Wieder einmal ist es an der Zeit uns den Dinosauriern des Grunge zu widmen. Nach dem vielleicht nicht so gut angekommenen Vorgänger No Code schickten sich die fünf gesellen aus Seattle an, ein wenig aus der Versenkung aufzuerstehen und brachten 1998 mit Yield ihr fünftes Studioalbum heraus. Wie schon die beiden Vorgänger erschien auch dieses Pearl Jam Album im schicken Digipack, eine Marotte, die sich mittlerweile voll etabliert hat.
Mit Yield schafften Pearl Jam nicht nur einen Bruch in ihrem Umgang mit den Medien und Musiksendern, sondern packten auch eine lange nicht gekannte Spielfreude in die Songs. Fast könnte man von Pearl Jam Reloaded sprechen. Schon der Opener Brain of J offenbahrt die Rückkehr der Band zum echten Alternativschrammelrock. Das schöne daran ist, dass man nicht mehr Wut, Enttäuschung und Depression in dem Song erkennt, sondern einen klaren Hang zu Hoffnung und Freude. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass PJ anfangen Pop-Musik zu produzieren. Dennoch erfreute es mich damals ungemein bei der Band eine Art Neuanfang wahrzunehmen. Auch das nachfolgende Faithful bietet ebendiese Grundstimmung und weiß dadurch auf ganzer Linie zu überzeugen.
No Way zeigt, dass die Band auch soundtechnisch zu Experimenten bereit ist. Heraus gekommen ist ein kraftvoll zurückhaltender Song, der einen zum Mitwippen animiert und dabei tierisch Spaß macht. Given to Fly ist dann ein wenig nachdenklicher gestimmt. Passend zum Text weckt der Song bei mir irgendwie immer Gedanken an einen weiten Himmel. Keine Ahnung warum dass so ist, spricht aber für die Band. Dieser Song wurde als Single ausgekoppelt und, was deutlich erwähnenswerter ist, wurde mit einem Musikvideo geehrt.
Wishlist, ebenfalls eine Single des Albums, ist dann ein sehr zurückhaltender, ruhiger Song mit einem wunderbar nachdenklichen Text, im Grunde einer sehr romantischen Liebeserklärung. Pilate ist dann die erste Überraschung auf dem Album. Ein total zurückgenommener Strophenteil wird durch einen sehr rockigen Refrain abgelöst, der insbesondere Klangmäßig sehr spannend ist. Irgendwie klingt das ganze zunächst ungewohnt und fremd, irgendwie abgehackt. Inzwischen mag ich den Song aber sehr.
Do the Evolution ist ohne Frage das Highlight auf dem Album. Einen dermaßen rockigen Song habe ich bisher nur selten gehört. Irgendwie geht es ganz klar vorwärts und reißt einen mit. Nicht unerwähnt bleiben darf hier das zugehörige Video, dass im Stil ein wenig an Szenen aus Pink Floyds The Wall erinnert, dabei aber eine ganz eigene, zum Songtext passende Message transportiert. Für mich gehört dieser Song zu den Top Ten Songs der 90er Jahre. Red Dot, der nächste Track auf dem Album ist kein Song, irgendwie. Mehr so eine Art musikalisches Fragment. Macht aber nix, danach gehts ja weiter.
MFC gehört für mich zu den Songs mit dem schönsten Textanfang. Da heißt es “Sliding, out of Revers into Drive, this wheel will be turning right, off in the sunset she’ll ride“. Mit so wenigen Worten wird hier eine komplette Szene aufgebaut. Mag jetzt nicht so spektakulär zu lesen sein. Ich aber kniee nieder vor der Genialität dieser Zeile. Der Song ist übrigens auch stark, nebenbei bemerkt. Low Light passt dann eher in die Kategorie Pearl Jam auf No Code. Im Dreivierteltakt mit vielleicht etwas zu bemühter Zweistimmigkeit entfaltet sich ein ruhiger, entspannter Song mit viel Orgelklang und einigen taktlichen Raffinessen.
