Recently Released | Muse – The Resistance

Das lange Warten hatte heute Mittag ein Ende. Das neue Album von Muse ist da, der Widerstand bricht los und ich denke man kann ohne zu viel zu verraten schon hier sagen, dass das Warten sich gelohnt hatte.

Ungeduldige konnten ja in dieser Woche schon die ersten Songs im Stream hören (Ich hatte mir das zum Genuss der Vorfreude noch verkniffen) mittlerweile wird auch das Gesamtwerk gestreamt, wer also noch nicht so eilig beim CD-Händler war wie ich,  kann trotzdem mithören.

The Resistance fängt klanggewaltig an; Uprising hat ja mittlerweile schon im Internet die Runde gemacht und ist zumindest auf vereinzelten Radiostationen auch schon mit dem gegebenen Respekt zu etwas Airtime gekommen. Auch United States of Eurasia ist ja unter anderem auch auf Retrozension.de schon anzuhören gewesen und weckte im gesamten Web vor allem Angst davor, das neue Muse-Album könne letzlich die Verwandlung der Band zum Queen-Cover-Act dokumentieren. Die Ängste waren berechtigt und aber auch nicht. Es finden sich tatsächlich diverse klangliche Referenzen zu Queen, so etwa auch im Titelsong Resistance, aber das ist erstens nichts Schlimmes und zweitens nicht wirklich vordergründig.

Alles in allem ist The Resistance hauptsächlich der logische nächste Entwicklungsschritt im Songwriting der Band. Muse haben sich seit ihrem Debut Showbiz von einer “Radiohead für Arme”-Band zu einem der konstantesten und vor allem auch eigenständigsten Acts der aktuellen Rockszene entwickelt. Ähnlichkeiten zu Radiohead braucht man nicht mehr zu unterstellen. Das Songwriting ist wieder einmal opulent und lässt Erinnerungen an die Klassikeinlage Butterflies & Hurricanes auf Absolution aufkommen. Orchestral instrumentiert und komponiert blasen Muse nicht nur alle Alternative-Rock Klischees über den Haufen sondern bringen dabei auch noch einen solch starken Rocksound auf die Ohren, dass hier auch das ein oder andere Toupet fliegen dürfte, denn Headbangen ist teils Pflicht!

Dabei haben Muse auch mal wieder eine Menge Raum für die leisen Töne gelassen und zwingen mit Pianoeinlagen wie etwa Collateral Damage (dem Outro zu U.S.Eurasia) das rockverformte Ohr zum Belauschen einer klassischen Klaviersonate. Das tolle daran: Es passt und gefällt. Muse geben sich auch sonst wandlungsfähig. Die Songs klingen mal poppig, immer rockig (und zwar nach vielen Subgenres). Das ist Rockmusik 2009! Modern, retro, klassisch opulent und doch filigran wenn sie das will, astrein produziert und doch voller Leben und vor allem ein Album aus einem Guss. Man könnte fast meinen das Album als solches wäre noch mainstreamtauglich, und man hofft es zumindest von ganzem Herzen.

Auch wieder typisch für Muse ist die sehr krasse Atmosphäre auf dem Album: Alles klingt irgendwie nach “Alles oder Nichts”. Eine permanente Gratwanderung zwischen Euphorie und Paranoia, die sich insbesondere in der Stimme von Matthew Bellamy wiederspiegelt. Thematisch ist alles mal wieder an der heimlichen Leidenschaft des Frontmanns ausgerichtet: Verschwörungstheorien. Und Herr Bellamy lebt seine Leidenschaft nicht nur in der Musik aus, wie er kürzlich in einem Interview bekannt gab bunkerte er Dosenmahlzeiten aus der tiefen Überzeugung heraus, dass das verrückte europäische Inselreich namens Großbritannien innerhalb von 14 Tagen ohne Nahrung dastehen könnte. Sind sie nicht putzig, die Briten?

Im Fazit muss man The Resistance einfach hoch halten. Das Album ist komplex aber verständlich, vielschichtig, klanggewaltig, gut konzipiert, genial produziert und schon bevor ich das neue Pearl Jam Album nächste Woche im Briefkasten finden werde bin ich mir sicher, dass Muse das Major-Release des Jahres geschaffen haben. Unbedingte Reinhör-(und dann Kauf-)Empfehlung!

