Retrozension | Muse – Showbiz

Im Jahre 1999 traten aus England drei Herren in Erscheinung, die fortan als Muse bekannt werden sollten. Das Debutalbum Showbiz zeigte sich als furioser Anfangspunkt einer Band, die zunächst damit leben musste, von mir beflissentlich ignoriert zu werden. Meine Erinnerungen an Muse aus dieser Zeit beschränken sich denn auch auf das Musikvideo zu Uno, dass massiv auf MTV gespielt wurde sowie auf einen Auftritt der Band im Vorprogramm zu Bush.

Mein Erweckungserlebnis  hatte ich erst 2007, als mir eher zufällig das Album Absolution in die Finger kam. Da ich zu dieser Zeit gerade ein erstes ernsthaftes Geld verdient hatte dauerte es auch nicht lange, die beiden Vorgänger Showbiz und Origin of Symmetry zu kaufen. Das schöne daran war, dass man auch hier in keinster Weise enttäuscht wurde, denn die drei ersten Alben von Muse rangieren auf ähnlichen Leveln.

Was Muse von allen anderen Bands absetzt ist die Tatsache, dass Muse wohl die einzige Band sind, die musikalisch mit Radiohead mithalten können, wenn sie auch eher die Pfade austreten, die Radiohead mit den ersten beiden Alben freigeschlagen haben. Dennoch kann man klangliche Ähnlichkeiten definitiv nicht verneinen. Zu Anfang glaubte ich auch eine deutliche Ähnlichkeit in den Stimmen von Matthew Bellamy und Thom Yorke zu vernehmen. Das kann ich heute nicht mehr ganz nachvollziehen, könnte aber darauf zurückzuführen sein, dass beide sehr gut mit Kopfstimme singen können und eine Stimmgewalt aufbringen, wie ich sie in meinen kühnsten Träumen nicht zu haben wage.

Der Sound von Muse ist denn auch ähnlich gewaltig; orchestrale Soundstrukturen, viel Piano (das bisweilen an Supertramp zu erinnern vermag) und Synthesizer in direktem Zusammenspiel mit verzerrten Gitarren und das Ausreizen des gesamten dynamischen Spektrums werden hier zu Markenzeichen, die Muse inzwischen unverkennbar machen. Im angebrachten Vergleich zu Radiohead kann man behaupten, dass Muse etwas weniger paranoid klingen, dafür aber etwas großspuriger rüberkommen. Keine sehr hilfreiche Beschreibung, aber das ist nunmal, was ich dabei denke.

Eine Schilderung jedes einzelnen Songs will ich mir an dieser Stelle ersparen. Zu sagen ist jedoch, dass das Album keine Schwachstellen aufweist. Im Grunde kann man sogar behaupten, dass keine Songs wirklich hervorstechen, da alles auf höchstem Niveau stattfindet und aus einem Guss erscheint. Die Songs bauen allesamt eine düstere Stimmung auf, die sich scheinbar am Rande der Existenz zu bewegen scheint, wo es auf jeden Ton und jede Dynamik ankommt, und wo Beiläufigkeiten einfach unmöglich sind. So vermittelt auch der Gesang von Matthew Bellamy jederzeit das Gefühl es ginge um Alles oder Nichts, und das fand ich schon immer sehr reizvoll. Favoriten kristallisieren sich dann aber doch mit der Zeit heraus und da müssen sicherlich Muscle Museum, Falling Down und die bereits erwähnte Single Uno.

Ich kann auch heute noch nichts an Showbiz finden, dass rechtfertigen würde Abzüge in der B-Note durchzusetzen. Muse machen auf ihrem Debutalbum da weiter, wo Radiohead nach The Bends aufhörten um sich mit OK Computer endgültig musikalisch vom Mainstream abzusetzen. Was zunächste als Plagiatsvorwurf klingt ist in Wahrheit viel eigenständiger und zeigt, dass Muse zu den wenigen Bands gehören, die wirklich intensives Songwriting betreiben und Feinheiten in ihre Stücke einbauen, die auch nach Monaten und Jahren noch Freude wecken, wenn man mal wieder reinhört.


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