Retrozension | Stone Temple Pilots – Shangri-La Dee Da

Nachdem dieses Jahr sich anschickt wenigstens zwei spektakuläre Reunions wahr werden zu lassen, nutze ich die Gelegenheit einer dieser Bands mal wieder zu huldigen.

Die größere Überraschung in der Reunion-ankündigung sind für mich die Stone Temple Pilots, die nun für den 25. Mai ihr Amerika-Release des selbstbetitelten sechsten Studioalbums angekündigt haben. Nachdem sich die Band ja in den letzten Jahren ihres Bestehens immer wieder in die Haare gekommen war weil Frontmann Scott Weiland es einfach nicht hinbekam die Finger von Drogen zu lassen, hätte ich eine Reunion insgesamt eher nicht erwartet. Im letzten Jahr straften die Pilots meine Einschätzung dann Lügen und reformierten sich für ein paar Live-Auftritte. Es folgt nun also die logische Konsequenz: Ein neues Studioalbum. Nach Aussagen der Band über weite Strecken getrennt voneinander aufgenommen was zwar verhindert, dass man sich wieder gegenseitig die Haare rauft, was aber auch nicht gerade als sehr positive Prognose für die weitere Zukunft und Eintracht der Band herhalten kann.

Das letze Studioalbum der Stone Temple Pilots erschien mit Shangri-La Dee Da bereits Mitte 2001 und bot damit zum vorerst letzen Mal den sehr prägnanten Power-Rock, der die Band so einzigartig gemacht hatte. Dreizehn Songs präsentierten die Pilots auf ihrem letzten Album und diese waren von einer seltsam düsteren, sehr dichten Atmosphäre geprägt. Obwohl textlich immer wieder um positive Botschaften bemüht, sprach die Musik hier insgesamt eine andere Sprache. Zwar kann man dem Album nicht vorwerfen, sich in Melancholie zu ergießen, dennoch hat der Sound insgesamthäufig fast etwas bedrohliches.

Vorbei sind die Zeiten á la Tiny Music … in denen Jazz-Einflüsse und Psychedelic den Stil der STP ins Experimentelle beeinflussten. Shangri-la Dee Da konzentriert sich auf Gitarrenwände, starke Vocals und hämmernde Drums. Das ist bisweilen tatsächlich genial, war aber zu Anfang für mich setsam gewöhnungsbedürftig. Irgendwie klang das fremd, obwohl es zu jeder Sekunde des Albums unverwechselbar nach den Stone Temple Pilots klingt.

Shangri-la Dee Da bietet wirklich viele sehr gute Songs. Mein persönlicher Favorit ist Bi-polar Bear, das sehr dynamisch ist und die Stimmung des Albums am besten auf den Punkt bringt. Der Song Hollywood Bitch, die zweite Singleauskopplung nach Days of the Week ist hingegen fast poppig, geradezu anstrengend, geht aber mit der Zeit auch richtig gut ins Ohr. Ich weiß nicht, wen Scott Weiland da eigentlich besingt, sich das ganze als Anti-Hymne auf Courtney Love vorzustellen, passt ziemlich gut.

Auch wundervoll: A Song for Sleeping, ein Begrüßungssong für den damals Neugeborenen Sohn von Scott Weiland und das positivste Stück auf dem ganzen Album, dass aber interessanterweise auch die Angst vor einem erneuten Drogenrückfall musikalisch mitverpackt hat. Musik, die aus der Seele spricht. So muss das sein.

Shangri-La Dee Da leistet sich über die gesamte Spielzeit keine Patzer und ist so ein Album auf dem typischen Stone Temple Pilots Niveau. In meiner Einschätzung eines der drei besten Alben der Band, zusammen mit Purple und Tiny Music. Leider schaffte es die Band trotz dieser guten Arbeit nicht, sich wieder zusammenzufinden und löste sich ob der Exzesse und Entziehungen des Sängers Scott Weiland schließlich auf. Lediglich ein Best-Of erblickte noch das Licht der Welt. Die einzelnen Bandmitglieder begaben sich in dieverse Solo-Projekte, wovon ungerechter- aber nicht ungerechtfertigterweise nur die Supergroup von Scott Weiland unter dem Namen Velvet Revolver wirklich einschlug.

