Das Jahr fing gut an. Der erste Stapel CDs vom Popkiller enthielt neben Adam Arcuragi und Tommy Finke auch die CD der White Rabbits. Das erste der drei Alben, das ich einlegte war eben das der White Rabbits, und ich war schon beim ersten Song hellauf begeistert. Wie es sich herausstellen sollte, war es auch die einzige der drei CDs, die mich nachhaltig zu begeistern wusste. Adam Arcuragi fiel leider wegen Produktionsfehlern durch, Tommy Finke bekam einen sauberen Verriss, zeigte sich aber per Twitter zumindest als guter Nehmer und retweetete mit den Worten: “Mein erster Verriss”. Es sollte nicht der letze sein, wie sich mittlerweile zeigte.
Aber zurück zu den White Rabbits. Die stammen eigentlich aus Missouri, leben aber wohl mittlerweile in Brooklyn, sind zu sechst (!) und haben bereits im Mai letzten Jahres ihr Zweitlingswerk names It’s Frightening auf den US-Markt geworfen und immerhin eine Platzierung (#184) in den Charts erreicht. Im Januar kam das Album jetzt auch auf dem heimischen Markt in die Läden und ich muss sagen, dass sich ein Kauf sicher lohnt.
Die White Rabbits haben einen sehr eigenen Stil entwickelt Musik zu machen, die auch von Radiohead und Travis sein könnte, aber durch die White Rabbits-Note dann doch überraschend eigenständig klingt. Das gefällt mir persönlich wirklich gut. Schon der Opener Percussion Gun kann auf ganzer Linie überzeugen. Ein scheinbar simpler Rythmus bietet die treibende Kraft, doch wer versucht mal eben schnell mitzutrommeln kommt schnell dahinter, dass hier das Taktmaß doch auf spannende Weiße verschoben wird. Das ganze wird ganiert mit gut dosierten Gitarren und Klaviereinlagen (Bass gibts selbstverständlich auch). Dazu der sehr angenehme Gesang und fertig ist ein Song, der eigentlich nur als Hit bezeichnet werden kann. Da unsere heimischen Radiostationen aber mit dem Begriff erschreckend inflationär umgehen, sollte man einfach mal festhalten, dass es ein verdammt guter Indie-Rock-Song ist.
Rudie Fails macht gut weiter; etwas ruhiger aber wieder mit einem bestechend guten Percussioneinsatz und insgesamt großer Zurückhaltung in der Gesamtinstrumentierung. Trotzdem weiß die Nummer ordentlich zu rocken. Wirklich gut! Und gut geht es weiter mit They done Wrong/We done Wrong. Einer wunderbar melodiösen Nummer, die sich auch wieder mit einem sehr gut dosierten Instrumenteneinsatz zeigt. Treibende Kraft wie in allen Songs ist auch hier die gut ausgebaute, aber nicht aufdringliche Percussion-Sektion. Hervorragend untermalt durch simple aber effektive Gitarrenriffs und sparsame Klaviereinsätze. Überhaupt ist das der rote Faden im Werk der White Rabbits. Alle Musiker verstehen sich hervorragend darauf, sich der Bandleistung unterzuordnen. Allein der auf dem Album verübte Verzicht auf ausufernde Klavierparts ist ein sher seltenes Phänomen in Bands mit Pianisten. Aber es funktioniert aufs Beste.
Lionesse erinnert sehr stark an die Kollegen der Band Alter Me, ist sehr kraftvoll und macht weiter mit den Qualitäten, die schon die vorhergehenden Songs auftischen. Das nachfolgende Company I Keep ist dann vielleicht das absolute Highlight der Platte; ein wunderschön ruhiger Song, der sehr stark aus der weiten Klangatmosphäre schöpft und dem viel Raum zum Entfalten gegeben wird. Durch die später einsetzende dezente Mehrstimmigkeit klingt der Song wunderbar melancholisch und leidenschaftsvoll. Dabei wissen auch hier die einzelnen Instrumente genau, wieviel Einsatz erforderlich ist, um die maximale Wirkung zu erzielen.
