem zurück, was ich mir von Garbage erhofft hatte. Zwar gibt es viele Alben die deutlich schlechter sind, aber das man hier keine Begeisterung entwickelt ist dann doch schon schade.


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Retrozension | Garbage – Garbage

Garbage - GUnd wieder einmal bin ich bei meiner CD-Sammlung auf einen Exot gestoßen, wobei das mit dem Exot natürlich nur auf meine Sammlung bezogen ist. Garbage sind aus zwei Gründen Exot in diesem Zusammenhang: Zum einen singt mit Shirley Manson (irgendwie gruselt es mich bei diesem Namen) eine Frau bei Garbage. Zum anderen ist die Musik von Garbage neben den rockigen Elementen immer auch schon sehr elektronisch angelegt gewesen. Für mich im Jahre 1995 war das schon eine Herausforderung, immerhin lehnte ich zu dieser Zeit alles elektronische (abgesehen von E-Gitarren) kategorisch ab.

Das Album Garbage schaffte für mich eine Art Befreiungsschlag. Dadurch, dass ich gefallen an den elektronischen Elementen auf dem Silberling fand, erweiterte ich meinen musikalischen Horizont schrittweise und fand so den Ausweg aus der Grunge-Only-Phase. So gesehen ist das Album ein ganz persönlicher Meilenstein in meiner Musikhistorie.

Eigentlich liegt mir die Enstehungsgeschichte, sowohl der Band als auch des Albums, gar nicht. Von Anfang an als Produkt geplant und umgesetzt fehlen Garbage die sonst üblichen Sympathien meinerseits. Dennoch gibt es auch dort ein paar witzige Anekdoten zu. Als die ersten Songs von Garbage geschrieben wurden, war noch gar nicht klar, wer denn die Stimme von Garbage sein sollte. Bislang waren Garbage “nur” Butch Vig, Duke Erikson und Steve Marker. Die drei entdeckten Shirley Manson dann irgendwann auf MTV, wo das Video ihrer Band Angelfish lief. Sie schrieben also Miss Manson an und baten sie für ein Vorsingen ins Studio zu kommen. Diese hatte jedoch erst Vorbehalte und lästerte mit ihren Bandkollegen von Angelfish, dass da wahrscheinlich nur ein paar alte Knacker ihren Spaß mit ihr haben wollten. Einer ihrer Bandkollegen gab Shirley dann aber doch den richtigen Tipp, mal im Cover von Nirvanas Nevermind den Namen Butch Vig nachzusehen (Google gabs damals offenbar noch nicht). Der Tipp war gut, denn Butch ist der Produzent des Grunge-Klassikers.

Das hört man dem Album aber nicht unbedingt an. Im Gegensatz zu Grunge im Allgemeinen klingen Garbage sehr deutlich nach Studio und Kunstprodukt. Das trifft die Situation zwar auch sehr gut, dennoch versprüht das Album seinen Charme. Das Klangergebnis sind poppig rockige Songs, die so gar nicht nach Depri-Mucke klingen. Irgendwie ist alles ganz leicht und kann einen trotzdem mitreißen. 12 Songs finden sich auf dem Longplayer, darunter die Hits Queer, I’m only happy when it rains, Vow und Milk. Die Spannweite reicht von eher fetzig bis sehr relaxt, von elektronisch bis eher rockig und das Album lässt sich dabei sehr gut in einem Rutsch durchhören.

Bei mir ist das Album in den letzten Jahren allerdings etwas vernachlässigt worden. Im Zuge dieser Retrozension habe ich es aber quasi wiederentdeckt. Für mich auf jeden Fall ein sehr gutes Album und mit Sicherheit kein Müll.

Coole Sache

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