Shangri-La Dee Da bleibt in jedem Fall stehen als genial-brachiales Rockalbum, als eines meiner Lieblingsalben aus dem Alternative-Grunge-Rock Bereich. Deshalb gibts auch volle Punktzahl.


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Recently Released | The Blue Van – Man Up

Zeit für echte Begeisterung: The Blue Van veröffentlichen ihr Album Man Up und ich bin mal wieder glücklich, gute Musik für mich entdeckt zu haben.

The Blue Van sind so etwas wie die dänische Ausgabe von JET. Wir erinnern uns kurz; JET, das sind die Australier, die so frei sind sich bei ihren Einflüssen so unverschämt direkt und vielfach zu bedienen, dass tatsächlich am Ende ein eigener Stil herauskommt. The Blue Van können das auch und machen es ein wenig anders, ein bißchen europäischer aber nicht weniger beeindruckend.

Auch der Albumtitel könnte von JET stammen, heißen deren Alben Get Up, Get Born und Shaka Rock, kann sich Man Up hier nahtlos einreihen. Was heißt das nun konkret?

The Blue Van geben kräftig Gas, mischen Rockeinflüsse aus nunmehr fünf Jahrzehnten bester Rockmusik, machen eigene Songs draus, die vor Lebensfreude nur so sprühen, denen der Spaß beim Aufnehmen unbedingt anzuhören ist. Das ganze auch noch hervorragend, ja im Grunde perfekt produziert. Man kann es kaum besser machen.

Die Musik auf Man Up ist nicht experimentell, nicht neuartig, ja wahrscheinlich nicht einmal besonders kreativ, aber einfach auf den Punkt gebracht. Party- und radiotauglicher Rock, der dennoch nicht nach dem dritten Durchlauf zum Hals raus hängt. Das liegt unter anderem an der Vielschichtigkeit der Songs. Im Grunde kann man zu jedem der Songs eine Band als Einfluss nennen, die man selbst gerne mag. Die Songs klingen dadurch vertraut, auch wenn man sie noch nie zuvor gehört hat.

Bei alledem erhalten sich The Blue Van soviel Eigenständigkeit in ihrem Sound, dass Sie als Band erkennbar werden. Das muss nicht jeder mögen und ehrlich gesagt, würde ich darüber lesen wäre ich vermutlich versucht Parallelen zu Axolotl Roadkill zu ziehen; die bestehen aber nicht. Man Up ist kein Multi-Plagiat, Man Up ist eine Hommage an das Große im Rock.

Genial, das an das letzte Franz Ferdinand-Album erinnernde There Goes My Love. Unbeschreiblich griffig, das darauf folgende Lay me Down and Die. The Blue Van schaffen es sogar im späteren Verlauf des Albums noch, Deep Purple-hafte Orgelklänge einzubinden, ohne angestaubt rüberzukommen. Kein Songs stellt eine Schwachstelle dar, jeder Song für sich ist irgendwie grandios und hat es verdient, veröffentlicht zu werden.

Das Erfolgsrezept ist für mich die positive Grundeinstellung des Albums. Selbst in den wenigen ruhigeren Momenten des Albums dominiert eine fast unverschähmte Fröhlichkeit, ein Optimismus der ansteckt und mitreißt. So wird Man Up zu einem Album dank dem man nahezu melancholieunbelastete Rockmusik mal wieder so richtig geniessen kann. Dabei driftet das Album auch nie in Richtung Belanglosigkeit oder gar Lächerlichkeit ab, wie es bei anderen “fröhlichen” Rockalben schon so oft passierte.

Kurzum: Man Up kriegt ganz klar Thumbs Up!