Der sehr gezielte instrumentale Einsatz ist die große Leistung der White Rabbits auf It’s Frightening und das setzt sich auch in den verbleibenden fünf Songs so fort. Hier wird kein Stück instrumental überfrachtet, es gibt keine Klangexperimente, die in die Hose gegangen wären. Dazu kommt eine glasklare und wirklich hochprofensionelle Produktion, die das Beste aus der Band herauszuholen weiß. Mit It’s Frightening ist bereits das erste neue Album des Jahres in meiner Sammlung ein heißer Anwärter auf die Jahres-Top10. Die wirklich sehr schmale Nische zwischen Radiohead, Travis und Alter Me wurde aufs Beste mit den White Rabbits gefüllt. Die klingen erfreulich stark und vorrangig nach sich selbst, haben elf zurückhaltende aber doch auch elf wunderbar rockige Nummern in einer Großbesetzung geschrieben und vertont, klingen dabei aber doch angenehm klein und haben mir damit eindrucksvoll bewiesen, dass weniger manchmal sooo viel mehr sein kann.
Eine weitere freundliche und sehr gut passende Anfrage zu einer Rezension erreichte mich von der Band My Glorious aus Wien. Mit Home is where the Heart breaks legen die drei Österreicher gerade ihr erstes Studioalbum vor, nachdem Sie offenbar – von mir allerdings unbemerkt – mit ihrer EP Leper bereits den ein oder anderen Achtungserfolg auch schon in Übersee feiern konnten. Gerne habe ich mich bereit erklärt, mir das neue Album anzuhören und meinen Senf dazu zu geben, und ich darf schonmal vorwegnehmen, dass ich es nicht bereut habe.
Anfangs ging mir das zugegebenermaßen anders. Der erste Durchlauf lies mich zweifeln, ob ich hier einen Bezug zum Album finden würde, auf dessen Basis sich eine vernünftige und faire Rezension schreiben lassen würde. Zwar gefiel mir der Opener Love Extender gleich im ersten Anlauf, mit den nachfolgenden Songs hatte ich aber so meine Mühe. Das darf zum Teil daran gelegen haben, dass ich das Album zunächst im Auto hörte. Zum Teil aber sicher auch daran, dass die ein oder andere Melodie für meine Ohren zunächst etwas wahllos klang.
Mittlerweile habe ich das Album aber mehrfach laufen lassen und ich finde das Albumsdebut von My Glorious wirklich ordentlich. Denn hier wird hier ehrlich und sauber gerockt. Kein weichgespielter Poprock, kein ausschließlich in Melancholie verfallener Alternativerock, der nicht in Fahrt kommt. Nein, My Glorious drehen gerne mal auf und klingen dabei hier und da ein ganz feines bißchen wie bekannte Größen aus dem Genre des Alternative und damit überwiegend gut.
Die Top-Songs dabei sind für mich beispielsweise das bereits erwähnte sehr rockige Love Extender, das sehr schöne und ruhige Horse und das sich langsam aufbauende Use Me, das, wenn es letzlich losbricht erschreckend nah an Audioslave ist, zumindest was die Instrumentenleistung betrifft. Als Schwachpunkt sehe ich den Song Atmosphere. Der klingt etwas uninspiriert und auch scheint mir der Sänger hier etwas jenseits der Grenze dessen zu sein, was die Stimme leisten kann. Dafür überrascht das anschließende und fast schon nach Prog-Rock klingende It’s love when wieder positiv.
Es ist also nicht alles gut am Album, aber erfreulicherweise glaube ich, dass das insgesamt weniger an My Glorious liegt als an der Produktion. Leider habe ich auf dem ganzen Album das Gefühl, dass die Songs unnötig dumpf klingen. Das ist nicht so tragisch als dass man sich das Album nicht anhören könnte, aber im Vergleich zu anderen CDs fällt doch irgendwie auf, dass hier irgendetwas klanglich nicht stimmt. Ansonsten gibt es auch das ein oder andere Effektexperiment in Gesang und Schlagzeug, dass ich persönlich für einen Fehler halte. Es drängt sich auch sonst permanent das Gefühl auf, dass mit etwas mehr Führung in der Produktion viel mehr aus den wirklich gut geschrieben Songs rauszuholen gewesen wäre. Das haben My Glorious, oder genauer gesagt der Tonmeister leider nicht ausgeschöpft. Das ist insofern wirklich schade, weil ich die Songs potenziell für sehr stark halte und mir gerade die sehr rockige Gesamtausrichtung ziemlich gut gefällt.
Insgesamt aber darf man Home is where the Heart breaks nicht nur überzeugten Förderern von Bands aus dem deutschen Sprachraum ans Herz legen. Wem der Sinn nach ehrlichem Alternativerock steht, der kann bei My Glorious durchaus fündig werden. Die Band hat deutlich Potenzial. Da kann man auch mal über Produktionsmängel und -versäumnisse hinweghören.
