Recently Released | Admiral Black – Phantasmagoric

Wenn gut gediente irische Musiker aufbrechen, um in der großen weiten Welt nach Erfolg und Ruhm Ausschau zu halten, dann gehen sie natürlich in Richtung Amerika. So weit, so wenig überraschend. Das Shaun Mulrooney, seineszeichens ehemailger Kopf hinter besagter irischen Combo Humanzi, dann aber letztlich im deutschen Berlin Fuß fasst, das ist wohl eher eine etwas ungewöhnlichere Ausprägung in der Welt der Rockmusik. Mich freuts. Mulrooney hat sich in Berlin mit Earl Harvin zusammengetan und ein Soloalbum von sich selbst produziert.

Die Songs sind von Mulrooney, alle Instrumente (außer den Drums) wurden von Mulrooney eingespielt, die Produktion und das Schlagzeug fielen unter die Regie von Harvin. Zusammen ist unter dem Namen Admiral Black dabei ein Album herausgekommen, dass gleich vom ersten Moment an richtig Freude macht.

Such a Nice Man eröffnet stark und druckvoll mit hohem Tempo und viel Gitarrengeschrammel. So liebe ich es. Got love if you want it nimmt etwas Tempo raus, rockt aber nicht weniger. Die Musik ist grundehrlich und ohne viel Geschnörkel überzeugt aber mit wirklich gutem Songwriting und einer goldrichtigen Produktion.

The Worm of the Third Sting weckt dank Akkordeon zunächst Erinnerungen an Nirvanas Unplugged Auftritt, ist dann aber eher eine Nummer die von Neuseelands Goodshirt hätte stammen können. How could I turn you down bedient sich wieder eines anderen Schreibstils, klingt eher amerikanisch mit viel Reverb und Klavierparts, mit schreienden Soloeinwürfen von sehr metallisch klingenden Gitarren. Toll.

Closure könnte hingegen direkt von den White Rabbits stammen. Auch hier wieder Einsatz von Piano, diesmal als rhytmisched Leitinstrument. Der Bass schafft die Melodiegrundlinie, die Gitarre schafft Atmosphäre. Ein absolutes Highlight auf der Platte. Shock Corridors stampft mit einprägendem Rhytmus und Orgelklängen irgendwo zwischen Deep Purple und The Doors voran. Die Gesangsleitsung von Shaun Mulrooney passt sich dem hervorragend an und lässt einmal mehr erahnen, wieviel Talent der Ire so mit sich rumträgt. Eine starke Nummer.

The Fisherman and his Soul nimmt Tempo raus, stützt sich auf Akustikgitarrenuntermalung und könnte anders produziert fast von Garbage stammen. Something Dark ist dann eine echte Zäsur. Quirky, wäre das passenste englische Wort, das mit dazu einfällt. Ein bißchen disharmonisch und experimentierfreudig. Besonders schön wird der Song, wenn er zum Refrain hin plötzlich in 80er Jahre Keyboardsynths aufgeht, nur um kurz darauf eine Bridge zu präsentieren, die von Josh Homme persönlich aufgenommen worden sein könnte. Eine wirklich geniale Kombination aus Soundeinflüssen, die zwar keine Chance hat im deutschen Radio gespielt zu werden, die für mich aber zu den Highlights des Albums zählt.

Crystallized ist hingegen eine fast schon zu poppige Indie-Rocknummer, die irgendwie an die frühen R.E.M. erinnert. Das Album schließt dann mit dem Madman’s Blues, der ruhigsten Nummer des Albums, getragen hauptsächlich von einer hypnotisierenden Basslinie und viel Raum zwischen den Tönen. Der Song schafft es, das sehr spannende und vielseitige Album perfekt abzurunden.

Phantasmagoric ist eine Tour de Force die umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt dass hier das Songwriting eines einzelnen und die Produktion und Aufnahme von nur zwei Musikern bewerkstelligt wurden. Man hört es dem Album schlichtweg an keiner einzigen Stelle an dass hier eben keine ganze Band dahintersteht. Erstklassiges Songwriting und ein hohes Ausmaß an Kreativität machen Phantasmagoric zu einem der spannensten Alben, die ich dieses Jahr zu hören bekommen habe. Für Indieliebhaber eine absolute Empfehlung.

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