Off-Topic | Klima? Welches Klima?

Ich hatte mir ja lange vorgenommen hier nicht off-topic zu gehen und Musik zum einzigen Inhalt des Blogs werden zu lassen. Grundsätzlich bleibt es natürlich auch dabei, aber es brennt mir auf der Seele auch ein anderes, viel diskutiertes Thema anzuschneiden, einfach deshalb weil sich die Medien längst dazu entschlossen haben jeden Zweifel als Ignoranz per se darzustellen. Die Rede ist vom Klimawandel.
In der Welt der Presse, des Fernsehen und des Rundfunks hat sich der unmögliche Begriff des Klimaskeptikers eingebürgert, ein Etikett das falscher nicht sein könnte aber eben auch eines das typisch dafür geworden ist, wie versucht wird die Diskussion über den Klimawandel zu entsachlichen. Klimaskeptiker, das sind die Ewiggestrigen der Ökologie-Diskussion, die Neo-Nazis der Klimadebatte sozusagen. Wer Skeptikern glaubt lässt sich von der Industrie, der Atomlobby, dem Militär oder wahlweise der geheimen Weltregierung an der Nase herumführen und ist natürlich auch strohdoof.

Mitnichten!

Ich bekenne gerne Farbe und ja, per Definition gehöre ich in die Gruppe der Klimaskeptiker. Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass es auf der Welt auch nur einen Wissenschaftler gibt, der die komplexen Zusammenhänge des Klimas mit ihren zahllosen Determinanten auch nur annähernd verstanden hat, um tatsächlich belastbare Langfristprognosen zu erstellen. Bin ich deshalb ein Klimaskeptiker? Laut Medien ja, dabei habe ich nie im Leben bezweifelt, dass es das Klima tatsächlich gibt, sieht man einmal von Überlegungen zu Platons Höhlengleichnis ab. Ich habe keine Skepsis gegenüber dem Klima. Ich bin also kein Klimaskeptiker, und ich bezweifle ernsthaft, dass man auch nur einen Menschen auf diesen Begriff korrekt zuordnen könnte.

Vielleicht wäre also der Begriff Klimawandelskeptiker besser? Nun, ich bin mir zumindest sicher, dass es Klimawandelskeptiker gibt. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ganz im Gegenteil weiß ich sogar, dass Klimawandel der Normalzustand ist, seit sich die Erde eine Atmosphäre zugelegt hat. Mal war es heiß, mal war es kalt. Mal wechselte das Klima schnell, mal eher langsam. Unsere steinzeitlichen Vorfahren kämpften in Europa noch im Meterhohen Dauerschnee gegen Mammuts, die Römer spazierten dann in Sandalen über die selben Landstriche. Wir, als moderne Menschen, betreiben Hamsterkäufe wenn die Wettervorhersage 2cm Schnee ansagt. Man darf also festhalten, dass ein sich langfristig nicht verschiebendes Klima eher die Ausnahme darstellen würde. So gesehen steht für mich fest, dass ich auch kein Klimawandelskeptiker bin.

Nun wird es natürlich schwierig für unsere notleidenden Medien, denn es wird langsam deutlich, dass sich die Sachverhalte so einfach darstellen lassen, wie es für die oberflächliche Berichterstattung unserer Zeit tragbar wäre. Es fehlt ein ehrliches, griffiges Label für all diejenigen Menschen, die der so schön aufgebauten öffentlichen Meinung entgegenstehen. Die letzte Bastion von Zweiflern lässt sich irgendwie nicht so richtig greifen, denn die Diversifizierung von Geisteshaltungen ist dem Klischee-Bildzeitungsleser nicht vermittelbar. Da auch der Spiegel immer stärker das Berichterstattungsniveau in Richtung Bild abrutscht (und das sage ich als Abonnent), bleibt offenbar kein Raum mehr für offene, objektive Artikel ohne Diffamierungstendenzen.

Hier kommen wir langsam auch zum Stein des Anstoßes für diesen Post. Der Spiegel hat in dieser Woche einen Bericht, fast eine Randnotiz, über die dürftigen Erklärungsversuche bezüglich der Emailaffäre in der Englischen Klimaforscherszene. Gestolpert bin ich bei der Lektüre insbesondere über einen Satz, eine Behauptung, sanft im Nebensatz eingepflegt um nicht weiter aufzufallen.

