Retrozension | 2008 – Januar bis Dezember

Es ist mal wieder kurz vor Schluss in diesem Jahr (ok, für dieses Jahr ist es das erste Mal kurz vor Schluss), Zeit also, das Jahr nochmal Revue passieren zu lassen.

2008 war im Gegensatz zum Vorjahr eher bescheiden was neue Releases betrifft.  Radiohead‘s In Rainbows gehört technisch gesehen noch zu 2007, sollte aber nicht unerwähnt bleiben, da es zu den Alben gehört, die ich in diesem Jahr am meisten gehört habe. Wer war noch, ach ja, R.E.M. gaben sich endlich mal wieder die Ehre ein richtig, richtig gutes Album zu veröffentlichen, weswegen Accelerate für mich auch das Top-Album 2008 darstellt. Auch nett ist The Slip von Nine Inch Nails, was zur Freude sicherlich Vieler zunächst kostenlos als Registerware zu beziehen war, bevor es dann regulär als CD in die Läden kam. Auch ein sicherlich bemerkenswertes Album veröffentlichten Portugal. The Man, obwohl ich mich auch heute noch ein Stück weit über die Produktion ärgere. Dennoch, nach viel Einhörarbeit entpuppte sich auch Censored Colors als gutes Album, wenn es auch deutlich  hinter dem Vorgänger aus 2007 bleibt, was wirklich schade ist.

Im Grunde war es das auch schon mit Releases in diesem Jahr, wenn, ja wenn da nicht mein Beitritt zum Popkiller gewesen wäre. Seit etwa September darf ich für dieses Online-Fanzine aus Hamburg meinen Senf zu neuen und alten Künstlern abgeben, was mir nicht nur viele neue CDs ins Regal eingebracht hat, sondern auch eine Menge Spaß und Abwechslung auf dem Ohr. Zugegeben, Retrozension.de leidet ein wenig darunter, aber meine 20 Leser werden es mir hoffentlich verzeihen. Immerhin kamen so auch mittlerweile drei Künstler zur Ehre, parallel zur Rezension auf Popkiller.de auch auf Retrozension.de besprochen zu werden. Allen voran erwähnt seien da die Woog Riots, aber auch Fuzzman, beide brachten Alben heraus, die wirklich ungewöhnlich waren und dabei genau das erfüllt haben, was ich mir im Grunde für jedes Album wünsche, das so auf den Markt geworfen wird: beide Alben waren mutig, interessant und man darf behaupten künstlerisch sehr anspruchsvoll, auf ihre eigene Weise. Und vielleicht haben beide Alben es sogar ein Stück weit geschafft, die Grenzen der guten Alternative-Musik ein Stückchen weiter zu setzen. Macht weiter so!

Auch auf 2009 darf man sich freuen, die ersten CDs des neuen Jahrs habe ich bereits hören dürfen und ich freue mich wie ein Schneekönig darauf, auch im nächsten Jahr wieder über Musik schreiben zu können und besonders meine Zusammenarbeit mit Popkiller weiter zu vertiefen.

Bleibt im Grunde nur noch eins zu tun: Die statistische Auswertung meines Musikjahres stellt sich soweit sie denn gescrobbelt wurde auf last.fm folgendermaßen dar:

Platz 10 | Travis mit 422 gespielten Titeln

Platz 09 | Arctic Monkeys mit 438 gespielten Titeln

Platz 08 | Jack Johnson mit 468 gespielten Titeln

Platz 07 | Pluto mit 518 gespielten Titeln

Platz 06 | Muse mit 533 gespielten Titeln

Platz 05 | Foo Fighters mit 542 gespielten Titeln

Platz 04 | Goodshirt mit 574 gespielten Titeln

Platz 03 | Portugal. The Man mit 981 gespielten Titeln

Platz 02 | Radiohead mit 994 gespielten Titeln

und der überraschende aber umso verdientere Gewinner des Jahres 2008 ist (Trommelwirbel wäre angebracht)

Platz 01 | Mugison mit 1.163 gespielten Titeln

Kommt gut durch und schaut auch 2009 mal vorbei. Vielleicht schaffe ich es ja auch wieder etwas fleißiger an den Retrozensionen zu arbeiten.

Guten Rutsch!

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Seen Live | Mugison – Hafenklang/Hamburg – 08/12/2008

Was war das für eine Aktion: über 600 km Anreise um einen Künstler bewundern zu können, den momentan leider immer noch kaum Jemand überhaupt kennt. Dabei hätte Mugison es längst verdient auch hierzulande vor mehr als 50 Leuten aufzuspielen.

