Recently Released | Fuzzman – Fuzzman 2

Und wieder einmal ein Zuwachs zu meiner Musiksammlung aus meinem Neben”beruf” beim Popkiller.

Fuzzman heißt der Künstler, namentlich zumindest dem ein oder anderen auch gelegentlich als Herwig Zamernik bekannt. Aus Österreich kommt der Herr und neben seinem Projekt Fuzzman ist oder war der Guteste bei Naked Lunch am Bass zu hören.

Das Projekt Fuzzman strotzt was die Benennung der Alben betrifft nicht gerade vor Kreativität: Nach dem Debutwerk Fuzzman folgt nun am 14. November der Nachfolger mit dem vielleicht etwas offensichtlichen Titel Fuzzman 2. Das schöne an der Sache ist: Die Kreativität die beim Albumnamen ausgespart wurde wird musikalisch mehr als wieder gut gemacht.

Das Album beginnt mit den wunderbaren Eingangsgesängen zu The Wild Gods nach etwa 20 Sekunden fängt sich der Song dann und zeigt ganz deutlich, wo Fuzzman musikalisch Fuß fasst. Das Stück ist ein wunderbar entspanntes Stück IndiePop. Vorwiegend getragen durch die Stimme und das begleitende Keyboard entfaltet sich hier ein Melodie, die zum Träumen zwingt. Im Hintergund ergänzen Bläser den verträumten Eindruckdes Stücks, das zu weiten Teilen komplett auf Unterstützung durch eine Rythmussaktion verzichtet. Absolut große Klasse!

Love & Laugh wendet sich dagegen eher dem traditionellen IndiePop zu. Klare Rythmen und Akkorde, erzeugt durch Schlagzeug und Gitarre. Dazu ein kaskadierender Refrain; mehr brauchts nicht um ein schönes Liedchen zu erzeugen. Zumindest wenn man ein gutes Gespür für Melodien hat. When Life Becomes a Handgrenade schafft es dann, einen aus dem Sessel zu fegen. Krach wäre an sich keine schlechte Beschreibung, wer jedoch wie ich Willens ist, auch in diesem Tohuwabohu noch die Ordnung zu finden, der wird auch dieses Stück lieben.

Old Man Down hilft dann, sich wieder zu sammeln und zurück in den Sessel zu steigen. Wieder gibt es diese wundervolle, zuckersüße Melodienführung die Fuzzman beherrscht wie kaum ein Zweiter. Die Begleitung wieder sehr dezent durch Keys und Rythmus. Dieser minimalistische Einsatz hilft umso mehr, die dichte Atmosphäre des Songs zu bestimmen. Dazu kommt, dass Fuzzman diesem Song Zeit lässt, sich voll zu entfalten. Based on Nothing wird dagegen wieder deutlich experimenteller. Hier sind insbesondere die Bläser als tragendes Element wahrzunehmen, obwohl diese sehr zurückhaltend und fast schon unarrangiert klingen.

Let’s Bury One ist dagegen wieder eine absolut klassische Popnummer, die in besonderem Maße an R.E.M. auf Up erinnert. Erst gegen Ende scheint auch hier wieder die Experimentierfreude Oberhand zu gewinnen, während der Song sich quasi langsam selbst auflöst. Fairytaleman transportiert dann eine Stimmung, wie sie auch auf einem Radiohead-Album zu finden sein könnte. Zunächst besteht der Song aus einem sehr minimalistischen Klavier-Intro. Erst nach über zwei Minuten setzen Melodie und Gesang ein; auf eine rythmische Untermalung wird gar gänzlich verzichtet. Sailorman schließt sich dann atmosphärisch sehr dicht an Fairytaleman an und liegt dabei sogar noch etwas dichter an Radiohead.

A Break for the broken Ones leitet in gewissem Maße dann bereits das Ende der Platte ein. Eine wunderbare wieder eher klassisch besetzte IndieRock/Pop Nummer die sich der bis dahin vorherrschenden Grundstimmung der Melancholie unterordnet und besonders durch die Bläsereinsätze den Weg für die nächste Nummer bereitet. My Friends the Feet stellt nämlich gerade im Bereich der Bläser wieder eine kleine Herausforderung an diejenigen, die mit experimentellen Elementen wenig anfangen können. Hier werden die Arrangements bis jenseits jeglicher Harmonie geführt, finden dann aber doch immer wieder den Anschluss an die Melodie. Cake hätten es nicht besser machen können.

Discoman ist dann nochmal ein echtes Highlight auf der Platte. Die Nummer ist mit Abstand die druckvollste und rockigste. Hier ist insbesondere eine Ähnlichkeit zu den Nine Inch Nails nicht von der Hand zu weisen. Eine echte Tanznummer!