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Retrozension | R.E.M. – New Adventures in Hi-Fi

Zu R.E.M.s New Adventures in Hi-Fi habe ich irgendwie eine besondere Beziehung. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass das zehnte Album der Band aus Atlanta das erste R.E.M. Album war, dessen Release ich bewusst erlebt habe.

Nicht lange vor dem Release im Jahr 1996 habe ich erkannt, dass R.E.M. eine wirklich gute Band sind. Hier gehört ein kurzer Dank meiner Schwester ausgesprochen, die Automatic For The People besaß und mich so auf den Geschmack brachte. Den Release von Monster hatte ich dann irgendwie auch noch verpasst, für New Adventures in Hi-Fi im Jahr 1996 war ich dann aber endlich auf den Geschmack gekommen. Und im Nachgang darf man wohlsagen: kein Album zu früh!

New Adventures in Hi-Fi ist bis heute das erfolgreichste Album von R.E.M., zumindest wenn man die Chartplatzierungen auf Wikipedia richtig interpretiert. Nummer eins in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Finnland und Schweden und immerhin noch Nummer zwei in den USA, das ist doch mal eine gute Leistung.

Die viel bessere Leistung daran ist aber, dass das Album nicht nur erfolgreich sondern auch wirklich gut ist. Wesentlich vielschichtiger als Monster oder Automatic for the People, atmosphärisch angenehm melancholisch und für ein Mainstreamalbum ziemlich experimentierfreudig. Schon der Opener How The West Was Won And Where It Got Us überzeugt auf ganzer Linie. Vor allem dadurch, dass das Stück mit Hörgewohnheiten aufbricht. Das Intro wird nur durch Drums gespielt, die Begleitung ist sehr rudimentär durch Bass und Klavier gegeben und irgendwie klingt das Stück auch im Refrain sehr filigran ohne dabei aber “unrockig” zu werden. Cool gemacht.

The Wake Up Bomb ist wohl bis dato eines der rockigsten und besten Stücke von R.E.M. Orgel, verzerrte Gitarren und einen überzeugenden Rythmus. Da bleibt kein Kopf ruhig auf dem Hals sitzen. Ich liebe diesen Song. New Test Leper folgt als ruhigerer Song. Hier kann man wieder einmal in den wirklich poetischen Zeilen schwelgen. So gut schreiben neben Michael Stipe nur die wenigsten.

Undertow bringt wieder etwas mehr die klanglich experimentelle Seite der Band zum Vorschein. Hier begrüßen den Hörer zunächst dampfend, stampfende Maschinensounds, ehe der Midtempo-Rocksong Form annimmt. Auffällig auch hier die teilweise fast zerbrechliche Gesangsstimme von Michael Stipe, die immer relativ nahe am Sprechgesang vorbeischrabbt. Sehr relaxt. Ebenso E-Bow the Letter, ein – wie es der Titel schon suggeriert – auch mit dem E-Bow gespieltes Stück. Der hilft, E-Gitarren ohne Anschlag spielen zu können, was in etwa an das Bogenspiel auf einer Geige erinnert. Ein cooles extra ist auch die Background-Stimme, die hier von niemand geringerem als Patti Smith geliefert wird.

Leave ist dann noch so ein echtes Highlight auf dem Album. EIne der konsequentesten und beeindruckendsten Kombinationen aus Synthesizer und Rocksong, die die Musikgeschichte bisher vorgebracht hat. Dabei wunderbar simple in der Grundstruktur und rockig ohne Abstriche. Echt beeindruckend. Thematisch passend schließt sich dann das Stück Departure an. Auch hier wird gnadenlos gerockt und eine Mischung aus Spoken Words Performance (man fühlt sich an Stadionrockansagen erinnert) und Gesang unterlegt mit einem sehr griffigen Gitarrenriff und ergänzt durch einen Mitgröl-Refrain. klassische Entfruster-Nummer, nichts zu kritisieren.