Popkiller-Rezi

nicht von mir:

Schalltest@Schallgrenzen (Ich find’s zu kurz, Peter)


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You Asked For It | Velveteen – 27

Auch wenn es deutsche Acts erschreckend oft nicht hinbekommen gute deutsche Musik zu machen, gibt es dennoch gute Musik aus deutschen Landen, auch wenn die deutsche Sprache dabei auf der Strecke bleibt. Nicht, dass das bei der Auswahl von guter Musik grundsätzlich eine Rolle spielen würde, aber ein bißchen stolz ist man ja doch auf jeden guten Act aus der Heimat. Velveteen sind so ein Act.

Zugegeben, bisher komplett an mir vorüber gegangen, veröffentlichen die vier Frankfurter am Freitag ihr viertes Studioalbum, das auf den simplen Titel 27 hört. Elf Songs gibt es zu bestaunen, geniessen und verschlingen. Hervorstechendes Element auf 27 sind neben der undurchdringlichen Gitarrenschrammelwand die elektronischen Beats. Beides zusammen verleiht dem Album eine spannende Mischung aus Rockleben und der Sterilität von Krankenhausfluren.

Ok zugegeben, der Vergleich hinkt vorne wie hinten, aber das macht nichts, aber dennoch ist die Spannung zwischen den Hintergrund stiftenten Gitarrenspuren und den etwas vordergründig eingemischten Beatspuren den besonderen Sound der Frankfurter aus. Dazu wird der Gesang von Carsten Schrauff geschichtet, der irgendwie entrückt und doch sehr vertraut rüberkommt. Eine wirklich gut inszenierte Klanglandschaft, die irgendwoin den Weiten des Indiepop zu verorten ist.

Trotz durchdringendem Gitarrentsunami von bis zu 20 Spuren in einem Song kann man 27 aber nicht als Rock-album bezeichnen. Nicht mal als das, was man im allgemeinen als harte oder brutale Musik bezeichnet. Das Album ist vielmehr geprägt von einer teilweise fast befremdlich wirkenden Beherrschtheit. Als Freund rockiger Gitarrenbretter ist mir das manchmal ein wenig zu brav; da denkt man sich, dass Velveteen gut daran tun würden, die aufgebaute Energie irgendwann in echter Rockmanier zu entladen. Dazu kommt es aber nicht, und das ist die größte Schwäche des Albums und zugleich die große Stärke. Würden Velveteen in den echten Rock driften, wäre das Album vielleicht ein wenig vertrauter und leichter zugänglich, hätte aber auch nicht diese schöne Sturheit und – im besten Sinne gemeint – Eigenartigkeit.

So macht sich auf 27 eine wundervoll entspannte Zufriedenheit breit. Hat man gerade Hummeln im Hintern, kann einem das Album im schlimmsten Fall geradezu aufregen. Im besten Fall geht man hingegen in der Ruhe auf und fängt selbst an, sich der chilligen Atmosphäre hinzugeben. So ist 27 kein Album für jeden Tag und jede Stimmungslage, hat man aber den richtigen Tag und die richtige Stimmung gefunden, dann ist es geradzu großartig.

Zeit für ein Fazit: Velveteens 27 ist ein spannendes Album, das einiges anders macht als man es erwartet und gerade dadurch aneckt und gefällt. Indiepop, nicht nur mit Herz sondern auch mit Hirn gemacht ohne dabei verkopft zu werden. Vielleicht kein Album für Jedermann, aber erfreulich hohe Qualität aus deutschen Landen.

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Off-Topic | Klima? Welches Klima?

Ich hatte mir ja lange vorgenommen hier nicht off-topic zu gehen und Musik zum einzigen Inhalt des Blogs werden zu lassen. Grundsätzlich bleibt es natürlich auch dabei, aber es brennt mir auf der Seele auch ein anderes, viel diskutiertes Thema anzuschneiden, einfach deshalb weil sich die Medien längst dazu entschlossen haben jeden Zweifel als Ignoranz per se darzustellen. Die Rede ist vom Klimawandel.
In der Welt der Presse, des Fernsehen und des Rundfunks hat sich der unmögliche Begriff des Klimaskeptikers eingebürgert, ein Etikett das falscher nicht sein könnte aber eben auch eines das typisch dafür geworden ist, wie versucht wird die Diskussion über den Klimawandel zu entsachlichen. Klimaskeptiker, das sind die Ewiggestrigen der Ökologie-Diskussion, die Neo-Nazis der Klimadebatte sozusagen. Wer Skeptikern glaubt lässt sich von der Industrie, der Atomlobby, dem Militär oder wahlweise der geheimen Weltregierung an der Nase herumführen und ist natürlich auch strohdoof.

