Snippets | Museé Mécanique – Hold this Ghost

Museé Mécanique, diesen poetisch klingenden Namen eines Museums am Fisherman’s Wharf hat sich ein Quintett aus Portland, Oregon gegeben. Das damit gleichnamige Museum stellt alte Musikautomaten aus, die Band verschreibt sich computerfreien Soundbasteleien mit einem Touch von Gestern. Sphärisch, entspannt, irgendwo zwischen Zufriedenheit und Melancholie ist diese Musik verortet. Sicher Nichts, um eine Party in Schwung zu bringen – für einen romantischen Abend zu zweit kann es aber genau das Richtige sein.

Museé Méchanique bemühen sich erst gar nicht, viel dynamische Varianz ins Spiel zu bringen. Statt dessen vertiefen Sie sich in der dezenten Schräge ihrer Klanggebilde. Die Songs sind fragil, durchdacht, minmalistisch und verträumt. Der Gesang führt immer gefühlvoll, fast ein wenig entrückt durch diese klanglichen Wunderwelten. Die Instrumentierung ist im Kern klassisch; Gitarre, Bass, Schlagzeug, wird aber immer wieder atmosphärisch ergänzt durch eher ungewöhnliche Instrumente. Da gibt es allerlei Gebimmel, Getute, Geflöte und meinen Favorit, eine Säge, die immer wieder Vintage-UFO-Stimmung verbreiten darf.

Das alles fügt sich extrem leichtfüßig und organisch zusammen, dass es fast scheint als hätten sich die Songs von selbst geschrieben. Immerhin zehn davon wurden auf Hold this Ghost zu einem Longplayer zusammengestellt, der ein wenig wie ein besseres Matt Costa-Album klingt, oder so, als hätten sich Akron/Family dazu durchgerungen auf ihre Verrücktheit zu verzichten und sich dem Folksongwriting zu widmen. Trotz des konsequent niedrig gehaltenen Tempos und der immer verträumt wirkenden Songs macht das Album mit seiner Ideenvielfalt viel her. Die Songs sind zum Genießen, zum Innehalten, zum Wegträumen – zerbrechliche Gebilde die in ihrer Intensität tief bewegen, wenn man sie lässt. Eine tolle Entdeckung!

 

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Recently Released | Red Hot Chili Peppers – I’m with You

Man kann sagen was man will, aber wenn die Chili Peppers ein neues Album aufsetzen, dann ist das nach wie vor ein Pflichtkauf. Aus Prinzip, aus Ehrerbietung und auch weil es sich beim neuesten Werk I’m with You um das nunmehr zehnte Studioalbum der Kalifornier handelt.

Das letzte Album erschien mit Stadium Arcadium bereits vor über fünf Jahren. Seit dem hat sich bei den Chili Peppers einiges wieder zum Alten geändert. Soll heißen: John Frusciante ist mal wieder ausgestiegen. Ersetzt wird er aber nicht durch Dave Navarro sondern durch Josh Klinghoffer, der die Band auch schon vorher auf Tour unterstützte.

Das Album eröffnet dann auch deutlich vom neuen Gitarristen geprägt mit Monarchy of Roses, dem wahrscheinlich rockigsten Stück des Albums. Eine grandiose Eröffnung, die anzeigt dass sich bei den Chilis etwas verändert hat, andererseits aber auch klarstellt, dass der Stil der Band im Wesentlichen bleibt. Nach dem mit Dave Navarro aufgenommenen und weitgehend zu unrecht als Fiasko gewerteten Album One Hot Minute ist das sicher ein wichtiges Signal für Fans der Band. Es geht diesmal auch ohne Frusciante, und zwar ohne dass sich allzuviel ändern muss.

Factory of Faith folgt als nächstes und bringt vor allem viel Funk und reizt damit zum mithopsen. Hier wird insbesondere der Bezug zum Songwriting von Stadium Arcadium wieder hergestellt. Viele Harmonien und Melodieführungen erinnern immer wieder stark an das Vorgängerwerk. Brendan’s Death Song setzt ruhigere Akzente dagegen, baut stärker auf Melodie und erlaubt sich erst gegen Ende einen zarten Anflug von ekstatischerem Rock. Bleibt ansonsten sehr sauber arrangiert und kann dank sehr sauberen Harmonien in der Zweistimmigkeit davon überzeugen, dass Klinghoffer Frusciante auch als Backgroundsänger durchaus ersetzen kann.

Ethiopia funkt dann wieder ganz kräftig und zeigt Flea in Hochform. Eines der absoluten Highlights auf dem Longplayer, trotz komischem “E-I-E-I-O-I-A”-Gesang von Anthony Kiedis. Solange es rockt und so hervorragend funktioniert wie hier, kann ich darüber hinwegsehen. Annie wants a Baby ist dann wieder etwas zurückgenommen, zeigt aber ganz besonders das ausgefeilte Songwriting wie es schon auf Stadium Arcadium zu hören war. Überhaupt scheint die Band viel aus der Inspiration des Vorgängeralbums erhalten zu haben. Trotz der ausgedehnten Pause.

Das Album hangelt sich in genau diesem Spannungsfeld zwischen ruhigem Songwriting und sehr funkigen Songs hin und her. Immer sehr nah an Stadium Arcadium, sehr melodieverliebt, etwas funkiger insgesamt und ziemlich erfrischend. Die Single The Adventures of Rain Dance Maggie ist da gar keine schlechte Wahl, das Album zu repräsentieren. Weitere wirklich starke Songs sind beispielsweise Did I let You know, Even You, Brutus? oder das etwas ruhigere Police Station. Aber auch ansonsten erlauben sich die Red Hot Chili Peppers keinen Schnitzer in den vierzehn Songs, die es auf das Album geschafft haben, das immerhin auf eine Spielzeit von nur knapp unter einer Stunde kommt.

Das Verdikt kann nur entsprechend positiv ausfallen. Die Chili Peppers sind sich auch ohne den als so essentiell angesehenen John Frusciante treu geblieben und machen die Musik, für die sie auch auf den letzten Alben geliebt wurden. Man mag bemängeln, dass es keine wirklich neuen Ideen auf I’m with You gibt. Das stimmt soweit auch, solange aber die alten Ideen noch solch starke Funkrocknummern hervorbringen, kann man sich da nicht ernsthaft beklagen. I’m with You ist das beste, dass im Genre des Funkrocks in den letzten Jahren erschienen ist. Ganz sicher.

 

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