Etwas Entspannung bringt dann Bitersweet Me. Atmosphärisch erinnert der Song zunächst ein wenig an Automatic for the People, mündet dann aber in einen fantastisch eingängigen Refrain. Be Mine wird dann noch einmal deutlich ruhiger und zeigt wieder die poetischen Fähigkeiten der Band. Die Musik wie auch der Text laden zum Verweilen, zum Nachdenken, zum Sich-Selbst-Verlieren ein. Toll!

Die nächsten Textzeilen widmen sich dann Binky the Doormat, also einem Fußabtreter. Merkwürdig, aber trotzdem ein ziemlich guter Song. Zither schließt direkt als Instrumentalstück an (Automatic For The People lässt grüßen) und wird wiederum von So Fast, So Numb gefolgt. Hier gehts wieder etwas rockiger zur Sache. Insgesamt ein ziemlich entspannter Song mit cooler Klavierbegleitung.

Den Abschluss bilden dann zunächst Low Desert, eine ruhige Rocknummer mit viel Slideguitar-Einsatz, und abschließend dann Electrolite, eine Stück, dass vor allem von der Klavierbegleitung und der bestechenden Gesangslinie lebt. Ein überraschend positiv gestimmter Abschluss für das insgesamt doch oft schwermütige Album.

New Adventures in Hi-Fi konkurriert bei mir immer wieder mir Automatic For The People um den Platz des besten R.E.M. Albums. Eine Entscheidung kann man hier kaum treffen, denn beide Alben stehen für sich und sind ohne jeden Zweifel große Kunstwerke. Selten gelingt es Bands so dorchgehend eine Stimmung zu schaffen und so das Album zu mehr zu machen als nur eine wahllose aneinanderreihung von Songs. Hier wird das Hörerlebnis zur Entdeckungsreise und genau so müssen gute Alben einfach aussehen/klingen. In jedem Fall ist New Adventures in Hi-Fi pflicht in einer gut sortierten Indie-Rock Bibliothek.

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Retrozension | The Doors – The Doors

Ich bin ja wahrlich niemand, der sich musikalisch die alten Zeiten herbeisehnt. Schaut man sich meine Musiksammlung im Detail an wird man schnell feststellen, dass ich kaum alte Alben besitzen. Ich respektiere die Musik der alten Größen und finde sie auch wirklich gut und oft wegweisend, aber trotzdem war ich immer ein Freund der Musik meiner Zeit.

Ausnahmen mache ich kaum; einige davon sind The Beatles, Pink Floyd und eben The Doors. Genau genommen stammen diese Alben fast alle aus der Zeit, in der ich musikalisch noch deutlich nach Orientierung suchte. So kommt es auch, dass ich etwa von Led Zeppelin nur die Greatest Hits besitze oder von Deep Purple nur die Fireball, weil diese mir am interessantesten erschien. Von den altehrwürdigen Doors besitze ich ebenfalls nur ein einziges Album, nämlich das Erstlingswerk aus dem Jahre 1967.

Nachdem ich diese Woche verdammt gute (Anti-)Kriegsdokumentationen auf 3Sat gesehen habe in denen in Anlehnung an den wohl grössten Kriegsfilmklassiker (Apocalypse Now) auch Titel der Doors zur Untermalung genutzt wurden, sah ich mich dazu motiviert, mal wieder in das Album reinzuhören, das in den letzten Jahren fast völlig ungehört im Regal stand. Ich kann und will gar nicht im Detail darauf eingehen, wie das Album im Jahre 1967 wohl auf die Menschen gewirkt haben muss, bemerkenswert ist aber wie aktuell bei all dem klanglichen Staub die Musik der Doors insgesmat auf mich wirkt; immerhin 42(!) Jahre nach Veröffentlichung fühle ich mich an die gerade erst kürzlich für mich entdeckten Akron/Family erinnert.