Der Schluss gehört der Tradition: Liabale (bitte mit schönem österreichischen Bergakzent aussprechen) könnte auch in der nächsten Volkstümlichen Hitparade dargeboten werden. Dennoch setzt auch dieser Song einen wirklich guten, weil unerwarteten Schlusspunkt unter ein hervorragendes, sehr außergewöhnliches Album. Ich bleibe bei meiner Einschätzung von der Popkiller-Rezension, dass Fuzzman einen Vergleich zu Beck nicht zu scheuen braucht. Fuzzman 2 biete grandiosen, teils komplexen, meist experimentell angehauchten Indie-SlackerPop der feinsten Art.

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Recently Released | The Audience – Dancers and Architects

Wer in letzter Zeit des öfteren auf meiner kleinen bescheiden Musikblogseite vorbeigeschaut hat wird gemerkt haben, dass die Häufigkeit von Posts ein klein wenig zu wünschen übrig lässt. Grund hierfür ist meine bislang sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Online Fanzine Popkiller.de. Die schicken mir unaufhaltsam neue Musik die meist zeitnah zu bewerten ist. Darunter leidet natürlich ein wenig meine eigene Seite, da ich deutlich weniger Zeit habe, mich meinen angestammten CDs zu widmen. Nun ich will mit Sicheheit nicht klagen, denn schon wieder hat mich eine der CDs aus meinem Testprogramm nachhaltig begeistert.

Bisher von mir unbemerkt veröffentlichten The Audience bereits im letzten Jahr ihr Debutalbum Celluloid. Jetzt steht die Veröffentlichung von Dancers and Architects, dem zweiten Album der Band aus deutschen Landen bevor. Ich hatte bereits seit letzter Woche das Vergnügen, die Platte näher kennen zu lernen, und das hatte es auch gebraucht. The Audience machen nämlich astreinen Britpop der gegenwärtigen Generation, und dem stehe ich zumeist eher kritisch gegenüber. Schließlich empfinde ich die meisten Alben aktueller Vertreter dieses Genres als mehr oder weniger gepflegte Langeweile.

Auch Dancers and Architects hielt beim ersten Durchhören nicht unbedingt mehr auf Lager und hätte ich die Platte im Schallträgerhandel meines Vertrauens angespielt, wäre wahrscheinlich kein Kauf daraus geworden, denn auch The Audience klingen zunächst nach einfältigem Britpop. Nun, als Neuling in der Kritikerszene bin ich noch unverdorben genug, einem Album das mir nicht gleich zusagt auch eine zweite Chance zu geben. So geschah es, das etwa nach dem dritten oder vierten Durchlauf die Feinheiten in der Musik zu Tage kamen und Ich nach mittlerweile geschätzten 20 Durchläufen zugeben muss, dass mir Dancers and Architects sehr gut gefällt.

Die ersten Takte des Albums klingen noch sehr stark nach Arctic Monkeys, nur technisch versierter aber gesanglich stehen The Audience erfrischend selbständig da. Vielleicht ließen sich Paralellen zu Bloc Party ziehen, aber die braucht es eigentlich nicht, denn hier sind Kreative am Werk, die es sich glücklicherweise geleistet haben, trotz aller klanglichen Anleihen einen eigenen Sound zu kreieren. Das Ergebnis sind Songs, die gefühl- und stimmungsvoll unterhalten, die durch ihre Rythmusorientierung zum Bewegen ermutigen und die dank melodiöser Feinheiten und Raffinessen nicht nur erheblich Spaß machen, sondern auch lange nach Verhallen des letzten Stückes noch in Erinnerung bleiben.

Highlights zu definieren fällt mir wie fast immer auch auf diesem Album schwer, da die Songzusammenstellung insgesamt sehr stimmig ist und es keine eindeutigen Highlights oder gar Schwachpunkte zu verzeichnen gibt. Das sollte aber nicht als Zeichen der Mittelmäßigkeit interpretiert werden, sondern ist eher ein Resultat der durchgehend hohen Qualität des Longplayers. Hinge Leben und Tod davon ab, würde ich aber doch Fusty Lines, Marble St. 108 und Lucy nennen um meine Haut zu retten.

Zum Schluß kann das Fazit nur heißen: Unbedingt reinhören, unbedingt genießen und nach Möglichkeit kaufen, denn britische Popmusik wurde selten so gut vollbracht, wie es den Herren von The Audience hier gelungen ist.

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Retrozension | Silverchair – Neon Ballroom

1999 erschien mit Neon Ballroom das erste letzte Album der australischen Band Silverchair. Zwar sind mittlerweile zwei neue Alben veröffentlicht worden, aber die Band selbst distanziert sich offenbar zunehmend von ihrer frühen Schaffensphase, die mit Neon Ballroom ihren Abschluss fand.

Das irritierende für mich war dabei immer, dass Neon Ballroom ein wirklich grundsolides und ausgereiftes Werk ist, dass für Silverchair eigentlich den Weg nach ganz oben hätte sichern können. Die Songs diese dritten Albums haben eine vergleichbare Kraft wie die Songs von Frogstomp und dazu die emotionale Tiefe von Freak Show. Dabei schafft es das Album deutlich erwachsener zu klingen als alles was die drei Australier bis dahin geschaffen haben. Das mag mit Sicherheit auch an der Schützenhilfe von ein paar Gastmusikern und -Komponisten gelegen haben, die den Songs den letzten Schliff verpasst hatten. Zu erwähnen seien hier besonders der Pianist David Helfgott sowie der Produzent Kevin Shirley.