Aber mal der Reihe nach; im Dienste des Popkillers machte ich mich am Wochenende auf die Weite Reise in die Hansestadt Hamburg, um einen sehr denkwürdigen Abend im ebenfalls sehr denkwürdigen Hafenklang zu erleben.

Die Eröffnung des Abend besorgte Peter Broderick, ein Musiker aus Dänemark, der versuchte alleine das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Nun, die Wahrheit ist leider, dass es beim Versuch blieb. Um Klangdichte zu erzielen bediente sich Herr Broderick immer und immer wieder live eingespielter Samples. Das mag mal ganz nett sein, aber nur so zu musizieren wird schnell eintönig. Darüber hinaus konnten die Kompositionen auch an sich nicht überzeugen. Nach dem Konzert erzählte er überdies noch munter beim CD-Verkauf, dass das aktuelle Album in nur einer Woche geschrieben worden war und sogar in nur einer Stunde aufgenommen war. Hingabe und ernsthaftes Arbeiten an Songs sieht meiner Meinung nach anders aus.

Nach der enttäuschenden Eröffnung betrat dann Mugison mit seinen zwei Mitstreitern die Bühne. Mit (Akustik-)Gitarre, Bass und Schlagzeug bewaffnet brauchte es dann auch keinen ganzen Song, um endlich Stimmung aufkommen zu lassen. Dabei war der Sound aufgrund der sehr rudimentären Besetzung wesentlich roher als auf dem aktuellen Album Mugiboogie. Die Songs dieses Longplayers stellten auch den wesentlichen Teil des Abend, aber auch Stücke der beiden Vorgängeralben wurden wiedergegeben.

Alles in allem überzeugte Mugison so auf mehr als nur eine Weise. Musikalisch war der Auftritt topp, aber auch unglaublich unterhaltsam. Der Schlagzeuger war dermaßen aktiv, dass man mehr als einmal einfach nur über so viel Charme lachen musste. Mugison zeigte in seinen Ansagen eine ordentliche Portion Selbstironie und einen feinen Sinn für Humor, so war der Abend auch schon deshalb ein echter Knaller. Was mich aber mit am meisten berührte, war die unglaubliche Stimmgewalt des sympathsichen Isländers. Mehr als einmal fühlte ich mich an Kurt Cobain erinnert, aber auch immer mal wieder an die Intensität eines Jimmi Hendrix.

Ich bin wirklich froh, dass ich in diesem Jahr noch die Gelegenheit hatte, Mugison mal live zu sehen. Schade, dass der Mann, der in den USA schon für die Queens of the Stone Age supporten durfte hier nur in so kleinem Rahmen auftreten kann, andererseits aber auch schön so hautnah dran sein zu können. Für mich ist Mugison einer der kreativsten Köpfe, die die Alternative Rock Szene derzeit aufbringen kann.

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Retrozension | Radiohead – OK Computer

Wenn es eine Band gibt, die mich in diesem Jahr ganz besonders begleitet und beeindruckt hat, dann ist es wohl Radiohead. Grund genug für mich, ein weiteres Album der Band aus Oxford mit einer Retrozension zu ehren.

Heute geht es also um das dritte Album, das im Falle von Radiohead wohl in seiner Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann. OK Computer, so der etwas ungewöhnliche Titel, katapultierte die Band in einem Schlag aus dem Schatten aller zuvor verarbeiteten Einflüsse und etablierte im Grunde ein eigenes Genre. Ich meine hier nicht das oft angebrachte Label Postrock, sondern vielmehr die unglaubliche Komplexität und Kompositionstiefe, die die Songs auf dem Longplayer von allem abheben, was die Rockmusik sonst so zu bieten hat.

Der aufmerksame Leser bemerkt unschwer, dass das Ergebnis dieser Retrozension gar nicht schlecht werden kann. Es tut mir leid, dass ich es hier gar nicht erst versuche einen Spannungsbogen aufzubauen, aber OK Computer begeistert mich derart nachhaltig, dass ich mit meiner Meinung gar nicht hinter dem Berg halten möchte. Schauen wir uns das Album aber im Einzelnen mal etwas genauer an:

Der Opener Airbag beginnt zunächste eher unauffällig mit bis dahin typischen Gitarrenriffs und Schlagzeugeinlagen. Schon beim Einsetzen von Thom Yorkes Gesang wird aber klar, dass irgend etwas diesmal anders wird. Die Stimmung wirkt irgendwie fragil, der Sound trotz zurück haltend agierenden Instrumenten unglaublich dicht und atmosphärisch. Dies wird mit Paranoid Android noch deutlich verschärft. Hier verfällt die Rythmussektion bereits in Muster, die man bis dahin eher von elektronischer Musik kannte. Dazu werden Gitarreneinwürfe geboten, die so voller Leidenschaft und Schmerz klingen, dass man sich dem Zauber des Songs eigentlich nicht entziehen kann. Insbesondere der dynamisch sehr krasse Wechsel zwischen absolut dichten Gitarrenwänden und atmosphärisch entrückten Songfragmenten macht schon beim zweiten Song klar, dass OK Computer in anderen Sphären unterwegs ist.

Subterranean Homesick Alien lautet der etwas sperrige Titel des nächsten Songs, der im Dreiviertel-Takt daher kommt. Auch hier wieder absolut entrückte Gitarrensounds, eigenwillige Gesangslinien und dieses bestimmte Gefühl als ginge es um Alles oder Nichts. Hier wird Musik mit einer Hingabe gefeiert, die man sonst eher von Jazzplatten kennt. Exit Music (For a Film) ist das wohl traurigste Stück auf dem ganzen Album. Thom Yorkes Stimme klingt geradezu zerbrechlich, das Tempo ist absolut rausgenommen. Zunächste wird die Begleitung nur durch eine Akustikgitarre übernommen, erst nach und nach setzen Synthiesounds, Klangsamples und der Rest der Band ein, um den Song schrittweise zur Ekstase zu führen. Das ist Songwriting par Excellence grandios umgesetzt!

Let Down baut wieder auf klassischeren Songstrukturen auf und überzeugt durch seine Einfachheit, die wieder überwiegend durch die überirdische Gesangsleitung von Thom Yorke getragen wird. Die Band bleibt vornehm im Hintergrund und schafft einfach nur eine dichte Stimmung, die den Song absolut passend trägt. Das nächste Highlight lässt mit Karma Police nicht lange aus sich warten. Ich erinnere mich noch gut daran das Video zu diesem Song dereinst auf MTV gesehen zu haben und völlig in den Bann gezogen zu werden. Nicht nur musikalisch taten sich da ganz neue Welten für mich auf, auch das Video mit seiner alptraumhaften Atmosphäre hinterließ einen bleibenden Eindruck. Der Song selbst wird vorwiegend durch das Piano und den Bass getragen, die verqueren Lyrics geben einem Rätsel auf aber auch hier unterliegt eine Simplizität, die ich einfach faszinierend finde.

Fitter Happier lässt dann in ungewöhnlicher Weise den Computer zu Wort kommen. Im Grunde besteht der Titel nur aus den elektronisch verlesenen Lyrics, unscheinbar hinterlegt mit Samples und Pianoklängen. Electioneering bringt dann einen der vielleicht ehrlichsten Rocknummern auf OK Computer. Hier treibt der Rythmus, hier krachen die Riffs und es wird einfach mal wieder ganz bodenständig gerockt. Textlich ist diesem Song, wie eigentlich allen auf dem Album, sehr viel abzugewinnen, wenn man sich ein wenig Zeit für eine Interpretation nimmt.

Climbing up the Walls ist die nächste Nummer und hier wird wieder stärker auf elektronische Klangwelten gesetzt. Zurückhaltung und Depression in hervorragender Intonierung, kein Hit aber irgendiwe absolut notwendig und grundehrlich. Sehr schön auch das anschließende No Surprises, das zunächst irgendwie an ein Schlaflied erinnert. Textlich entpuppt sich der Song jedoch zunächst als abschließende Gedanken eines Selbstmörders, diese werden dann in der letzten Strophe unmittelbar mit einem ruhigen leben in einem hübschen Vorstadthäuschen gesetzt. Sozialkritik am Rande des Erträglichen. Davon mag man halten was man möchte, die Umsetzung macht auch diesen Song zu einem der vielen absoluten Highlights des Longplayers.

Lucky setzt noch einmal alles auf große Emotion und wirkt fast etwas pathetisch. Aber nur fast. EIn grandioser Refrain und ebenso grandiose Strophen, dazu wieder eher grungenahe Gitarrenarrangements, die nicht unwesentlich an Bush erinnern, nur das Bush nie diese Genialität erreicht haben. The Tourist schließt dann letztlich das Album. Auch hier setzen Radiohead ganz klar auf ruhige, melancholische Elemente. Sehr gemäßigtes Tempo, sehr stark zurückgenommene Instrumentierung, dafür aber umso mehr Raum für den Gesang gelassen. So wirkungsvoll können Songs produziert werden, wenn die Musiker in einer Band dazu bereit sind sich selbst mal ein bißchen zurückzunehmen. Das Ergebnis ist dafür absolut umwerfend.