“…Denn die Briten sind verunsichert – ungeachtet der weiterhin klaren Faktenlage zum menschlichen Einfluss auf die Erderwärmung. …”

Vielleicht bin ich ja tatsächlich zu skeptisch, aber von einer klaren Faktenlage bin ich längst nicht überzeugt. Schuld daran sind vor allem die Klimaforscher selbst. Mal ungeachtet dessen, ob mit den Emails nun bewiesen wurde, dass/ob kritische Datensätze mit Hintergedanken zurückgehalten/vernichtet wurden: Wer kann mir schlüssig darlegen in welchem Ausmaß das menschliche Tun den Klimawandel beeinflusst? Ich leugne nicht, dass Treibhausgase das Klima erwärmen, ich leugne nicht, dass Messwerte aus den vergangenen hundert Jahren nahelegen, dass sich das Klima in letzter Zeit erwärmt. Ich bezweifle aber zu einem gewissen Grad, dass diese Messdaten flächendeckend Aussagekräftig sind. Dazu muss man sich einmal überlegen, wo Messdaten in der Regel erhoben werden: Im urbanen Raum und sonstigen Siedlungsgebieten. Da, wo geschlossene Bodenbeläge, steinerne Oberflächen und ein offenbare Mangel an natürlichen Kühlelementen (Bäume, Wasser, etc.) ein ausgeglicheneres Klima schaffen würden. Da Städte und Siedlungen in den letzten Jahrzehnten fast ausnahmslos größer wurden, finde ich es zumindest naheliegend, dass das einen entsprechenden Einfluss auf das Mikroklima und damit die lokalen Messwerte hat.

Weitere Zweifel ergeben sich aus der Tatsache, dass mittlerweile jedes Wetterphänomen der Klimaerwärmung zugeschrieben wird. Neulich war ich beruflich unterwegs zu einem Außentermin. Es hatte gerade frisch geschneit, so mussten wir durch den Schnee stapfen, was ja nicht weiter tragisch ist. Was allerdings aus meiner Sicht tragisch ist, war das Gespräch zwischen zwei Terminteilnehmern, dass ich bei der Gelegenheit aufschnappte.

“Ich habe heute morgen in der Zeitung gelesen, dass der Kalte Winter eine direkte Folge der Klimaerwärmung ist.”

“Ja, das habe ich auch gehört”

Mal ganz im Ernst; kann man sowas tatsächlich glauben? Das der Klimawandel und die globale Erwärmung die Gletscher schmelzen lässt, das bekomme ich noch auf die Reihe. Das die Anzahl von Extremwetterlagen im Sinne von Hurricanes und Tornados aufgrund der Erwärmung zunimmt/zunehmen könnte, gebongt. Vertseh ich. Aber warum die Klimaerwärmung nun unsere erwärmten Winter wieder kälter werden lässt, dass macht nun vorne und hinten überhaupt keinen Sinn. Das schlimme ist aber, dass zwei studierte Menschen diese Information aus der Zeitung einfach so hinnehmen. Selbst darüber nachzudenken scheint unmöglich geworden, man könnte ja am Ende ein Klimaskeptiker sein, ein Verstoßener mit der Lepra des freien Denkens verseucht. So kommt es mir vor.

Ich wurde erzogen und gebildet im Dogma des Zweifelns, des Nachvollziehens, des Ergründens und des überzeugten Verteidigens dessen, was sich letzlich für mich als Wahrheit abzeichnet. Nur so kann Demokratie funktionieren, nur so kann ich in Diskussionen zu spannenden Themen bestehen, nur so kann ich aus überzeugter Brust an Gott glauben oder, wie in meinem Fall, eben nicht. Nur so kann verhindert werden, dass Massen von Menschen dumpfen Ideologien hinterherrennen, andere Menschen zu Unmenschen degradieren und sich zum Entscheider über Leben und Tod zu machen. Gerade als Deutscher muss man wissen, wohin einseitiges Darstellen von Sachverhalten im schlimmsten Fall führen kann. Seien es nun die polemischen Äußerungen eines fremdsprachen-unbegabten Außenministers zur Innenpolitik, die Weltanschauung von Nazis und Rechten insgesamt oder eben einfach nur die Berichterstattung zum Thema Klima. In allen Fällen wird versucht mit dem Mittel des einfachen Labels eine Bevölkerungsgruppe per Definition zu diffamieren, um allen anderen klar zu machen, dass das Denken in eine ähnliche Richtung zum gesellschaftlichen Selbstmord verkommt.