Bisher habe ich die Anfragen von Bands bezüglich Rezensionen meist schlichtweg ignoriert. Als Blogger bekommt man nämlich ziemlich häufig ziemlich unpassend irgendwelche Anfragen etwa: „Sollen wir uns gegenseitig verlinken?“ (15x pro Jahr), „Wir sind eine Band und dachten Du könntest uns mal schnell erwähnen“ (25x pro Jahr), „Ist dein Penis zu klein?“ (56.348x pro Jahr).
Das Problem mit den meisten dieser Anfragen ist aber, dass Sie nicht zielgerichtet sind und damit im Prinzip als Spam durchgehen. Warum bitte sollte ich auf eine Homepage verlinken, die Reisen verkauft (und mir noch nicht mal eine Provision anbietet)? Warum sollte ich über Bands schreiben, deren Musikstil so gar nicht zu dem passt, über das ich sonst so schreibe? Warum sollte ich überhaupt schreiben?
Nur gelegentlich passen diese Anfragen, und dann freue ich mich auch. Ich werde gerne auf neue Musikblogs aufmerksam gemacht, wenn Sie thematisch passen. Ich freue mich auch über aufstrebende Bands, die in den hier besprochenen Genres zuhause sind und um Rezensionierung bitten. Dazu muss dann aber auch was geboten werden, sprich: Songs müssen her und zwar offline-abspielbare. Was nicht auf den iPod passt wird nicht bemustert. Ich weiß nicht wie es andere machen, aber ich höre Musik auf dem Weg zur Arbeit und zurück. Natürlich läuft Musik auch zuhause, aber da will ich nicht jeden Song einzeln starten müssen, da läuft die Musik ebenfalls über die üblichen Mediaplayer bzw. den CD-Spieler. Wer also ernsthaft will, dass Blogger sich die Zeit nehmen sich mit der Musik von aufstrebenden Bands zu beschäftigen, der sollte eben zur Bemusterung das Album, die EP zur Verfügung stellen. Als Download, als „Real-Life“-CD oder meinetwegen auch als Musikkassette (gibt’s die noch?). Was das betrifft, haben Infight im Grunde alles richtig gemacht. Zumindest hat es für mich den Anschein: Stilistisch passt es zum Blog, es wird ein Download zur Verfügung gestellt und eine höflich formulierte Anfrage wird auch gleich mitgeliefert. Bingo!
Daher habe ich die Ehre, die erste Retrozension.de-Rezension über eine Band zu verfassen, die ich überhaupt noch nicht kenne. Mit dem Resultat müsst ihr, liebe Band, leben; You Asked For It! Ihr wolltet es so! Und ich habe eine neue Kategorie auf meinem Blog.
Infight haben also eine EP rausgebracht und wollen, dass die Welt Bescheid weiß. Könnt ihr haben: Infight kommen aus dem schönen Freiburg uund machen Punk und leben Punk mit allen eingebauten Peinlichkeiten; schräge Künstlernamen, schrilles Konzept und tendenziell eher flachen Texten mit Message.
Das funktioniert bedingt auf den fünf Songs der EP Discoland. Ist der Song No Fitting noch einigermaßen gelungen, nervt das über fünfminütige Shoot Shoot Shoot schon extrem dank ständig wiederholtem Refrain. Öde! Sorry, liebe Band.
Besser ist da schon wieder Hitclip. Es zeigt sich, dass die Band musikalisch durchaus gute Einfälle zu bieten hat. Die Gesangslinie und Performance gehören aber eindeutig nicht zu den Stärken der Band. Dafür gefallen mir die immer wieder eingestreute Synthiepassagen ganz gut.
Die Dominieren auch den Beginn von Song Nummer vier Beatboy Batman. Guter Anfang, durchaus ordentliches Potenzial, dass mit Einsetzen der Singstimme leider wieder verspielt wird. Begeisterung kommt keine auf, da die Melodien uninspiriert sind und die Umsetzung gesanglich leider auch nicht mit der Instrumentalebene des Songs mithalten kann. Selbiges gilt auch für die letzte Nummer der EP, wobei Sidewards insgesamt noch das Highlight der kleinen Sammlung bildet.
Infight ist mit der EP Discoland mit Sicherheit kein großer Wurf gelungen, ich kann mir aber gut vorstellen, dass Live-Abende mit der Band eine Menge Spaß bringen können, denn die Musik an sich hat Tempo, gute Einfälle und griffige Beats. Gesangliche Unpässlichkeiten lassen sich live auch eher verzeihen und so tendiere ich dazu, Infight eher als Live-Party-Band, denn als gutem Studioact einzuordnen.