Ich habe es bereits zu Anfang vorweggenommen, aber ich wiederhole mich gerne. Mit OK Computer haben Radiohead sich eine eigene Liga geschaffen, die meines Wissens nach bislang auch nur von Radiohead bedient wird. Die Band hat sich dem Fortschreiben der Rockmusik verschrieben und mit OK Computer 1997 ein Werk vorgelegt, dass derart viele Maßstäbe setzte, dass man meinen müsste ein komerzielle Erfolg sei so nicht machbar. Ganz im Gegenteil schaffte es das Album im United Kingdom (sowie in Neuseeland) gar auf Platz 1 der Albumcharts. Darüber hinaus dürfte es wohl auch retrospektiv zu einem der Einflussreichsten Alben der 90er Jahre gehören. Besonders reizvoll für mich ist dabei diese irgendwie vorhandene, aber kaum greifbare Nähe der Songs und Arrangements zum Jazz. Zwar klingt wirklich Nichts auf OK Computer wie Jazz, aber die Atmosphäre und Songtiefe scheint mir unmittelbar vergleichbar zu einem Künstler wie Miles Davis. Fest steht: Ok Computer ist ein Geniestreich, wie er nach diesem Album nur Radiohead selbst wieder gelungen ist.

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Recently Released | Fuzzman – Fuzzman 2

Und wieder einmal ein Zuwachs zu meiner Musiksammlung aus meinem Neben”beruf” beim Popkiller.

Fuzzman heißt der Künstler, namentlich zumindest dem ein oder anderen auch gelegentlich als Herwig Zamernik bekannt. Aus Österreich kommt der Herr und neben seinem Projekt Fuzzman ist oder war der Guteste bei Naked Lunch am Bass zu hören.

Das Projekt Fuzzman strotzt was die Benennung der Alben betrifft nicht gerade vor Kreativität: Nach dem Debutwerk Fuzzman folgt nun am 14. November der Nachfolger mit dem vielleicht etwas offensichtlichen Titel Fuzzman 2. Das schöne an der Sache ist: Die Kreativität die beim Albumnamen ausgespart wurde wird musikalisch mehr als wieder gut gemacht.

Das Album beginnt mit den wunderbaren Eingangsgesängen zu The Wild Gods nach etwa 20 Sekunden fängt sich der Song dann und zeigt ganz deutlich, wo Fuzzman musikalisch Fuß fasst. Das Stück ist ein wunderbar entspanntes Stück IndiePop. Vorwiegend getragen durch die Stimme und das begleitende Keyboard entfaltet sich hier ein Melodie, die zum Träumen zwingt. Im Hintergund ergänzen Bläser den verträumten Eindruckdes Stücks, das zu weiten Teilen komplett auf Unterstützung durch eine Rythmussaktion verzichtet. Absolut große Klasse!

Love & Laugh wendet sich dagegen eher dem traditionellen IndiePop zu. Klare Rythmen und Akkorde, erzeugt durch Schlagzeug und Gitarre. Dazu ein kaskadierender Refrain; mehr brauchts nicht um ein schönes Liedchen zu erzeugen. Zumindest wenn man ein gutes Gespür für Melodien hat. When Life Becomes a Handgrenade schafft es dann, einen aus dem Sessel zu fegen. Krach wäre an sich keine schlechte Beschreibung, wer jedoch wie ich Willens ist, auch in diesem Tohuwabohu noch die Ordnung zu finden, der wird auch dieses Stück lieben.

Old Man Down hilft dann, sich wieder zu sammeln und zurück in den Sessel zu steigen. Wieder gibt es diese wundervolle, zuckersüße Melodienführung die Fuzzman beherrscht wie kaum ein Zweiter. Die Begleitung wieder sehr dezent durch Keys und Rythmus. Dieser minimalistische Einsatz hilft umso mehr, die dichte Atmosphäre des Songs zu bestimmen. Dazu kommt, dass Fuzzman diesem Song Zeit lässt, sich voll zu entfalten. Based on Nothing wird dagegen wieder deutlich experimenteller. Hier sind insbesondere die Bläser als tragendes Element wahrzunehmen, obwohl diese sehr zurückhaltend und fast schon unarrangiert klingen.