Beide haben diese wunderbare Atmosphäre auf ihren Alben, die nicht nach Überproduktion und Perfektion sondern nach ungefilterter Rockmusik klingt. Das mag bei The Doors unter Umständen eher aus der Not heraus geboren sein, da die Produktionstechnik einfach noch nicht so weit war, bei Akron/Family unterstelle ich jedoch einen bewussten Verzicht auf diese Perfektion, die in so vielen Fällen grundsätzlich guten Musikern oft im Weg steht und jedes Leben aus der Musik sterilisiert.

Was allerdings noch viel mehr beeindruckt ist die Experimentierfreude mit der The Doors schon vor über 40 Jahrzehnten versuchten die Rockmusik über den damals wohl noch viel engeren Horizont herauszustoßen (auch hier wieder eine schöne Parallele zu Akron/Family). Man höre nur einmal das Cover des Alabama Songs von Berthold Brecht (Musik Kurt Weill). Hier bestand einfach der Mut Dinge zu tun, die sich für Rockbands eher nicht gehörten. Aber auch der Klassiker The End, einer der atmosphärischsten  Rocksongs aller Zeiten zeigt Ansätze, die man durchaus mit dem Label visionär versehen darf.

Darüber hinaus enthält das Album weiter Songs, die ohne Übertreibung als Evergreens des Rocks und meinetwegen sogar des Alternative Rocks gelten dürfen. Jeder kennt Light my Fire, Take it as it Comes oder Break on Through und auch die meisten anderen Songs des Debutalbums dürften einem wohl bekannt vorkommen. Jetzt wirds peinlich: Die Qualitätsdichte der Songs zusammen mit der Selbstbetitelung des Albums ließ mich bei Kauf davon ausgehen, dass die CD eine Greatest Hits Sammlung sein müsse. Ein Irrtum den ich nie in Frage stellte, bis gestern.

Vielleicht veranlasst mich die sehr sehr späte Erkenntnis dazu, mich doch noch etwas tiefer in den Katalog der Ausnahmetalente der Kalifornier einzuhören. Fest steht in jedem Fall, dass das Debutalbum der Doors nicht nur fest mit der Thematik des Vietnamkriegs, sondern auch fest mit der Entstehung des Alternative Rocks verknüpft werden sollte. Der Terminus mag erst Jahrzehnte später aufgekommen sein, die Wurzeln reichen aber definitv bis zu den Doors, wenn nicht sogar weiter. Das Debut ist in jedem Fall einer der größten Klassiker der Rockgeschichte und gilt nebenbei auch als eines der besten Debutalben aller Zeiten. Wer könnte das bezweifeln?

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Recently Released | JET – Shaka Rock

Letzten Freitag erschienen, seit dem bei mir im CD-Player, auf dem Rechner und damit auf dem iPod und damit auf meinen Ohren: Shaka Rock, das dritte Album der erfrischend rückgratlosen Australier von JET. Für mich immer noch ein absolutes Phänomen und das erklärtermaßen unerklärlicherweise. JET sind eigentlich so etwas wie ein News-aggregator der Musik. Da werden überall Einflüsse gesammelt und nahezu unverarbeitet neu zusammengestellt und das ganze stellt dann ein neues Produkt dar.?!

Ja, das tut es und bei JET bin ich begeistert. Tausend andere Bands tun ähnliches und dringen nicht zu mir durch. Auch auf dem dritten Album mit dem klangvollen Namen Shaka Rock bleibt im Grunde alles beim alten. 12 Tracks Rock wie man ihn aufrichtiger nicht zusammenklauen kann. Hier stimmt einfach alles. Freunde der ersten Alben werden spätestens bei She’s a Genius wiederfinden, was ihnen bisher gefiel, aber JET klingen auch 2009 wieder ein bißchen anders als beim letzten Album 2006. Besonders gut gefällt mir diesmal der Titel Seventeen. Insbesondere die sehr cool zusammengestückelte Gitarrenbegleitung in der Strophe hat es in sich. Man könnte fast sagen JET fingen langsam an sich um einen selbständigen Musikstil zu bemühen.

Ist natürlich alles quatsch. JET klingen alles in allem von der ersten Note an nach bekannten Rocksongs aber irgendwie erkennt man auch immer: “Wow, das ist doch JET“. Und genau darin liegt die Leistung der Band. Gut zugängliche, weil vertraute Rockmusik zu schreiben und dabei so klanggewaltig rüber zu kommen, dass man sie einfach lieben muss/kann/darf.