Ich leugne nicht, dass sich das Klima wandelt, ich weiß, dass es für viele Menschen gravierende Folgen haben wird, wobei viele der oft erwähnten Folgen meines Erachtens nicht unbedingt auf den Klimawandel als vielmehr auf einen schrecklich dummen Umgang mit der Natur in anderen Dingen zurückzuführen sind. Es lässt sich auch nicht leugnen, dass viele Gletscher schmelzen, wobei übrigens nicht alle Gletscher davon betroffen sind. Eslässt sich aber bis heute nicht beweisen, wodurch diese Klimaveränderungen angestoßen werden. Es gibt Indizien, allerdings tut sich die Wissenschaft in der Auswertung dieser Indizien immer noch erschreckend schwer, wenn man einmal bedenkt, dass die Medien die Wahrheit schon kennen. In meinem Verständnis von wissenschaftlicher Exaktheit gibt es keinen Raum für vermutete Meeresspiegelanstiege v0n geschätzen 30 cm bis hin zu 14 Metern in den nächsten Hundert Jahren. Schmilzt ein Eisberg, dann kann nur der Teil des Eisbergs den Meeresspiegel erhöhen, der über Wasser liegt. Insofern können nur Eismassen auf Landflächen den Meeresspiegel wirklich nachhaltig erhöhen. Wenn man sich dann mal die Größe von Landmassen mit Eisbedeckung und Ozeanen ansieht, dann fällt es mit zumindest schwer nachzuvollziehen, wo hier mehrere Meter Anstieg herkommen sollen. Wohlgemerkt, das ist meine Meinung, mehr noch mein Gefühl, keine Wissenschaft. Dass unter den wegschmelzenden Gletschern in den Alpen Reste römischer Siedlungen auftauchen, lässt doch zumindest Fragen aufkommen, wie es vor 2000 Jahren so mit dem Gletscherbestand bestellt war.

Nach dem 11. September 2001 führten in den USA Wissenschaftler Studien zur Veränderung der Temperaturen durch, nun da der Himmel frei von Kondensstreifen war. Das überraschende Ergebnis war, dass die Temperaturen höher lagen, als vor dem 11. September. Das sollte doch zumindest zu denken geben, ob die Zusammenhänge nicht doch komplexer sind, als es vielfach dargestellt wird. Warum wird mir also per Pressedekret quasi verboten, über die offenen Fragen zu diskutieren und nachzudenken.

Es gibt die schöne und schlüssige Theorie, dass ein Erwärmen der Atmosphäre zum Abreißen des Golfstroms führen könnte, was wiederum zu einer signifikanten Abkühlung in Europa und der gesamten Nordhalbkugel führen würde. Ist es vielleicht möglich, dass dahinter ein Regulierungsmechanismus steckt, der langfristig das Weltklima relativ stabil hält? Was sind aus Sicht unseres Planeten schon vier Grad mehr oder weniger? Die Welt wird davon schon nicht untergehen, und der Mensch wird lernen, sich anzupassen. Vielleicht ist es ja auch der richtigere Weg, sich auf den Klimawandel frühzeitig einzustellen und die Menschheit entsprechend vorzubereiten. Vielleicht bricht aber ja auch schon morgen ein Vulkan aus, der mit seiner Asche wieder über Jahrzehnte die Atmosphäre verdunkelt und die Temperaturen drückt. Wer weiß dass schon.

Die einzige Gewissheit ist, dass noch nie eine Langzeitprognose von Menschen eingetreten ist, dass uns demnach etwas weniger Panik gut zu Gesicht stünde. Stattdessen könnte man ja einmal Anfangen wieder Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen und die offenen Fragen wissenschaftlich anzugehen. Ganz ohne zurückhalten von Daten, ganz sachlich und ergebnisoffen. In der Zwischenzeit betreiben wir aktiven Umweltschutz, nicht aus Angst vor den Folgen des Klimawandels, sondern einfach weil wir sowieso schon wissen, dass Nachhaltigkeit der richtige Weg im Umgang mit unserem Lebensraum ist. Und da wir in einer globalisierten Welt leben, bleibt uns auch keine Alternative als einen Weltumspannenden Umweltschutz zu betreiben. An allen Fronten, in allen Themenfeldern, mit allem, was uns zur Verfügung steht. Das wäre eine Welt, in der wir alle gut leben könnten, egal ob es zwei Grad wärmer wäre oder nicht.