Bildet euch selbst eine Meinung, auf www.in-fight.com gibt’s die EP zum kostenfreien Bezug für Jedermann.
Thursday February 04th 2010, 11:24
Abgelegt unter: For Your Interest
Aus privaten Gründen kam ich bislang in diesem Jahr noch nicht zu bloggen, lässt man den Jahresrückblick 2009 mal aussen vor. Demnächst wird sich das wieder grundlegend ändern. Es wird eine neue Kategorie auf Retrozension.de geben, die sich dann auch um die Bemusterung aufstrebender Bands kümmert, so Sie denn musikalisch ins Konzept passen. Schwerpunkt soll aber auch weiterhin die Retrozension bleiben. Meine Arbeit für Popkiller.de bleibt natürlich auch bestehen. Immerhin ist der Popkiller für mich die spannendste Quelle für die Entdeckung neuer Musik geworden.
Also, bitte noch ein paar Tage Geduld, dann kann es auch 2010 weitergehen.
Tuesday January 05th 2010, 19:44
Abgelegt unter: Retrozension
Zugegeben, es ist fast schon ein wenig zu spät für einen Jahresrückblick; ist doch das neue Jahr schon fast eine Woche alt. Nun, getreu dem Motto “Besser spät als nie” kommt hier noch mein persönlicher Jahresrückblick 2009.
Vorab mal wieder die Softfacts, bevor Last.FM die harten Fakten liefert, die 2009 leider nicht ganz so sauber dargestellt sind wie im letzten Jahr. Aber dazu später mehr. 2009 war für mich musikalisch ein überwiegend spannendes Jahr. Es gab einige spannenden Releases und viele davon konnten auch tatsächlich die Erwartungen erfüllen. Pearl Jam zum Beispiel meldeten sich mit Backspacer mal wieder zurück, und das Album stellte zumindest eine Veränderung gegenüber den letzten Alben dar. So richtig lieb gewonnen habe ich das Album zwar noch nicht, aber das liegt auch daran, dass so viele gute Alben im letzten Jahr herauskamen, dass ich kaum Zeit hatte mich länger mit Einzelnen zu beschäftigen.
Auch unbedingt erwähnenswert sind natürlich Them Crooked Vultures, die Super-Supergroup deren Debut kräftig rockt. Neues wurde auch schon angekündigt. Was das für die Foo Fighters und die Queens of the Stone Age zu bedeuten haben wird, bleibt abzuwarten. Über neues Vuktures-Material kann man sich aber sicher freuen. Und keinesfalls vergessen darf man Alice in Chains, deren Rückkehr aus der Versenkung wohl das beste Album der Seattle-Rock-Liga des letzten Jahres war. Black gives Way to Blue überrascht mir vertrauten Klängen, mit einem Sound der den alten Alben in nichts nachsteht und diese vielleicht sogar überbieten kann. Und das wohlgemerkt trotz ausgetauschtem bzw. eher ersetztem Sänger.
Für mich auch sehr erfreulich war mal wieder die Zusammenarbeit mit Popkiller.de. Ich weiß gar nicht wie viee Alben ich für den Popkiller im letzten Jahr bemustern durfte, aber nie zuvor war soviel richtig Gutes dabei: Variety Lab, Nobelpenner, Alter Me, Franz Ferdinand, Voicst. Da kann man sich eigentlich nicht noch mehr wünschen. Mehr gab es aber dank Akron/Family, meiner persönlichen Neuentdeckung des Jahres., dann doch. Auch das Konzert der drei Amerikaner in Köln war ein kleines Highlight, weil äußerst außergewöhnlich.
Portugal. The Man waren auch fleißig und brachten mit the Satanic Satanist ein wirklich Gutes Album heraus und konnten die Leistungsdelle nach Censored Colors so wieder ausdellen. Für mich sind Portugal. The Man mittlerweile sowieso das Modell für die Zukunft der Musikindustrie. Die Band dürfte wohl die am härtesten arbeitende Band sein, die mir untergekommen ist. Jedes Jahr ein neues Album, jedes Jahr ausgedehnte Touren. Die Fanbase wächst mit jedem Mal weiter und trotzdem bleibt die Band angenehmerweise unter dem Radar. Viele meinen jetzt vielleicht das sei traurig, aber ich denke dass das genau der Punkt ist, an den sich Bands in Zukunft gewöhnen werden müssen. Die Zeit der Megaacts ist weitestgehend vorbei. Dafür setzt sich Qualität und harte Arbeit wieder durch. So können Bands es schaffen von der Musik zu leben, der Jaguar, der Privatjet und die Traumvilla aber bleiben genauso ein Traum wie für den durchschnittlichen Büroangestellten. Beruhigend, nicht?
