Seen Live | Travis – Capitol Mannheim / 22 Okt 2007

Einen solchen Konzertabend wie am 22. Oktober hatte ich noch nicht erlebt. Erstens war es das erste mal, dass ich als Berufstätiger an einem Wochentag auf ein Konzert gegangen bin, zweitens waren meine Freundin und ich deshalb sowieso schon spät dran, drittens kennen wir uns beide in Mannheim gar nicht aus und hatten schon ein wenig Mühe den Mannheimer Rosengarten zu finden aber nur um viertens zu erfahren, dass das Konzert aus “technischen Gründen” ins Mannheimer Capitol verlegt wurde, von dem wir nun gar nicht wussten wo es zu finden ist (Sowas passiert wenn man kein Internet zu Hause hat).

Sagen wir mal es war also nicht ganz einfach, erst einmal zum Konzert zu gelangen. Letztendlich schafften wir es aber doch zum Capitol zu finden, einen Parkplatz zu finden und dann sogar noch vor Konzertbeginn da zu sein. Zugegeben, ich kann jetzt nicht sagen ob es eine Vorband gegeben hat, als wir kamen spielte jedenfalls keine mehr. Dafür blieb kurz Zeit die Location zu begutachten, und das Capitol ist wirklich ganz nett.

So etwa fünf Minuten nachdem wir dann endlich angekommen waren, betraten Travis den Raum. Ich schreibe hier ganz bewusst nicht “stürmten die Bühne” denn die drei Jungs kamen in Boxermänteln zu den Klängen des Rocky-Themas durch den “Volkseingang” und durchquerten erstmal mit ganz viel Fankontakt das Parkett. Damit war die Stimmung gleich von Anfang an grandios und das sollte sich auch im Laufe des Abends nicht mehr ändern. Als die Bühne dann schließlich doch “erstürmt” war, legte die Band mit Selfish Jean gleich voll los und spielte auf höchstem Niveau. Was danach folgte war Konzertkunst pur. Fran Healey moderierte durch den Abend, was dem Publikum offensichtlich gut gefiel. Ezählt wurde über die letzten Jahre im Privatleben der Band, dass Fran im nächsten Jahr nach Deutschland zieht, um hier mit seiner deutschen Frau und seinem ebenfalls deutschen Sohn zu leben, und das der norwegische (oder doch schwedische) Tour-Keyboarder Klaus eigentlich mit C geschrieben wird und sowieso eigentlich Claes heißt. Das gipfelte darin, dass während des Klaviersolos zu Good Feeling das Publikum fortwährend “Claus” (mittlerweile mit C geschrieben) rief. Dabei war es unmöglich dem Charme von Fran Healey nicht zu unterliegen. Der Kerl ist so unglaublich nett, dass ihn vermutlich jeder gern zum Freund hätte.

Musikalisch war der Abend schlichtweg grandios. Die Band spielte im Grunde alle Songs, die ich mir im Vorfeld erhofft hatte außer  Midlife Crisis und More Than Us. Die fehlten leider. Besonders gefiel mir, dass auch einige Songs des letzten Albums 12 Memories im Programm waren. Das Album war ja in der Presse nicht gerade gut aufgenommen worden, obwohl es wirklich gut ist. Auch im Publikum zeigte sich, dass im Grunde jeder die Texte zu den Songs kannte.

Kurzum, ich stand etwa zwei Stunden in der Menge und sang von Anfang bis Ende jeden Song mit und freute mich, endlich einmal Travis live erleben zu können. Als das Konzert schließlich mit Why Does It Always Rain On Me endete, konnten sicher alle Besucher mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, ein wirklich lohnendes Konzert gesehen zu haben. Wenn Travis wieder unterwegs sind, gehe ich mit Sicherheit wieder hin.

Similar Posts:

UMZUGSPAUSE ENDE | Back To Blog

Nach einigen Wochen ohne Verbindung zur Aussenwelt – abgesehen von meinem Handy, dass in der neuen Wohnung nur sporadisch Empfang hat – habe ich nun endlich wieder Zugang zum www. Das heißt in Konsequenz auch, dass ich wieder über Musik bloggen kann und auch werde.

In meiner Abwesenheit hat sich auch das ein oder andere getan in der Musikwelt. Die wichtigsten Ereignisse aus meiner Sicht waren dabei mein Besuch beim Konzert von Travis in Mannheim und natürlich das Release des neuen Radiohead-Albums In Rainbows.

Ich werde also in den nächsten Tagen erst mal diese beiden Themen abhaken, bevor ich dann wieder zu Retrozensionen komme. Ich freu mich drauf.

Similar Posts:

Retrozension | Green Day – 1039/Smoothed Out Slappy Hours

Green Day - 1039/Smoothed Out Slappy Hours

Mal wieder verspüre Ich das Bedürfnis über ein Green Day Album zu schreiben. Das Green Day bei mir eine Art Sonderstellung einnehmen, ist vielleicht schon durch die Retrozensionen zu den Alben Dookie und Kerplunk offenkundig geworden. Green Day sind einfach eine der Bands meiner (längst vergangenen) Jugendzeit. Die Band versteht es, meiner Meinung nach, wie kaum eine Zweite mit ihrer Musik Spaß an der Musik und sogar Spaß am Leben zu verbreiten. Läuft irgendwo in Höhrweite eine Green Day Platte, dann bin ich schlagartig ein bißchen besser gelaunt und das fasziniert mich bis heute.