Mitnichten!

Ich bekenne gerne Farbe und ja, per Definition gehöre ich in die Gruppe der Klimaskeptiker. Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass es auf der Welt auch nur einen Wissenschaftler gibt, der die komplexen Zusammenhänge des Klimas mit ihren zahllosen Determinanten auch nur annähernd verstanden hat, um tatsächlich belastbare Langfristprognosen zu erstellen. Bin ich deshalb ein Klimaskeptiker? Laut Medien ja, dabei habe ich nie im Leben bezweifelt, dass es das Klima tatsächlich gibt, sieht man einmal von Überlegungen zu Platons Höhlengleichnis ab. Ich habe keine Skepsis gegenüber dem Klima. Ich bin also kein Klimaskeptiker, und ich bezweifle ernsthaft, dass man auch nur einen Menschen auf diesen Begriff korrekt zuordnen könnte.

Vielleicht wäre also der Begriff Klimawandelskeptiker besser? Nun, ich bin mir zumindest sicher, dass es Klimawandelskeptiker gibt. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ganz im Gegenteil weiß ich sogar, dass Klimawandel der Normalzustand ist, seit sich die Erde eine Atmosphäre zugelegt hat. Mal war es heiß, mal war es kalt. Mal wechselte das Klima schnell, mal eher langsam. Unsere steinzeitlichen Vorfahren kämpften in Europa noch im Meterhohen Dauerschnee gegen Mammuts, die Römer spazierten dann in Sandalen über die selben Landstriche. Wir, als moderne Menschen, betreiben Hamsterkäufe wenn die Wettervorhersage 2cm Schnee ansagt. Man darf also festhalten, dass ein sich langfristig nicht verschiebendes Klima eher die Ausnahme darstellen würde. So gesehen steht für mich fest, dass ich auch kein Klimawandelskeptiker bin.

Nun wird es natürlich schwierig für unsere notleidenden Medien, denn es wird langsam deutlich, dass sich die Sachverhalte so einfach darstellen lassen, wie es für die oberflächliche Berichterstattung unserer Zeit tragbar wäre. Es fehlt ein ehrliches, griffiges Label für all diejenigen Menschen, die der so schön aufgebauten öffentlichen Meinung entgegenstehen. Die letzte Bastion von Zweiflern lässt sich irgendwie nicht so richtig greifen, denn die Diversifizierung von Geisteshaltungen ist dem Klischee-Bildzeitungsleser nicht vermittelbar. Da auch der Spiegel immer stärker das Berichterstattungsniveau in Richtung Bild abrutscht (und das sage ich als Abonnent), bleibt offenbar kein Raum mehr für offene, objektive Artikel ohne Diffamierungstendenzen.

Hier kommen wir langsam auch zum Stein des Anstoßes für diesen Post. Der Spiegel hat in dieser Woche einen Bericht, fast eine Randnotiz, über die dürftigen Erklärungsversuche bezüglich der Emailaffäre in der Englischen Klimaforscherszene. Gestolpert bin ich bei der Lektüre insbesondere über einen Satz, eine Behauptung, sanft im Nebensatz eingepflegt um nicht weiter aufzufallen.