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Retrozension | Travis – Good Feeling

Travis habe ich ja schon mit zwei Alben retrozensiert, streng chronologisch nach Aufnahme in meine bescheidene Musikkollektion. Entsprechend weiter geht es daher nun mit dem ersten Album der vier sympatischen Schotten.

Good Feeling hieß das Debutalbum und es macht zunächst so ziemlich alles anders als die beiden Nachfolger The Man Who und The Invisible Band. Good Feeling ist fröhlich, sprüht nur so vor positiven Emotionen und Lebensfreude. Von der sehr geefühlvollen Melancholie, die danach die Musik von Travis bestimmte ist auf Good Feeling zu Beginn ziemlich wenig mitzubekommen.

Der Opener All I want to do is Rock markiert in Sachen Tempo und Attitude schon ziemlich gut, wo das Album hin will. Rock! Nicht unbedingt besonders innovativ, nicht einmal besonders einfallsrecih, aber überzeugend, treibend und zum Springen und Mitgrölen gemacht. Da schließt sich nahtlos auch U16 Girls an. Wie gesagt; nicht innovativ, aber es funktioniert mehr als prächtig. Travis geben sich als Party-Band und sprühen nur so vor Glückseligkeit.

The Line is Fine ändert nicht viel in Sachen Gesamteindruck, nimmt nur ein wenig das Tempo raus. Dennoch brettern die Gitarren in Travis-typischem Sound durch den Song. Erst Good Day to Die wirkt etwas ruhiger, obwohl auch hier Gitarren und Schlagzeug durchgehend reiclich Druck machen. Dennoch klingt der Sound hier deutlich stärker nach Britpop á la Oasis oder Blur.

Good Feeling zeigt schon deutlicher, wozu Travis in der Lage sind. Der titelgebende Track lässt nun wirklich etwas Tempo zurück und überzeugt mit guter Melodie und starker Rythmusbetonung. Das viele La-La-La müsste natürlich nicht sein. Ansonsten echt ein cooler Track. Obwohl hier schon deutlich differenziertere Emotionen einfließen wirkt der Song erstaunlich und erfreulich positiv. Auch das Klaviersolo im Stil von Saloon-Piano kommt sehr gut an.

Nach so viel Gefühl rockt Midsummer Night’s Dreamin’ dann wieder ordentlich, um die Stimmung nicht unter das Good-Feeling-Niveau fallen zu lassen. Ebenso kommt We’re tied to the Nineties daher. Dank “Hey”-Rufen fast ein wenig punky, aber insgesamt herrlich brav und doch gut. Diese kindliche Naivität schafft irgendwie nur Fran Healey unterzubringen ohne dass es peinlich werden würde.

I love you anyways ist dann der erste wirkliche Bezug zu den zwei folgenden Alben der Band. Dank Akustikgitarren und zurückhaltendem, melancholischen Gesang macht sich diese wundervolle Stimmung breit, die die Band so unverkennbar machen sollte. Einfach wunderbar…

Die Stimmung muss wieder zurück zu Good Feeling, also wird Happy eingeworfen. Party-Rock von vorne bis hinten. Mitsingen schon beim ersten Refrain möglich und Pflicht, springen, lachen, fröhlich sein. Wer dagegen immun ist, hat seinen Sarg schon gekauft.

Nach so einer Dosis Lebensfreude kann man auch nochmal eine ruhigere Nummer vertragen. Das eigentliche Highlight des Albums ist das behutsame More than us, dass für mich bis heute zu einer der besten Nummern von Travis gehört. Im Mainstream-Radio würde so etwas wohl  Ballade genannt, ich bevorzuge es einfach als grandiose ruhige Nummer zu bezeichnen, die sich Zeit nimmt sich langsam zu entfalten. Extrem gute Streicherarrangements ergänzen den Song auf den Punkt, der Gesang passt perfekt. Einfach genial, nicht weniger!