Shaka Rock ist kein Meilenstein der Musikgeschichte, kein großes Stück Kunst, Nichts, das die Rockmusik weiter nach vorne bringt, aber Shaka Rock ist tanzbar, macht einfach nur Laune und klingt wirklich, wirklich cool. Das können nur JET, das machen in der Qualität nur JET und damit sei der Band fast alles erlaubt.

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Recently Released | Arctic Monkeys – Humbug

Seit letzten Freitag ist es also draußen, das aktuelleste, das neueste, das dritte Album der Arctic Monkeys. Da sollte kurz Zeit dafür sein zu erwähnen, dass es immerhin die Besprechung des Debutalbums eben jener Band war, die diesen Musikblog eröffnete. Genug aber der Gefühlsduselei. Es gibt ernstere Dinge zu besprechen als Bloghistorie.

Die Single Crying Lightning konnte zumindest eine zeitlang auf diesem Blog ja schon gehört werden, zumindest so lange, bis YouTube wieder mal den Stecker zog. Ein Schicksal, das mehr und mehr Videos zu treffen scheint.

Kommen wir aber jetzt wirklich zum Thema. Crying Lightning, die erste Singleauskopplung aus Humbug sollte ja auch einen ersten Vorgeschmack auf das dazugehörige Studiowerk liefern. Um erhlich zu sein: den Job macht die Single eher schlecht. Crying Lightning klingt richtig gut, aber auch allzu sehr nach den Arctic Monkeys aus alten, scheinbar vergangenen Zeiten. Arctic Monkeys 2009 scheinen langsam reifer zu werden, und das merkt man auch der Musik deutlich an.

Die auffälligste Neuerung ist sicher, dass das Album insgesamt deutlich ruhiger geworden ist als seine beiden Vorgänger. Mal abgesehen von den drei ersten Nummern My Propeller, Crying Lightning und Dangerous Animals nehmen die Pol-Affen deutlich das Tempo raus und fangen an, mit dem Klang zu experimentieren. Dazu haben sie sich auch für sieben der zehn Tracks kompetente Produktionsunterstützung in Person von Joshua “Josh” Homme (jepp, genau der) geholt, und das hört man auch ziemlich deutlich raus. Das gute ist: die Kombination aus BritPop und Krachgitarren klappt hervorragend. So sind auch gerade die im Teamwork produzierten Nummern die glanzstücke des Albums. Crying Lightning gehört sogar dazu.

Nach nunmehr fünf Tagen mit dem Album fällt es mir immer noch schwer, ein klares Urteil zu fällen, wobei ich diese Tatsache an sich sogar eher als positiv werten möchte. Wie schon gesagt, das Album ist klar anders als die beiden Vorgänger. Man erkennt zwar ganz eindeutig die Band wieder, aber der Druck, die Griffigkeit der beiden ersten Alben (und insbesondere des Debuts) ist nicht mehr so präsent. Darunter leidet die Tanzbarkeit, nicht aber die Qualität.

Die Band hat sich (erfreulicherweise) dazu entschlossen eine Entwicklung zu starten und erwachsener zu werden. Auf diesem Weg geht sicher der ein oder andere Fan der ersten Stunde verloren, die Band dürfte daraus aber gestärkt hervorgehen. Besonders auffällig ist diese Entwicklung beim Track Fire and the Thud. Bleibt die übliche Frage, die man sich bei solchen Veränderungen stellt: Sind das noch die Arctic Monkeys oder geht das schon zu weit?

Nein, zu weit geht das nicht. Ich bin seit jeher ja ein großer Freund von Entwicklung und den Arctic Monkeys habe ich, wie sich ja dank der Existenz von Post#1 beweisen lässt schon von Beginn an wirklich großes zugetraut. Humbug ist kein Album, dass Maßstäbe setzt oder in die Geschichte des Rock eingehen wird, aber das Album ist spannend, anders, reif und von vorn bis hinten überwiegend richtig gut. Hier und da hat es vereinzelte Längen, aber insgesamt sehe ich die Band auf einem sehr guten Weg. Und hier gilt klar die Devise: Der Weg ist das Ziel.