“…Denn die Briten sind verunsichert – ungeachtet der weiterhin klaren Faktenlage zum menschlichen Einfluss auf die Erderwärmung. …”

Vielleicht bin ich ja tatsächlich zu skeptisch, aber von einer klaren Faktenlage bin ich längst nicht überzeugt. Schuld daran sind vor allem die Klimaforscher selbst. Mal ungeachtet dessen, ob mit den Emails nun bewiesen wurde, dass/ob kritische Datensätze mit Hintergedanken zurückgehalten/vernichtet wurden: Wer kann mir schlüssig darlegen in welchem Ausmaß das menschliche Tun den Klimawandel beeinflusst? Ich leugne nicht, dass Treibhausgase das Klima erwärmen, ich leugne nicht, dass Messwerte aus den vergangenen hundert Jahren nahelegen, dass sich das Klima in letzter Zeit erwärmt. Ich bezweifle aber zu einem gewissen Grad, dass diese Messdaten flächendeckend Aussagekräftig sind. Dazu muss man sich einmal überlegen, wo Messdaten in der Regel erhoben werden: Im urbanen Raum und sonstigen Siedlungsgebieten. Da, wo geschlossene Bodenbeläge, steinerne Oberflächen und ein offenbare Mangel an natürlichen Kühlelementen (Bäume, Wasser, etc.) ein ausgeglicheneres Klima schaffen würden. Da Städte und Siedlungen in den letzten Jahrzehnten fast ausnahmslos größer wurden, finde ich es zumindest naheliegend, dass das einen entsprechenden Einfluss auf das Mikroklima und damit die lokalen Messwerte hat.

Weitere Zweifel ergeben sich aus der Tatsache, dass mittlerweile jedes Wetterphänomen der Klimaerwärmung zugeschrieben wird. Neulich war ich beruflich unterwegs zu einem Außentermin. Es hatte gerade frisch geschneit, so mussten wir durch den Schnee stapfen, was ja nicht weiter tragisch ist. Was allerdings aus meiner Sicht tragisch ist, war das Gespräch zwischen zwei Terminteilnehmern, dass ich bei der Gelegenheit aufschnappte.

“Ich habe heute morgen in der Zeitung gelesen, dass der Kalte Winter eine direkte Folge der Klimaerwärmung ist.”

“Ja, das habe ich auch gehört”

Mal ganz im Ernst; kann man sowas tatsächlich glauben? Das der Klimawandel und die globale Erwärmung die Gletscher schmelzen lässt, das bekomme ich noch auf die Reihe. Das die Anzahl von Extremwetterlagen im Sinne von Hurricanes und Tornados aufgrund der Erwärmung zunimmt/zunehmen könnte, gebongt. Vertseh ich. Aber warum die Klimaerwärmung nun unsere erwärmten Winter wieder kälter werden lässt, dass macht nun vorne und hinten überhaupt keinen Sinn. Das schlimme ist aber, dass zwei studierte Menschen diese Information aus der Zeitung einfach so hinnehmen. Selbst darüber nachzudenken scheint unmöglich geworden, man könnte ja am Ende ein Klimaskeptiker sein, ein Verstoßener mit der Lepra des freien Denkens verseucht. So kommt es mir vor.

Ich wurde erzogen und gebildet im Dogma des Zweifelns, des Nachvollziehens, des Ergründens und des überzeugten Verteidigens dessen, was sich letzlich für mich als Wahrheit abzeichnet. Nur so kann Demokratie funktionieren, nur so kann ich in Diskussionen zu spannenden Themen bestehen, nur so kann ich aus überzeugter Brust an Gott glauben oder, wie in meinem Fall, eben nicht. Nur so kann verhindert werden, dass Massen von Menschen dumpfen Ideologien hinterherrennen, andere Menschen zu Unmenschen degradieren und sich zum Entscheider über Leben und Tod zu machen. Gerade als Deutscher muss man wissen, wohin einseitiges Darstellen von Sachverhalten im schlimmsten Fall führen kann. Seien es nun die polemischen Äußerungen eines fremdsprachen-unbegabten Außenministers zur Innenpolitik, die Weltanschauung von Nazis und Rechten insgesamt oder eben einfach nur die Berichterstattung zum Thema Klima. In allen Fällen wird versucht mit dem Mittel des einfachen Labels eine Bevölkerungsgruppe per Definition zu diffamieren, um allen anderen klar zu machen, dass das Denken in eine ähnliche Richtung zum gesellschaftlichen Selbstmord verkommt.