In Hiding ist dann wieder von mehr Freude durchsetzt. Und das obwohl der Song exakt das verarbeitet, was Pearl Jam jahrelang ausgemacht hatte. Das Zurückziehen, nicht vor die Tür gehen wollen (sinnbildlich gesprochen) und die Angst vor dem was die Welt von einem erwartet. Irgendwie merkt man aber auch den erfolgten Befreiungsschlag und das tut gut. Push me, Pull me ist ein ganz besonderer Song. Taktwechsel, eine teils undurchdringbare Soundzusammensetzung sowie eine Türklingel machen dieses musikalische Experiment zu dem bisher besten von Pearl Jam. Das das ganze dabei noch als Song zu erkennen ist tut dem ganzen dabei keinen Abbruch.
Schon sind wir wieder am Ende eines Albums angekommen. Mit All those Yesterdays nehmen Pearl Jam für dieses mal Abschied und das auf wirklich gute Weise. Auch wieder eher in bekannter Manier mit ruhigen Klängen und einem eindringlichen aber simplen Gitarrenriff. Der Song steigert sich dann aber und entfaltet sich immer mehr. Die einzigartig gute Stimme Eddie Vedders rundet das Paket ab. Ein gutes Ende.
Yield kann als musikalischer Befreiungsschlag gesehen werden. Die Band hatte es endlich geschafft sich mit ihrer Rolle in der Rockmusik anzufreunden und dabei eine Zufriedenheit erlangt, die sich in den Songs geradezu fassen lässt. Das tut dem Album sehr gut und freute mich damals als Fan ganz besonders, weil das Damoklesschwert des baldigen Ende der Band mit Yield endlich abgeschafft schien. Bis heute scheint das ja auch so geblieben zu sein.
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Manchmal, aber nur manchmal soll Musik einfach nur Spaß machen. Ich denke da mir Garantie nicht an so Dinge die man auf Malle als Musik bezeichnet und auch die akustischen Extremausfälle, die manche Menschen sich beim Après-Ski so antun sind nicht, an was ich gerade denke.
Im Jahre 1997, also zwei Jahre nach dem Erfolgsdebut Frogstomp, legten Silverchair das zweite Album unter dem Titel Freak Show vor. Ganze dreizehn neue Titel beherbergt das Album und wer die CD in den heimischen PC/Mac einlegt kommt außerdem in den Genuss von Bonuskontent, den man aber nicht wirklich unbedingt braucht.
Die heutige Retrozension widmet sich einer Band, die vermutlich vielen gar nicht bekannt ist. King’s X heißt das Dreiergespann aus Houston, Texas das mir zuallererst mit dem Album Dogman über den Weg lief. Das Album stammt aus dem Jahr 1994 und ist zu diesem Zeitpunkt bereits das fünfte Album der Band. Die Musik lässt sich im Grunde nur schwer schubladisieren. Gespielt wird wirklich guter Rock mit alternative-grunge Einschlag, Funk-Einflüssen, Gospel und Blues-Charme aber eben auch mit Classic Rock und Metal Präzision.
Irgendwie kam ich dank der Foo Fighters und dank der Erinnerungen an Nirvana mal wieder auf die Idee Alice in Chains in meine Gehörgänge zu lassen. Die Band um den mittlerweile verstorbenen Lane Staley gehörte irgendwie ja doch immer zu den großen/Größen des Grunge. Für mich spielte sie aber immer ein Schattendasein hinter Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden. Dennoch hat es das selbstbetitelte Album Alice in Chains mit dem traurig schauenden dreibeinigen Hund doch geschafft, bis zu mir vorzudringen.
Lange Zeit hatte die Band um Dave Grohl bei mir einen schweren Start. Das änderte sich erst 2005 mit Erscheinen des Doppel-Longplayers In Your Honor. Dafür war der Einstieg in die Diskographie dann umso rasanter; innerhalb weniger Monate konnte ich so sämtliche Alben nach und nach in meine Sammlung aufnehmen.