Danach einen Happy-Song zu bringen könnte nur schief gehen und so schließt sich Falling Down an, das in Atmosphäre sehr gut zu More Than Us passt. Tragende Elemente sind hier Klavier und das fast jazzig gespielte Schlagzeug mit viel Snare und High-Hat. Auch hier kann Fran Healey dank seiner Stimme viel Volumen in einen eigentlich sehr “klein” verfassten Song packen. Wirklich gut.

Funny thing klingt vom Titel her wieder nach einer Nummer im Stile von Happy, aber dem ist nicht so. Travis haben sich langsam aber sicher auf die ernsthaftere Schiene mit melancholischer Grundnote festgelegt, und das kann kaum einer so gut wie die vier Schotten. Hier finde ich besonders bemerkenswert, wie Leadgitarrist Andy Dunlop es schafft, mit viel Noise herrlich und eindrucksvoll die Stimmung des Songs einzufangen und zu unterstreichen. Das klingt fast ein wenig nach Bush und endet im Prinzip in einem Solo ohne Solo. Ein sehr stimmungsvolles Ende in einem Album, das eigentlich ganz anders angefangen hatte.

Good Feeling ist ein eindrucksvolles Debut für Travis, das ein wenig den Eindruck erwckt man könne im Verlauf des Albums der Band beim Reifen zuhören. Die Party-Rock Nummern stehen Travis ausgesprochen gut auch wenn klar ist, dass sie keine Meisterleistungen der Band sind. Besonders live funtkionieren diese Nummern auch heute noch hervorragend, um die Laune schnell zu heben. In der zweiten Hälfte haben Travis dann ihreneigentlichen Stil gefunden; die Melancholie wird tragendes Element und funktioniert so hervorragend, dass sich die nächsten beiden Alben quasi komplett auf die Erforschung dieser Songatmosphäre konzentrieren werden. Dass das zum großen Durchbruch führte ist mittlerweile Geschichte …

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Retrozension | Bush – Golden State

Zeit mal wieder ins Plattenregal (ok, ich gebs zu, es sind nur CDs) zu greifen und einen alten Schinken anzuhören. Bushs Golden State erschien Ende 2001 und markierte das Ende der Band, dass trotz einer Comeback-Ankündigung 2008 meines Wissens bis heute Stand der Dinge ist.

Golden State darf man tatsächlich einen alten Schinken nennen. Das Album klingt mittlerweile schon deutlich angestaubt. Der Sound ist/war typisch für Bush, allerdings ist das Album wenig aufregend. Vor allem nach dem doch relativ experimentierfreudigen The Science of Things verblaßt Golden State deutlich.

Das bedeutet jetzt nicht, dass das Album grundsätzlich als schlecht zu bezeichnen wäre. Es macht sich eher der Eindruck breit, dass die Band einfach unmotiviert war und daher beim Songwriting nicht mehr die Zeit investiert hatte, die notwendig gewesen wäre. So wurde das Album auch kommerziell kein großer Erfolg und die Auflösung der Band folgte auf dem Fuße.

Eigentlich birgt das Album aber durchaus gute Rocknummern. Da wären The People That We Love, Hurricane oder Reasons, die alle zeigen, dass die Band wirklich für gute Grunge-/bzw. Alternativerocknummern stand. Auch wirklich gute ruhige Stücke finden sich mit Inflatable und Out of this World.

Allerdings passte das Album irgendwie nicht mehr so richtig in das neue Jahrzehnt. Zu jammerfreudig, zu wenig Fortschritt im Klang. Die Band hatte ihren Zenit hier schon überschritten. Hier hätte sich die Band wohl eher ein Stück weit neu erfinden müssen. Das hat sie leider verpasst. Die Bandmitglieder trennten sich 2002 auch nicht gerade in enger Freundschaft, was sicher auch am Riesenego von Frontmann Gavin Rossdale lag.

So bleibt Golden State vor allem als Marker des Endes der Band in Erinnerung. Trotzdem ist Golden State ein insgesamt gutes Album gewesen. Leider kam es ein paar Jahre zu spät auf den Markt.