Ich leugne nicht, dass sich das Klima wandelt, ich weiß, dass es für viele Menschen gravierende Folgen haben wird, wobei viele der oft erwähnten Folgen meines Erachtens nicht unbedingt auf den Klimawandel als vielmehr auf einen schrecklich dummen Umgang mit der Natur in anderen Dingen zurückzuführen sind. Es lässt sich auch nicht leugnen, dass viele Gletscher schmelzen, wobei übrigens nicht alle Gletscher davon betroffen sind. Eslässt sich aber bis heute nicht beweisen, wodurch diese Klimaveränderungen angestoßen werden. Es gibt Indizien, allerdings tut sich die Wissenschaft in der Auswertung dieser Indizien immer noch erschreckend schwer, wenn man einmal bedenkt, dass die Medien die Wahrheit schon kennen. In meinem Verständnis von wissenschaftlicher Exaktheit gibt es keinen Raum für vermutete Meeresspiegelanstiege v0n geschätzen 30 cm bis hin zu 14 Metern in den nächsten Hundert Jahren. Schmilzt ein Eisberg, dann kann nur der Teil des Eisbergs den Meeresspiegel erhöhen, der über Wasser liegt. Insofern können nur Eismassen auf Landflächen den Meeresspiegel wirklich nachhaltig erhöhen. Wenn man sich dann mal die Größe von Landmassen mit Eisbedeckung und Ozeanen ansieht, dann fällt es mit zumindest schwer nachzuvollziehen, wo hier mehrere Meter Anstieg herkommen sollen. Wohlgemerkt, das ist meine Meinung, mehr noch mein Gefühl, keine Wissenschaft. Dass unter den wegschmelzenden Gletschern in den Alpen Reste römischer Siedlungen auftauchen, lässt doch zumindest Fragen aufkommen, wie es vor 2000 Jahren so mit dem Gletscherbestand bestellt war.

Nach dem 11. September 2001 führten in den USA Wissenschaftler Studien zur Veränderung der Temperaturen durch, nun da der Himmel frei von Kondensstreifen war. Das überraschende Ergebnis war, dass die Temperaturen höher lagen, als vor dem 11. September. Das sollte doch zumindest zu denken geben, ob die Zusammenhänge nicht doch komplexer sind, als es vielfach dargestellt wird. Warum wird mir also per Pressedekret quasi verboten, über die offenen Fragen zu diskutieren und nachzudenken.

Es gibt die schöne und schlüssige Theorie, dass ein Erwärmen der Atmosphäre zum Abreißen des Golfstroms führen könnte, was wiederum zu einer signifikanten Abkühlung in Europa und der gesamten Nordhalbkugel führen würde. Ist es vielleicht möglich, dass dahinter ein Regulierungsmechanismus steckt, der langfristig das Weltklima relativ stabil hält? Was sind aus Sicht unseres Planeten schon vier Grad mehr oder weniger? Die Welt wird davon schon nicht untergehen, und der Mensch wird lernen, sich anzupassen. Vielleicht ist es ja auch der richtigere Weg, sich auf den Klimawandel frühzeitig einzustellen und die Menschheit entsprechend vorzubereiten. Vielleicht bricht aber ja auch schon morgen ein Vulkan aus, der mit seiner Asche wieder über Jahrzehnte die Atmosphäre verdunkelt und die Temperaturen drückt. Wer weiß dass schon.

Die einzige Gewissheit ist, dass noch nie eine Langzeitprognose von Menschen eingetreten ist, dass uns demnach etwas weniger Panik gut zu Gesicht stünde. Stattdessen könnte man ja einmal Anfangen wieder Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen und die offenen Fragen wissenschaftlich anzugehen. Ganz ohne zurückhalten von Daten, ganz sachlich und ergebnisoffen. In der Zwischenzeit betreiben wir aktiven Umweltschutz, nicht aus Angst vor den Folgen des Klimawandels, sondern einfach weil wir sowieso schon wissen, dass Nachhaltigkeit der richtige Weg im Umgang mit unserem Lebensraum ist. Und da wir in einer globalisierten Welt leben, bleibt uns auch keine Alternative als einen Weltumspannenden Umweltschutz zu betreiben. An allen Fronten, in allen Themenfeldern, mit allem, was uns zur Verfügung steht. Das wäre eine Welt, in der wir alle gut leben könnten, egal ob es zwei Grad wärmer wäre oder nicht.

