You Asked For It | Bored Man Overboard – Rogue

Das Label Hazelwood hat wieder einmal eine absolut höhrenswerte Veröffentlichung bevorstehen. Bored Man Overboard heißt die Band, die eine Melange aus IndiePop mit leicht folkigen Einflüssen zu ihrem Stil erkoren hat. Ich musste beim ersten Hören spontan an Editors und Interpol denken, was insofern lustig ist, da ich weder die ein noch die andere Band jemals wirklich gehört hätte und sie daher kaum kenne. Dennoch waren das die ersten Namen, die mir beim Sound von Bored Man Overboard in den Sinn kamen.

Fangen wir mal mit ein wenig Band-Trivia an. BMO kommen aus Schweden, genauer genommen aus dem inzwischen nicht mehr ganz so beschaulichen Stockholm. Sieben Köpfe formieren die Gelangweilten Überbordgeher. Laut Bandinfo sind BMO ganz schüchtern und bescheiden. Das ist immer ein guter Anfang.

Der Sound von Bored Man Overboard hat in etwa den selben sperrigen Charme, der einigen R.E.M.-Alben innewohnt. Insbeondere denke ich da an Up, wobei der Stil insgesamt kaum vergleichbar scheint, die Stimmung nach meinem Dafürhalten aber sehr wohl. Die Instrumentierung ist zunächst einmal relativ klassisch gehalten. Ergänzt wird die übliche Gitarren-, Bass-, Schlagzeug-Kombo durch Keyboard/Piano. Die Garnierung kommt dann in Form von Streichern und Bläsern, die zumeist eher der Atmosphäre als der Melodie unterstützend beistehen. Insbesondere in Bezug auf die Streicher ist mir das hin und wieder vielleicht ein bißchen zu dick aufgetragen, das kann aber natürlich auch Geschmackssache sein.

Rogue, so der Titel des Debutalbums von BMO ist ein eher kantiges, dennoch ruhiges und melancholisches Album. Die Melodien schmiegen sich nicht unbedingt sofort ins Ohr, der Gesang ist fast fragmentarisch angelegt. Die relativ dumpf produzierte Instrumentierung lässt eine wunderbar düstere, fast nebelige Atmosphäre entstehen. Ziemlich passend für die dunkle Jahreszeit und durch die gute Produktion macht das auch wirklich Spaß.

Kritisch anzumerken ist, dass die Songs auf Rogue im Wesentlichen alle die selbe Stimmung zu Grunde legen. Auch die Variationen in Punkto Tempo und Songstruktur fallen eher spartanisch aus. Wenn man sich mit einem einzelnen Song nicht anfreuden kann, mag man sehr wahrscheinlich gleich das ganze Album nicht. Das ist insofern gefährlich, da Rogue Zeit braucht, um dem Hörer ins Ohr zu gehen. Mir erschloss sich der Charme erst mit dem dritten Durchlauf so richtig. Seit dem wächst das Album immer mehr. Einen echten Earcatcher kann ich aber dennoch leider nicht entdecken.

Bored Man Overboard liefern mit Rogue ein respektables Erstlingswerk ab, das mit seiner düsteren Atmosphäre und guten Produktion durchaus zu überzeugen weiß. Es fehlt allerdings ein echter Ohrwurm, der einem den Zugang zum etwas sperrigen und schwermütigen Sound der Band erleichtert. Reinhöhren kann aber uneingeschränkt empfohlen werden. Gerade wo es doch inzwischen so früh dunkel wird …

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