Da war es damals nur konsequent von mir, alle Alben der Punker aus dem fernen Kalifornien in meine (damals noch nicht mal 20 CDs umfassende) CD-Sammlung  aufzunehmen, die in den Plattenläden zu finden waren.  So kam ich auch zum quasi ersten Green Day Album 1039/Smoothed Out Slappy Hours. Genau genommen ist dieses zwar gar kein Album, sondern eine Kompilation aus dem wirklich ersten Studioalbum 39/Smooth und den beiden EPs 1000 Hours und Slappy. Das erklärt dann auch den ziemlich seltsamen Titel der Scheibe.

Musikalisch kann man auf 1039/Smoothed Out Slappy Hours keine Meilensteine erwarten. Wirkliche Hits erkenne ich auf dem gesamten Longplayer keine. Dennoch bietet das Album im Grunde schon fast alles, was später zum Erfolgsrezept der Band werden sollte. Simple 4-Akkorde Riffs, spaßorientierte Texte zu typischen Teenie-Themen und Punkmusik, die das Leben angenehmerweise nicht ganz so schwer und ernst nimmt. Fast eine ganze Stunde wird man so mit 19 kleinen Punknümmerchen unterhalten. Die Produktion ist eher nicht so gelungen, aber die Freude an der Musik verbreitet sich auch auf dem Erstlingswerk der Band ungehemmt.

Insgesamt lässt sich die Platte also schon ziemlich gut hören. Für Menschen, die Green Day bislang nichts abgewinnen konnten, ist sie mit Sicherheit keine gute Investition und auch in der Geschichte der Band stellt sie nicht mehr dar, als einen Anfang. Für mich als unheilbaren Green Day Freund war der Kauf jedoch kein Fehler. Das ich das Album jedoch heute noch wirklich hören würde, kann ich eher nicht behaupten.

Solide Arbeit!

Similar Posts:

Recently Released | Foo Fighters – Echoes, Silence, Patience & Grace

Foo Fighters - Echoes, Silence, Patience & GraceBevor ich mich dem eigentlichen Titel des Posts zuwende, noch eine kurze Erklärung zur Funkstille der letzten Woche. Ich habe am Montag meine neue Arbeitsstelle angefangen. Und als wäre das alleine nicht schon genug Grund mal ein wenig kürzer zu treten, kommt erschwerend hinzu, dass ich täglich knapp vier Stunden unterwegs bin, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Nun ja, meine Wohnungssuche läuft und dürfte mich daher hoffentlich bald näher an meine Arbeitsstelle bringen und mir dann auch wieder mehr Blog-Zeit bieten.

Wegen meiner veränderten Lebensumstände kam ich im Übrigen auch erst heute morgen dazu, mir die neue Foo Fighters Platte zuzulegen – und damit wären wir wieder beim eigentlichen Thema angekommen. Gestern erschien nämlich das von mir heiss ersehnte Album Echoes, Silence, Patience & Grace. Der Titel selbst führt glücklicherweise dann doch in die Irre, denn anstatt uns mit buddhistischem Gedankengut ins Nirvana (Wortspiel-Alarm!) zu erleuchten, bringen die Foos wieder einmal ein sehr gutes und deutlich rockiges Album auf die Beine. Nach dem Mega-Erfolg von In Your Honor sicher keine leichte Aufgabe. Nach meiner Erfahrung ist es immer schwierig nach einem Doppelalbum wieder voll zu überzeugen.

Den Einstieg schafft Echoes, Silence, Patience & Grace aber spielend. Schon der Opener The Pretender, der gleichzeitig auch die erste Single darstellt, fasst die ganze Spannbreite, die man noch von In Your Honor im Ohr hat, in einem Song zusammen und weckt Hoffnungen auf Foo Fighters typische Rock-Eskapaden. Ein wirklich grandioser Song.

Es kommt dann aber doch etwas anders als erwartet. Bereits der zweite Song Let It Die beginnt dann doch wieder etwas ruhiger als man erwarten würde. Und hält die ruhige Grundnote auch ziemlich lange durch. Erst kurz vor Schluss erlauben die Gitarren sich den Verzerrer dazu zu bringen. Sind das noch die Foos? Bislang kannte man sie eher als Entweder-Oder-Band. Entweder es rockte was das Zeug hält, oder eben es wurde ein ruhiger Song gespielt, aber auch das dann eben konsequent. Jetzt auf einmal entdecken die Jungs um Dave Grohl die Dynamik und Akkustikgitarre?

So ist es wohl, und das scheint mir zumindest kein Fehler zu sein. Die Songs erhalten dadurch eine angenehme Tiefe und zeigen, dass der ruhige Teil des letzten Albums wohl doch seine Spuren hinterlassen hat. Der ruhigeren Songsstruktur ist es dann wohl auch geschuldet, dass die Produktion ungewohnt klar erscheint. Dave Grohl singt sehr genau und lässt neue Qualitäten in seiner Stimme zum Vorschein kommen.