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Retrozension | Travis – Good Feeling

Travis habe ich ja schon mit zwei Alben retrozensiert, streng chronologisch nach Aufnahme in meine bescheidene Musikkollektion. Entsprechend weiter geht es daher nun mit dem ersten Album der vier sympatischen Schotten.

Good Feeling hieß das Debutalbum und es macht zunächst so ziemlich alles anders als die beiden Nachfolger The Man Who und The Invisible Band. Good Feeling ist fröhlich, sprüht nur so vor positiven Emotionen und Lebensfreude. Von der sehr geefühlvollen Melancholie, die danach die Musik von Travis bestimmte ist auf Good Feeling zu Beginn ziemlich wenig mitzubekommen.

Der Opener All I want to do is Rock markiert in Sachen Tempo und Attitude schon ziemlich gut, wo das Album hin will. Rock! Nicht unbedingt besonders innovativ, nicht einmal besonders einfallsrecih, aber überzeugend, treibend und zum Springen und Mitgrölen gemacht. Da schließt sich nahtlos auch U16 Girls an. Wie gesagt; nicht innovativ, aber es funktioniert mehr als prächtig. Travis geben sich als Party-Band und sprühen nur so vor Glückseligkeit.

The Line is Fine ändert nicht viel in Sachen Gesamteindruck, nimmt nur ein wenig das Tempo raus. Dennoch brettern die Gitarren in Travis-typischem Sound durch den Song. Erst Good Day to Die wirkt etwas ruhiger, obwohl auch hier Gitarren und Schlagzeug durchgehend reiclich Druck machen. Dennoch klingt der Sound hier deutlich stärker nach Britpop á la Oasis oder Blur.

Good Feeling zeigt schon deutlicher, wozu Travis in der Lage sind. Der titelgebende Track lässt nun wirklich etwas Tempo zurück und überzeugt mit guter Melodie und starker Rythmusbetonung. Das viele La-La-La müsste natürlich nicht sein. Ansonsten echt ein cooler Track. Obwohl hier schon deutlich differenziertere Emotionen einfließen wirkt der Song erstaunlich und erfreulich positiv. Auch das Klaviersolo im Stil von Saloon-Piano kommt sehr gut an.

Nach so viel Gefühl rockt Midsummer Night’s Dreamin’ dann wieder ordentlich, um die Stimmung nicht unter das Good-Feeling-Niveau fallen zu lassen. Ebenso kommt We’re tied to the Nineties daher. Dank “Hey”-Rufen fast ein wenig punky, aber insgesamt herrlich brav und doch gut. Diese kindliche Naivität schafft irgendwie nur Fran Healey unterzubringen ohne dass es peinlich werden würde.

I love you anyways ist dann der erste wirkliche Bezug zu den zwei folgenden Alben der Band. Dank Akustikgitarren und zurückhaltendem, melancholischen Gesang macht sich diese wundervolle Stimmung breit, die die Band so unverkennbar machen sollte. Einfach wunderbar…

Die Stimmung muss wieder zurück zu Good Feeling, also wird Happy eingeworfen. Party-Rock von vorne bis hinten. Mitsingen schon beim ersten Refrain möglich und Pflicht, springen, lachen, fröhlich sein. Wer dagegen immun ist, hat seinen Sarg schon gekauft.

Nach so einer Dosis Lebensfreude kann man auch nochmal eine ruhigere Nummer vertragen. Das eigentliche Highlight des Albums ist das behutsame More than us, dass für mich bis heute zu einer der besten Nummern von Travis gehört. Im Mainstream-Radio würde so etwas wohl  Ballade genannt, ich bevorzuge es einfach als grandiose ruhige Nummer zu bezeichnen, die sich Zeit nimmt sich langsam zu entfalten. Extrem gute Streicherarrangements ergänzen den Song auf den Punkt, der Gesang passt perfekt. Einfach genial, nicht weniger!