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You Asked For It | The Ninja Stars – The Spirograph Heroes

Eine nette Email erreichte mich vor ein paar Tagen aus Dänemark:

Hi! We are the NiNjA StARS, a Danish duo. We have just finished our debut EP. It is called The Spirograph Heroes. U can listen to it (and download it for free at bandbase!) in its entirity on Myspace. We have been exploring the delights of cheap keyboards, distorted percussion + vox, no reverb & no compressors this time. We haven’t got a clue where we’re going the next time. We arranged, recorded and produced everything in 2 days, putting much effort into catching the restless energy of being spontaneous. We sure had fun. Hope you’ll enjoy & feel free to post the songs, or if you wish, the whole EP for free download on your blog!

Um ganz ehrlich zu sein, fast könnte man nicht mehr dazu schreiben und sagen, als es das Duo der Ninja Stars (man verzeihe mir, dass ich die Groß-/Kleinschreibeakrobatik im Namen missachte) schon selbst getan hat.

Vier Songs hat die Bands auf ihre Debut EP gepackt, und die sind wahrlich nicht wirklich in eine Schublade zu packen. Das kann nur schief gehen. Mein erster Eindruck beim Song Kick out my Teeth war irgendetwas zwischen Nine Inch Nails treffen ihre bösen Zwillinge und nehmen sich dabei nicht ernst. Das ist nicht hilfreich, aber ich habe ja nie behauptet, dass es hilfreich werden würde. Tatsächlich ist der Opener Kick out my Teeth sogar ein kleiner Geniestreich á la Ryan Holiday. Klingt von vorne bis hinten total billig aber doch so strotzend von Kreativität und coolen Einfällen, dass ich mit meiner Liebe zu skuriller Musik nicht wiederstehen kann.

The Spirograph Heroes (der Song) kann da leider nicht mithalten. Hier fehlt mir ein bißchen die humorige Idee, die ordentliche Melodie und die Abwechslung.

Besser wirds wieder mit Dumping Me, Dumping You. Hier kommen auch wieder die bösen NiN-Zwillinge dazu und machen Musik aus der Hölle. Sicherlich nichts was man laufen lassen sollte wenn man gerade romantische Stimmung erzeugen will, aber irgendwie machts trotzdem Laune. Und schnell vorbei ist es auch.

Die letzte Nummer Everyone Goes könnte dann fast von Mugison sein, und das kann man nur als Riesenkompliment sehen. Schräg, ruhig, melancholisch und verzaubernd schön. So darf/muss experimentelle Musik sein.

The Ninja Stars sind wohl eher keine Shooting Stars von morgen, aber für einen kleinen Ausflug zwischendurch ist die Musik wirklich mal was anderes und zeugt von viel Kreativität und Potenzial. Vielleicht, oder eher hoffentlich, folgt ja irgendwann mal ein Album. Das könnte spannend werden. Freunde skuriller Indiemusik sollten auf jeden Fall mal einen Abstecher zur MySpace-Seite wagen, da kann man die komplette EP anhören. Wer sie gleich ganz sein eigen nennen möchte kann sich das Werk auch auf Bandbase.com legal herunterladen.

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Recently Released | The Constellation Branch – The dream Life, the real Life, the empty Glass …

Self-Releases gibt es ja seit spätestens der Erfindung von MySpace und den ersten Erfolgsgeschichten á la Arctic Monkeys mindestens wie Sand am Meer. Wer ehrlich mit sich ist muss zugeben, dass das meiste davon eigentlich eher Schund denn gute Musik ist. Umso erfreulicher, wenn man dann doch mal wieder auf eine echte Perle aufmerksam wird.

So geschehen im Fall von The Constellation Branch. Nicorola.de brachte anfang Dezember einen eher unscheinbaren Post zum Debut von The Constellation Branch heraus, das bereits Anfang 2009 durch die Band veröffentlicht wurde. Der Artikel lies mich zumindest so neugierig zurück, dass ich mir auch sogleich das Album herunterlud und reinhörte. Seitdem erinnert mich die freundliche RTM-Kuh quasi täglich daran, dass ich eine Rezension zu diesem wirklich imposanten Release verfassen will. Jetzt da meine Blogpause vorbei ist komme ich endlich dazu.

The dream Life, the real Life, the empty Glass … darf ruhig und allen Ernstes als echtes Alternative-Konzeptalbum beworben werden. Dabei schaffen The Constellation Branch einen unwahrscheinlich dichten Sound, der ein wenig an Radiohead auf einem Heavy-Trip erinnert. TCB rocken gewaltig und kommen dabei dank sehr präzisem Schlagzeugspiel auch immer mal wieder in die Nähe von (hörbarem) Metal, sind aber doch insgesamt klar als Alternativegruppe einzuordnen.

Spannend macht das Album, dass das Prädikat self-produced Self-Release hier nicht bedeutet, dass man auf gute Produktionseinfälle verzichten müsste. Im Gegenteil versuchen The Constellation Branch hier auf oberstem Niveau mitzuhalten und schaffen das  auch. Hier und da merkt man vielleicht, dass der Sound etwas Tiefe vermissen lässt, aber das habe ich ehrlich gesagt bei manchen Labelreleases schon deutlich gravierender gehört.

Die Musik selbst ist abwechslungsreich, kreativ, originell und spannend geschrieben und inszeniert. Anfangs fielen mir noch jede Menge Assoziationen zu anderen Bands ein, mittlerweile muss ich eindeutig sagen, dass die Band einen sehr guten eigenen Stil repräsentiert, der vorwiegend durch die gesangliche Leistung und ein bißchen durch vereinzelte Gitarrenparts dezent an Radiohead erinnert. The Constellation Branch rocken aber deutlich verzerrter, etwas weniger verquer und mit einer anderen Agenda. Die Musik sprüht jetzt zwar auch nicht unbedingt vor Lebensfreude, ist aber doch deutlich lebensbejahender als alles, was Radiohead bislang herausgebracht haben.

Dadurch, dass das Album als Konzeptalbum angelegt ist findet man die klassischen Werkzeuge eines solchen vor: wiederkehrende Motive, ein Song in mehreren Sätzen und textliche Kontinuität. Das alles zusammen hinterlässt den erfreulichen Eindruck, ein Werk aus einem Guss zu hören und macht wirklich von vorne bis (fast) ganz hinten außerordentlich Laune. Nur der Hidden-Track hätte (wie eigentlich immer) nicht sein müssen. Der Gag des Hidden Tracks sollte mittlerweile ja eigentlich abgelutscht sein, aber irgendwie meinen die Künstler offenbar immer noch, dass die Hörer sich darüber freuen ein Album nicht per Repeat genießen zu können.

Alles in allem leisten The Constellation Branch aber etwas, von dem man gar nicht genug haben kann. Ein hervorragendes Album, verfügbar gemacht zum Nulltarif. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein, der Tourkalender ist voll, unter anderem mit Terminen bei SXSW, dem Mega-Indie Festival in Austin, Texas.

Mein Vorschlag: Rüber zu MySpace, Reinhören (z.B. Re-Creation in Sleep), Runterladen (legal!), Abrocken (amtlich). The dream Life, the real Life, the empty Glass ist deutlich mehr als nur ein achtbares Debut. Das Album gehört für mich zu den positivsten Eindrücken aus 2009 und es muss das Prädikat Self-Release nicht als Entschuldigung mit sich herum tragen. Vielmehr müsste das ein oder andere Label-Release aus 2009 den Vergleich fürchten. The Constellation Branch spielen nämlich ganz oben mit.

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Recently Released | White Rabbits – It’s Frightening

Das Jahr fing gut an. Der erste Stapel CDs vom Popkiller enthielt neben Adam Arcuragi und Tommy Finke auch die CD der White Rabbits. Das erste der drei Alben, das ich einlegte war eben das der White Rabbits, und ich war schon beim ersten Song hellauf begeistert. Wie es sich herausstellen sollte, war es auch die einzige der drei CDs, die mich nachhaltig zu begeistern wusste. Adam Arcuragi fiel leider wegen Produktionsfehlern durch, Tommy Finke bekam einen sauberen Verriss, zeigte sich aber per Twitter zumindest  als guter Nehmer und retweetete mit den Worten: “Mein erster Verriss”. Es sollte nicht der letze sein, wie sich mittlerweile zeigte.