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Seen Live | Portugal. The Man – Café Central, Weinheim, 2009-07-24

Das Album kam vor einer Woche, gestern kam die Band. Nach Weinheim an der Bergstraße, um genau zu sein. Tags davor gaben Sie sich noch in Saarbrücken ein Stelldichein, die nächsten Termine werden in den USA stattfinden. Die Rede ist natürlich von Portugal. The Man, die es sich nehmen ließen, ihr neues Album nicht nur an der Heimatfront, sondern eben auch in Deutschland zeitnah zu präsentieren. Eine ziemlich große Geste an die deutschen Fans, wie ich finde.

Fangen wir aber von Vorne an: Auffallend auf meinem mittlerweile vierten Besuch bei P.TM war, dass der Publikumsraum von Mal zu Mal voller wird. Die Band schafft sich durch hartes Arbeiten und viel Touren offenbar eine wachsende Fanbase, sehr erfreulich.

Die Eröffnung des Abends oblag der Krefelder Band Oh’ Napoleon. Die machten mit ihrem sehr soften aber eindrucksvollen Pop-Rock und der glasklaren und sehr guten Stimme von Frontfrau Katrin Biniasch einen hervorragenden Job. Ich bin sicher, dass die Band noch ihren Weg finden wird. Ein bißchen fehlt vielleicht noch das Selbstbewusstsein auf der Bühne, aber das störte kaum.

Nach kurzer Umbaupause (die Band baut immer noch selbst) kamen dann Portugal. The Man auf die Bühne und eröffneten wie immer furios diesmal mit dem Song mit Church Mouth. Da gab es dann auch kein Halten mehr. Nicht das sonst oft so übliche Einstimmen zwischen Band und Publikum. Die Verbindung war sofort da und hielt auch den gesamten Abend über. Gespielt wurden Songs aus allen vier Alben, dabei machten sich Portugal. The Man mal wieder die Mühe, nicht bloß Song nach Song zu spielen, sondern es wurde wieder fleißig varriert, verwoben, verfremdet und gerockt, wie ich sonst keine Band je habe rocken sehen. Besonders eindrucksvoll immer wieder Bassist  Zach Carothers, der immer mal wieder seinen Bass herumreißt, als wollte er damit jemandem die Rübe abhacken.

Der Sound war gelegentlich etwas matschig (Chicago), aber das ist typisch Portugal. The Man, die immer mal wieder die Anlage überlasten mit heftigsten Rockattacken. Das gute daran ist, dass das das Publikum überhaupt nicht störte. Denn so schön bekommt man den Alltag sonst nirgends aus der Birne geblasen. Insbesondere bei den neuen Songs wurde aber klar, dass der Klangmatsch bei anderen Songs durchaus Absicht war. Denn hier klangen Portugal. The Man wieder glasklar und boten die Songs mit einer Hingabe hin, die die Qualität des Albums noch übertrifft. Einfach genial.

Die Songauswahl war hervorragend. Gespielt wurden aus allen Alben die vielleicht besten Songs und so dürfte kaum ein heimlicher Songwunsch unerfüllt geblieben sein. Einziger Wehmutstropfen: Zum ersten Mal, seit ich bei Portugal. The Man war gab es kein The Devil. Schade. Kurzum: Es war ein genialer Abend mit genialer Musik und einem abschließenden, wohlverdienten Tinitus. Portugal. The Man haben sich mal wieder selbst übertroffen und zementierten ihren Ruf als die derzeit beste Liveband. Sie überzeugen mit Hingabe, mit Spielfreude, mit Kreativität und mit fantastischen Songs.

Weitere Konzerte in Europa:

25. Juli | Alterswil, Schweiz

31. Juli | Cordoaria, Portugal

01. August | Elend bei Sorge (klasse Stadtname 😉 ) zu Rocken am Brocken, Deutschland

Ansonsten kann man sich hier vortrefflich informieren:
http://portugaltheman.net/content/tourdates/

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