Danach einen Happy-Song zu bringen könnte nur schief gehen und so schließt sich Falling Down an, das in Atmosphäre sehr gut zu More Than Us passt. Tragende Elemente sind hier Klavier und das fast jazzig gespielte Schlagzeug mit viel Snare und High-Hat. Auch hier kann Fran Healey dank seiner Stimme viel Volumen in einen eigentlich sehr “klein” verfassten Song packen. Wirklich gut.

Funny thing klingt vom Titel her wieder nach einer Nummer im Stile von Happy, aber dem ist nicht so. Travis haben sich langsam aber sicher auf die ernsthaftere Schiene mit melancholischer Grundnote festgelegt, und das kann kaum einer so gut wie die vier Schotten. Hier finde ich besonders bemerkenswert, wie Leadgitarrist Andy Dunlop es schafft, mit viel Noise herrlich und eindrucksvoll die Stimmung des Songs einzufangen und zu unterstreichen. Das klingt fast ein wenig nach Bush und endet im Prinzip in einem Solo ohne Solo. Ein sehr stimmungsvolles Ende in einem Album, das eigentlich ganz anders angefangen hatte.

Good Feeling ist ein eindrucksvolles Debut für Travis, das ein wenig den Eindruck erwckt man könne im Verlauf des Albums der Band beim Reifen zuhören. Die Party-Rock Nummern stehen Travis ausgesprochen gut auch wenn klar ist, dass sie keine Meisterleistungen der Band sind. Besonders live funtkionieren diese Nummern auch heute noch hervorragend, um die Laune schnell zu heben. In der zweiten Hälfte haben Travis dann ihreneigentlichen Stil gefunden; die Melancholie wird tragendes Element und funktioniert so hervorragend, dass sich die nächsten beiden Alben quasi komplett auf die Erforschung dieser Songatmosphäre konzentrieren werden. Dass das zum großen Durchbruch führte ist mittlerweile Geschichte …


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Retrozension | Bush – Golden State

Zeit mal wieder ins Plattenregal (ok, ich gebs zu, es sind nur CDs) zu greifen und einen alten Schinken anzuhören. Bushs Golden State erschien Ende 2001 und markierte das Ende der Band, dass trotz einer Comeback-Ankündigung 2008 meines Wissens bis heute Stand der Dinge ist.

Golden State darf man tatsächlich einen alten Schinken nennen. Das Album klingt mittlerweile schon deutlich angestaubt. Der Sound ist/war typisch für Bush, allerdings ist das Album wenig aufregend. Vor allem nach dem doch relativ experimentierfreudigen The Science of Things verblaßt Golden State deutlich.

Das bedeutet jetzt nicht, dass das Album grundsätzlich als schlecht zu bezeichnen wäre. Es macht sich eher der Eindruck breit, dass die Band einfach unmotiviert war und daher beim Songwriting nicht mehr die Zeit investiert hatte, die notwendig gewesen wäre. So wurde das Album auch kommerziell kein großer Erfolg und die Auflösung der Band folgte auf dem Fuße.

Eigentlich birgt das Album aber durchaus gute Rocknummern. Da wären The People That We Love, Hurricane oder Reasons, die alle zeigen, dass die Band wirklich für gute Grunge-/bzw. Alternativerocknummern stand. Auch wirklich gute ruhige Stücke finden sich mit Inflatable und Out of this World.

Allerdings passte das Album irgendwie nicht mehr so richtig in das neue Jahrzehnt. Zu jammerfreudig, zu wenig Fortschritt im Klang. Die Band hatte ihren Zenit hier schon überschritten. Hier hätte sich die Band wohl eher ein Stück weit neu erfinden müssen. Das hat sie leider verpasst. Die Bandmitglieder trennten sich 2002 auch nicht gerade in enger Freundschaft, was sicher auch am Riesenego von Frontmann Gavin Rossdale lag.

So bleibt Golden State vor allem als Marker des Endes der Band in Erinnerung. Trotzdem ist Golden State ein insgesamt gutes Album gewesen. Leider kam es ein paar Jahre zu spät auf den Markt.


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