Let’s Bury One ist dagegen wieder eine absolut klassische Popnummer, die in besonderem Maße an R.E.M. auf Up erinnert. Erst gegen Ende scheint auch hier wieder die Experimentierfreude Oberhand zu gewinnen, während der Song sich quasi langsam selbst auflöst. Fairytaleman transportiert dann eine Stimmung, wie sie auch auf einem Radiohead-Album zu finden sein könnte. Zunächst besteht der Song aus einem sehr minimalistischen Klavier-Intro. Erst nach über zwei Minuten setzen Melodie und Gesang ein; auf eine rythmische Untermalung wird gar gänzlich verzichtet. Sailorman schließt sich dann atmosphärisch sehr dicht an Fairytaleman an und liegt dabei sogar noch etwas dichter an Radiohead.

A Break for the broken Ones leitet in gewissem Maße dann bereits das Ende der Platte ein. Eine wunderbare wieder eher klassisch besetzte IndieRock/Pop Nummer die sich der bis dahin vorherrschenden Grundstimmung der Melancholie unterordnet und besonders durch die Bläsereinsätze den Weg für die nächste Nummer bereitet. My Friends the Feet stellt nämlich gerade im Bereich der Bläser wieder eine kleine Herausforderung an diejenigen, die mit experimentellen Elementen wenig anfangen können. Hier werden die Arrangements bis jenseits jeglicher Harmonie geführt, finden dann aber doch immer wieder den Anschluss an die Melodie. Cake hätten es nicht besser machen können.

Discoman ist dann nochmal ein echtes Highlight auf der Platte. Die Nummer ist mit Abstand die druckvollste und rockigste. Hier ist insbesondere eine Ähnlichkeit zu den Nine Inch Nails nicht von der Hand zu weisen. Eine echte Tanznummer!

Der Schluss gehört der Tradition: Liabale (bitte mit schönem österreichischen Bergakzent aussprechen) könnte auch in der nächsten Volkstümlichen Hitparade dargeboten werden. Dennoch setzt auch dieser Song einen wirklich guten, weil unerwarteten Schlusspunkt unter ein hervorragendes, sehr außergewöhnliches Album. Ich bleibe bei meiner Einschätzung von der Popkiller-Rezension, dass Fuzzman einen Vergleich zu Beck nicht zu scheuen braucht. Fuzzman 2 biete grandiosen, teils komplexen, meist experimentell angehauchten Indie-SlackerPop der feinsten Art.

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Recently Released | The Audience – Dancers and Architects

Wer in letzter Zeit des öfteren auf meiner kleinen bescheiden Musikblogseite vorbeigeschaut hat wird gemerkt haben, dass die Häufigkeit von Posts ein klein wenig zu wünschen übrig lässt. Grund hierfür ist meine bislang sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Online Fanzine Popkiller.de. Die schicken mir unaufhaltsam neue Musik die meist zeitnah zu bewerten ist. Darunter leidet natürlich ein wenig meine eigene Seite, da ich deutlich weniger Zeit habe, mich meinen angestammten CDs zu widmen. Nun ich will mit Sicheheit nicht klagen, denn schon wieder hat mich eine der CDs aus meinem Testprogramm nachhaltig begeistert.

Bisher von mir unbemerkt veröffentlichten The Audience bereits im letzten Jahr ihr Debutalbum Celluloid. Jetzt steht die Veröffentlichung von Dancers and Architects, dem zweiten Album der Band aus deutschen Landen bevor. Ich hatte bereits seit letzter Woche das Vergnügen, die Platte näher kennen zu lernen, und das hatte es auch gebraucht. The Audience machen nämlich astreinen Britpop der gegenwärtigen Generation, und dem stehe ich zumeist eher kritisch gegenüber. Schließlich empfinde ich die meisten Alben aktueller Vertreter dieses Genres als mehr oder weniger gepflegte Langeweile.

Auch Dancers and Architects hielt beim ersten Durchhören nicht unbedingt mehr auf Lager und hätte ich die Platte im Schallträgerhandel meines Vertrauens angespielt, wäre wahrscheinlich kein Kauf daraus geworden, denn auch The Audience klingen zunächst nach einfältigem Britpop. Nun, als Neuling in der Kritikerszene bin ich noch unverdorben genug, einem Album das mir nicht gleich zusagt auch eine zweite Chance zu geben. So geschah es, das etwa nach dem dritten oder vierten Durchlauf die Feinheiten in der Musik zu Tage kamen und Ich nach mittlerweile geschätzten 20 Durchläufen zugeben muss, dass mir Dancers and Architects sehr gut gefällt.