Leider hat das Album auch einen eindeutigen Tiefpunkt: Die Anthem for the Year 2000 war ein so wiederlich auf die Millenium-Mania ausgelegtes Stück, dass einem dabei fast das Verspeiste wieder … naja, vertiefen wir das lieber nicht. Das erfreuliche ist ja, dass das Album insgesamt eher von den guten Momenten leben kann. Und hierfür finden sich deutlich mehr Beispiele, denn Neon Ballroom ist so mutig wie kein Silverchair Album zuvor. Emotion Sickness wird unter anderem dank des Einsatzes von David Helfgott zu einem geradzu avantgardistischen Meisterwerk. Spawn again geht dagegen ganz andere Wege und rockt im Grenzbereich zwischen Grunge, Punk und Metal. Ansonsten gibt es unzählige balladeske Nummern, mal mehr, mal weniger rockig ausgelegt und viele schöne Einfälle.

Dennoch hatte es zum großen Erfolg leider nicht gereicht. Neon Ballroom wurde Opfer einer Zeit, in der Alternative Rock als ziemlich tot galt. Mit dem Ende der Neunziger sahen viele Leute auch die Alternative-Szene am Ende und man kann nicht leugnen, dass Neon Ballroom mit Sicherheit keinen Beitrag zur Zukunftsentwicklung der Rockmusik beigetragen hatte. Das soll aber nicht überschatten, dass das Album trotz aller Widrigkeiten ein wirklich spannendes und auch heute noch interessantes Stück australische Rock-Geschichte geworden ist.

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Retrozension | Bush – The Science of Things

Mit ihrem dritten Album machten Bush musikalisch einen großen Schritt in Richtung Modernisierung des eigenen Stils. Erschienen ist der Longplayer im Jahr 1999, also nach etwa dreijähriger Releasepause. Etwas über 50-Minuten Bush-typische, schwer melancholische Grunge-Rock Mucke, die mir damals zunächst nur mittelmäßig gut gefiel.

Grund hierfür war die Vermischung der bis dahin eher klassischen Bandbesetzung mit elektronischen Elementen. Nun, ich war jung und da neigt man ja gerne dazu, etwas übermäßig polarisiert zu denken. The Science of Things schaffte es aber nach ein paar Tagen, auch mir wirklich gut zu gefallen.

Von der Andersartigkeit der Musik merkt man beim Opener Warm Machine zunächst noch nicht so viel. Aber schon das darauf folgende Jesus Online klingt ein bißchen, als ob im Hintergrund jemand Depeche Mode dazugemischt hätte. Noch stärker dringen dann die elektronischen Beats bei The Chemicals Between Us zu Tage. Trotz alledem bleiben die Songs jederzeit eindeutig als Bush-Kompositionen zu erkennen.

Der vierte Song offenbart eine andere Stilwandlung von Bush. English Fire verzichtet im Grunde komplett auf eine eingängige, herzerweichende Melodie und malträtiert dafür umso mehr mit brachialen Gitarrenriffs und Schlagzeugbeats. Das aber selbst hierzu noch Streicher spielen gehört wohl zu den Eigenheiten von Gavin Rossdale. Spacetravel und 40 Miles from the Sun bieten wieder eher gewohnte Bush-Klänge. Auch Prizefighter bringt musikalisch keine nennenswerten Überraschungen, dafür trumpft The Disease of The Dancing Cats mit einem hübschen und relativ harten Gitarrenriff in der Bridge auf.

Altered States bringt dann im Intro eine Menge Elektronica mit, die sich auch in Teilen im Song selbst fortsetzt. Dabei entwickelt sich der Song durch einen sehr spannenden Refrain zu einem der Highlights der Platte, insbesondere weil hier wieder etwas mehr Hang zur Experimentierfreude durchscheint. Die letzten drei Songs Dead Meat, Letting the Cables Sleep und Mindchanger schließen dann das Album wieder mit typisch Bushigen Nummern zwischen Rock und Seelen-/Herzschmerz.

Alles in allem gehört The Science of Things zu den wirklich guten Alben von Bush – ok, bei einer Gesamtschnittmenge von nur vier ist das nicht so schwer zu erreichen. Dennoch muss ich sagen, dass ich Bush insgesamt nur selten noch bewusst höre. Das liegt vor allem an der sehr stark depressiven Grundstimmung,  die allen Bush-Kompositionen zugrunde liegt, und die mittlerweile nur noch sehr wenig mit meinem Leben zu tun hat. In meinen düsteren Teenie-Jahren sah das natürlich noch anders aus. Dennoch ist The Science of Things kein schlechtes Album, und wenn man die richtigen Momente erwischt, das Album zu Hören, dann macht es auch heute noch wirklich viel Spaß.

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