Insgesamt ist der erste Eindruck von Echoes, Silence, Patience & Grace ein sehr guter. Das Album ist nicht das knüppelharte Rock-Album, dass die Single The Pretender vermuten lies. Es ist aber auch nicht die weichgespülte Esotherik-Platte, die der Titel suggeriert. Im Grunde haben die Foos ihr Album In Your Honor durch den Fleischwolf gedreht und das beste daraus in 12 (bzw. 13 in der Bonusversion) Songs verpackt. Dabei ist die Band gewachsen und die Qualität der Arrangements unweigerlich gestiegen. Ein wirklich gutes Album von dem ich mir sicher bin, dass es in der nächsten Woche noch einiges Tiefe und Größe gewinnt, je öfter ich die Gelegenheit habe mich reinzuhören.

Wirklich gut und mit Potenzial zu 5 Sternen

Similar Posts:

Retrozension | R.E.M. – Monster

R.E.M. - Monster

Nachdem R.E.M. 1992 mit ihrem Album Automatic For The People gezeigt hatten, dass sie zu den ganz großen Bands ihrer Zeit gehören, erschien zwei Jahre später der Nachfolger Monster. Obwohl sich Monster laut Charts erfolgreicher platzieren konnte als Automatic For The People, ist dieses Album für mich musikalisch immer ein Rückschritt gewesen. In keinster Weise knüpfen R.E.M. an die Genialität des Vorgängeralbums an, und das ist wirklich schade. Oder vielleicht doch nicht?

Dennoch wäre es verkehrt Monster für sich als missglückt zu bezeichnen. Es ist nur so, dass Monster musikalisch einfach viel eher als Vorgängeralbum zu Automatic glaubhaft ist. Der etwas kratzigere, ungestüme R.E.M. Sound, wie man ihn noch von Green, Out Of Time oder Document kennt, kennzeichnet auch Monster. Automatic For The People erscheint dazwischen fast wie ein Missgeschick.

Aber ich möchte hier auch erstmal die Vergleiche fallen lassen, und Monster für sich selbst stehen lassen. Der Opener What’s The Frequency, Kenneth eröffnet mit R.E.M. typischen Gitarrensounds, den verhaltenen, aber guten Vocals von Michael Stipe. Das ganze versprüht besten Indiecharme, insbesondere, da dieVocals ein wenig zu leise abgemischt scheinen, und auf übermäßige Produktionseffekte verzichtet wurde. Crush with Eyeliner folgt mit seinem charakteristischen Phasergitarrensound. Die Gangart des Albums wird spätestens hier klar. Es sind eher poppige Songs mit etwa 4 Minuten Länge. Die Schwermut bleibt außen vor, überschwengliche Freude wird sicher aber auch woanders zelebriert. Auch King of Comedy folgt auf den Pfaden seiner Vorgängersongs. Eher poppig inszeniert und gute Partymusik. Erst I don’t Sleep, I Dream zeigt sich etwas düsterer und ruhiger, ohne dabei allzusehr in Melancholie zu verfallen. Ein wirklich guter Song. Schluss mit Ruhe schreit dann förmlich Star 69. Es rockt erstmals richtig und befreit die Platte von der bis dahin zelebrierten Lethargie. Nach so einem Song wird es zeit für einen Engtanzsong, und der kommt auch prompt mit Strange Currencies. Da schmelzen die Herzen und man kann sich förmlich vorstellen wie zahllose Pärchen engumschlungen auf der Tanzfläche schwofen. Tongue hilft dann, den romantischen Augenblick noch ein paar Minuten länger festzuhalten, und macht dabei einen guten Job. Jetzt will man aber dann doch mal wieder ein bißchen tanzen. Da kommt Band and Blame genau recht. Der vielleicht beste Song des Albums fängt eher sanft an, um dann im Refrain ein bißchen rockiger zu werden. I Took Your Name folgt auf dem Fuße, und erinnert wegen seines Phasersounds nicht unwesentlich an Crush with Eyeliner. Macht aber nix. Ist trotzdem ein guter Song. Let me in schlägt wieder ruhigere Töne an. Mit stark übersteuerter Gitarre und nur sehr zaghaftem Schlagwerkeinsatz. Mit Circus Envy wird nochmal das Haus gerockt, dass die Fetzen fliegen. Toller Refrain übrigens, der mich ein wenig an die Rocknummern von The Police erinnert. Zum Schluß dann das eher ruhige und auch ein wenig düstere You.

Insgesamt ist Monster ein wirklich gutes Album, dass wirklich Freude macht. Mir kommt es immer ein wenig vor wie eine nette Party. Nicht zu düster, nicht zu überschwenglich. Wahrscheinlich gehört Monster auch wirklich zu den besten Alben, die R.E.M. bisher produziert haben. Aber dennoch steht es meiner Meinung nach im Schatten des Überwerks Automatic For The People. Macht aber ja eigentlich nix. So lange es Spaß macht, oder?

Gute Musik

Similar Posts: