Recently Released | De Staat – Machinery

Meiner mangelnden Schreibdisziplin ist zu verdanken, dass ich De Staats Zweitwerk erst jetzt bespreche. Das hat aber auch den Vorteil, dass ich das Album schon wirklich gut kenne; erschienen bereits Anfang März, lief das Album schon einige zehn Male auf meinem iPod und meiner Anlage.

De Staats Debutalbum kam mir über mein Engagement beim Popkiller in die Hände und ich muss sagen, nur selten vermochte es ein Album, mich so schnell und gleichzeitig so nachhaltig zu begeistern. Nach Wait for Evolution folgt nun mit Machinery also das schwierige zweite Album.

Im ersten Eindruck hatte es Machinery dann auch etwas schwerer. Das liegt hauptsächlich daran, dass De Staat im Sound deutlich eigenständiger wurden. Die starke klangliche Ähnlichkeit zu Queens of the Stone Age ist abgebaut. Dafür erkennt man umso mehr, wieviel eigene Kreativität die Band aus den Niederlanden zu bieten hat.
Die bekannten breiten Gitarrenbretter machen sich mittlerweile etwas rarer. Dafür hat die Rhytmussektion deutlich an Bedeutung gewonnen. Es scheint als wäre die Band zusammengewachsen und hat so gruppendynamisch den kreativen Prozess stärker in den Mittelpunkt rücken können. Dadurch gewinnt das Album als solches ungemein, bei den einzelnen Songs ist es aber ein wenig schwerer, den Zugang zu finden.

Solide Hit-Kandidaten gibt es aber sicher genug: allen voran Sweatshop, die erste Singleauskopplung aus dem Longplayer. Die Nummer ist extrem rhytmusbetont, fast schon R’n’B-lastig im Sinne der Black-Eyed-Peas. Dennoch eine wirklich starke Nummer. Ebenfalls hitverdächtig ist Tumbling Down, eine etwas rockigere Nummer mit sehr eigenwilligem Sound; oder auch Psycho Disco: mitreißender Beat, starkes Songwriting.

Was am Anfang den Einstieg in Machinery erschwert, wirkt mit der Zeit als Spaßverlängerer: In den unzähligen Soundschichten und den teils eher ungewöhnlichen Klängen lässt sich viel Entdecken. Hat man erst einmal die Vielfalt entdeckt, gibt es bezüglich der Begeisterung kein Halten mehr.

De Staat haben erfolgreich geschafft, was gemeinhin als die schwerste Aufgabe im Musikbusiness gilt: Das zweite Album zeigt Veränderung, ohne dass sich die Band untreu geworden wäre oder sich dem Mainstream gebeugt hätte. De Staat definieren klarer als noch auf dem Debut, wo sich der eigene Sound befindet und wo er sich hinbewegen soll. Dabei bleibt insgesamt die hohe Qualität des Vorgängers erhalten. Man kann sich nur wünschen, dass die Band noch lange bestehen bleibt. Weiter so!

 

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Recently Released | De Staat – Wait for Evolution

Es ist schon wieder eine ganze Weile her, dass ich für den Popkiller De Staats Debutalbum Wait for Evolution begutachten durfte. Es kam wie so oft mit einem ganzen Schwung von CDs und mein erster Eindruck vom Digipack führte mich schnell zum Schluss, dass ich hier mal wieder eine von diesen unzähligen und leider fast immer überflüssigen Punkkreationen geschickt bekommen hätte. Das kommt immer wieder vor und ich muss einfach sagen, dass Punk meist dermaßen öde ist, dass ich entsprechend unfreudig die CD anspielte, um es schnell hinter mich zu bringen.

Nun, ich wurde sehr schnell eines besseren belehrt. De Staat sind seit dem ersten Anspielen ein Dauerbrenner auf meinen Ohren. Der iPod bekommt kaum Gelegenheit mehr, etwas anderes abzuspielen, denn der Sound von De Staat hat mich gefesselt und vereinnahmt wie kaum ein anderes Album in der letzten Zeit.

De Staat klingen angenehm verrückt, leicht experimentell, aber nicht im Sinne von seltsamen Klangexperimenten sondern einfach was die Herangehensweise an die Musik betrifft. Die Musik wirkt organisch, natürlich und geradezu bestechend gut gelaunt. Im Genre des Alternativ Rock angesiedelt bringt die Band auf Wait for Evolution dreizehn wunderbare Tracks in Umlauf, die unbedingt gehört gehören.

Anspieltipps zu geben ist eigentlich falsch, denn kein Song fällt hinter den anderen zurück. Das Album wird zwar mit jedem Track besser; das heißt aber nicht, dass die ersten Songs nicht gut wären. Schon der zweite Track mit dem etwas ungelenken Titel The Fantastic Journey of the Underground Man gehört für mich zu den Highlights des Langspielers. Und wo wir schon dabei sind, sollte man Habibi, My blind Baby, Meet the Devil, You’ll be the Leader und den Bonustrack (kein Hidden Track!) Because I’m a Cage Fighter nicht vergessen zu erwähnen.

Kurzum: De Staat gehören momentan zu den besten Bands, die Europa auf dem Markt hat. Erfrischend, neu, spannend, aufregend und vor allem mit viel Spaß dabei. Die ultimative Beschreibung aber muss ich auch in dieser Rezension meinen Niederländischen Kollegen von 3voor12 entleihen:

De Staat klingen alt und neu, verrückt und bekannt, schmutzig und sexy, tot und lebendig zur gleichen Zeit. Es ist so als würden Elvis, Tom Waits und die Queens of the Stone Age gemeinsam Urlaub machen“

Besser kann man es nicht ausdrücken.


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