Aber zurück zu den White Rabbits. Die stammen eigentlich aus Missouri, leben aber wohl mittlerweile in Brooklyn, sind zu sechst (!)  und haben bereits im Mai letzten Jahres ihr Zweitlingswerk names It’s Frightening auf den US-Markt geworfen und immerhin eine Platzierung (#184) in den Charts erreicht. Im Januar kam das Album jetzt auch auf dem heimischen Markt in die Läden und ich muss sagen, dass sich ein Kauf sicher lohnt.

Die White Rabbits haben einen sehr eigenen Stil entwickelt Musik zu machen, die auch von Radiohead und Travis sein könnte, aber durch die White Rabbits-Note dann doch überraschend eigenständig klingt. Das gefällt mir persönlich wirklich gut. Schon der Opener Percussion Gun kann auf ganzer Linie überzeugen. Ein scheinbar simpler Rythmus bietet die treibende Kraft, doch wer versucht mal eben schnell mitzutrommeln kommt schnell dahinter, dass hier das Taktmaß doch auf spannende Weiße verschoben wird. Das ganze wird ganiert mit gut dosierten Gitarren und Klaviereinlagen (Bass gibts selbstverständlich auch). Dazu der sehr angenehme Gesang und fertig ist ein Song, der eigentlich nur als Hit bezeichnet werden kann. Da unsere heimischen Radiostationen aber mit dem Begriff erschreckend inflationär umgehen, sollte man einfach mal festhalten, dass es ein verdammt guter Indie-Rock-Song ist.

Rudie Fails macht gut weiter; etwas ruhiger aber wieder mit einem bestechend guten Percussioneinsatz und insgesamt großer Zurückhaltung in der Gesamtinstrumentierung. Trotzdem weiß die Nummer ordentlich zu rocken. Wirklich gut! Und gut geht es weiter mit They done Wrong/We done Wrong. Einer wunderbar melodiösen Nummer, die sich auch wieder mit einem sehr gut dosierten Instrumenteneinsatz zeigt. Treibende Kraft wie in allen Songs ist auch hier die gut ausgebaute, aber nicht aufdringliche Percussion-Sektion. Hervorragend untermalt durch simple aber effektive Gitarrenriffs und sparsame Klaviereinsätze. Überhaupt ist das der rote Faden im Werk der White Rabbits. Alle Musiker verstehen sich hervorragend darauf, sich der Bandleistung unterzuordnen. Allein der auf dem Album verübte Verzicht auf ausufernde Klavierparts ist ein sher seltenes Phänomen in Bands mit Pianisten. Aber es funktioniert aufs Beste.

Lionesse erinnert sehr stark an die Kollegen der Band Alter Me, ist sehr kraftvoll und macht weiter mit den Qualitäten, die schon die vorhergehenden Songs auftischen. Das nachfolgende Company I Keep ist dann vielleicht das absolute Highlight der Platte; ein wunderschön ruhiger Song, der sehr stark aus der weiten Klangatmosphäre schöpft und dem viel Raum zum Entfalten gegeben wird. Durch die später einsetzende dezente Mehrstimmigkeit klingt der Song wunderbar melancholisch und leidenschaftsvoll. Dabei wissen auch hier die einzelnen Instrumente genau, wieviel Einsatz erforderlich ist, um die maximale Wirkung zu erzielen.

Der sehr gezielte instrumentale Einsatz ist die große Leistung der White Rabbits auf It’s Frightening und das setzt sich auch in den verbleibenden fünf Songs so fort. Hier wird kein Stück instrumental überfrachtet, es gibt keine Klangexperimente, die in die Hose gegangen wären. Dazu kommt eine glasklare und wirklich hochprofensionelle Produktion, die das Beste aus der Band herauszuholen weiß. Mit It’s Frightening ist bereits das erste neue Album des Jahres in meiner Sammlung ein heißer Anwärter auf die Jahres-Top10. Die wirklich sehr schmale Nische zwischen Radiohead, Travis und Alter Me wurde aufs Beste mit den White Rabbits gefüllt. Die klingen erfreulich stark und vorrangig nach sich selbst, haben elf zurückhaltende aber doch auch elf wunderbar rockige Nummern in einer Großbesetzung geschrieben und vertont, klingen dabei aber doch angenehm klein und haben mir damit eindrucksvoll bewiesen, dass weniger manchmal sooo viel mehr sein kann.

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