Die ersten Takte des Albums klingen noch sehr stark nach Arctic Monkeys, nur technisch versierter aber gesanglich stehen The Audience erfrischend selbständig da. Vielleicht ließen sich Paralellen zu Bloc Party ziehen, aber die braucht es eigentlich nicht, denn hier sind Kreative am Werk, die es sich glücklicherweise geleistet haben, trotz aller klanglichen Anleihen einen eigenen Sound zu kreieren. Das Ergebnis sind Songs, die gefühl- und stimmungsvoll unterhalten, die durch ihre Rythmusorientierung zum Bewegen ermutigen und die dank melodiöser Feinheiten und Raffinessen nicht nur erheblich Spaß machen, sondern auch lange nach Verhallen des letzten Stückes noch in Erinnerung bleiben.

Highlights zu definieren fällt mir wie fast immer auch auf diesem Album schwer, da die Songzusammenstellung insgesamt sehr stimmig ist und es keine eindeutigen Highlights oder gar Schwachpunkte zu verzeichnen gibt. Das sollte aber nicht als Zeichen der Mittelmäßigkeit interpretiert werden, sondern ist eher ein Resultat der durchgehend hohen Qualität des Longplayers. Hinge Leben und Tod davon ab, würde ich aber doch Fusty Lines, Marble St. 108 und Lucy nennen um meine Haut zu retten.

Zum Schluß kann das Fazit nur heißen: Unbedingt reinhören, unbedingt genießen und nach Möglichkeit kaufen, denn britische Popmusik wurde selten so gut vollbracht, wie es den Herren von The Audience hier gelungen ist.

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Retrozension | Silverchair – Neon Ballroom

1999 erschien mit Neon Ballroom das erste letzte Album der australischen Band Silverchair. Zwar sind mittlerweile zwei neue Alben veröffentlicht worden, aber die Band selbst distanziert sich offenbar zunehmend von ihrer frühen Schaffensphase, die mit Neon Ballroom ihren Abschluss fand.

Das irritierende für mich war dabei immer, dass Neon Ballroom ein wirklich grundsolides und ausgereiftes Werk ist, dass für Silverchair eigentlich den Weg nach ganz oben hätte sichern können. Die Songs diese dritten Albums haben eine vergleichbare Kraft wie die Songs von Frogstomp und dazu die emotionale Tiefe von Freak Show. Dabei schafft es das Album deutlich erwachsener zu klingen als alles was die drei Australier bis dahin geschaffen haben. Das mag mit Sicherheit auch an der Schützenhilfe von ein paar Gastmusikern und -Komponisten gelegen haben, die den Songs den letzten Schliff verpasst hatten. Zu erwähnen seien hier besonders der Pianist David Helfgott sowie der Produzent Kevin Shirley.

Leider hat das Album auch einen eindeutigen Tiefpunkt: Die Anthem for the Year 2000 war ein so wiederlich auf die Millenium-Mania ausgelegtes Stück, dass einem dabei fast das Verspeiste wieder … naja, vertiefen wir das lieber nicht. Das erfreuliche ist ja, dass das Album insgesamt eher von den guten Momenten leben kann. Und hierfür finden sich deutlich mehr Beispiele, denn Neon Ballroom ist so mutig wie kein Silverchair Album zuvor. Emotion Sickness wird unter anderem dank des Einsatzes von David Helfgott zu einem geradzu avantgardistischen Meisterwerk. Spawn again geht dagegen ganz andere Wege und rockt im Grenzbereich zwischen Grunge, Punk und Metal. Ansonsten gibt es unzählige balladeske Nummern, mal mehr, mal weniger rockig ausgelegt und viele schöne Einfälle.

Dennoch hatte es zum großen Erfolg leider nicht gereicht. Neon Ballroom wurde Opfer einer Zeit, in der Alternative Rock als ziemlich tot galt. Mit dem Ende der Neunziger sahen viele Leute auch die Alternative-Szene am Ende und man kann nicht leugnen, dass Neon Ballroom mit Sicherheit keinen Beitrag zur Zukunftsentwicklung der Rockmusik beigetragen hatte. Das soll aber nicht überschatten, dass das Album trotz aller Widrigkeiten ein wirklich spannendes und auch heute noch interessantes Stück australische Rock-Geschichte geworden ist.

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