Schauen wir doch mal, was die Charts laut Last.FM so hergeben. Anmerken muss ich aber, dass iTunes sich über einige Wochen leider geweigert hatte, meine Songs vom iPod zu scrobbeln. Damit haben im Wesentlichen Portugal. The Man und Akron/Family Songwertungen in großem Umfang verloren. Mittlerweile scrobbelt alles wieder normal. Im neuen Jahr sollte daher also alles wieder stimmen. Hier die besten Zehn aus 2009
10) Portugal. The Man mit 309 Scrobbels*
09) Chinese Man mit 391 Scrobbels
08) Radiohead mit 417 Scrobbels
07) Nobelpenner mit 488 Scrobbels
06) Sola Rosa mit 569 Scrobbels
05) Variety Lab mit 579 Scrobbels
04) Franz Ferdinand mit 592 Scrobbels
Das ist doch schon mal überraschend; Chinese Man verdanke ich meinem guten Freund Tobi. Grüße und dank nach Hamburg dafür. Sola Rosa hatte ich bei der Einführung ganz vergessen. Die haben mit Get it Together sicherlich eines der Top-Alben des Jahres veröffentlicht. Portugal. The Man leiden hier wie bereits erwähnt am *Scrobbelausfall bei iTunes. Nobelpenner sind für mich selbst eine Überraschung. Das wirklich genial gute Album hat sich zwar in Deutschland insgesamt gar nicht richtig durchsetzen können. Ist aber echt so gut, dass ich es das ganze Jahr über immer mal wieder angehört habe. Respekt dafür. Kommen wir zu den Top 3
3) Green Day mit 604 Scrobbels
2) Akron/Family mit 783 Scrobbels*
1) Voom mit 854 Scrobbels
Hier kommen die echten Überraschungen: Das ich Green Day soviel gehört hatte, war mir gar nicht bewusst. Dabei fand ich deren Album 21st Century Breakdown gar nicht soooo überzeugend. Akron/Family ist hingegen klar und müsste egentlich sicher auf Platz 1 landen. Hier gilt auch wieder Scrobbelausfall als Erklärung. Voom überrascht mich insofern, dass ich von denen nur ein Album besitze, das ist aber tatsächlich so gut, dass ich es unzählige Male und auch sehr oft mehrmals hinterienander gehört hatte. Gratulation nach Neuseeland.
In diesem Jahr hat also kein Künstler die Schallgrenze (1000 Scrobbels) geschafft. Das liegt aber nicht daran, dass ich weniger Musik gehört hätte sondern eher daran, dass ich mich nicht so sehr wie sonst auf einzelne Alben konzentriert habe.
Nun, bleibt nur noch das Fazit: 2009 war musikalisch spannend und vielseitig und wird mir sicherlich mit vielen Alben lange in Erinnerung bleiben. Meine Zusammenarbeit mit dem Popkiller macht nach wie vor riesen Spaß und wird weiter vertieft. Die guten Vorsätze für 2010 lasse ich diesmal aus. Zwar wünschte ich mir, ich wäre mit etwas mehr Regelmäßigkeit am bloggen auf Retrozension.de, aber dass muss sich nunmal dem Leben und der Arbeit unterordnen. Insofern bleibt alles beim Alten: Ich blogge wanns mir passt und wer nach den neuesten Nachrichten sucht, der wird im zweifelsfall auf anderen Blogs danach suchen müssen. Meins bleibt das langsamste Musikblog Deutschlands.
Etwas verspätet mittlerweile, muss ich ja hier noch ein wirklich überzeugendes Konzerterlebnis nachreichen. Die altehrwürdigen Therapy? gaben sich die Ehre, vor nicht einmal 200 Leuten im Hamburger Hafenklang zu zeigen, dass es sie auch noch gibt. Klingt sarkastisch, ist aber genau die Reaktion, die ich seit dem von allen Eingeweihten bekomme, wenn ich erzähle ich war bei Therapy?
Traurig? Nun zugegeben, Therapy? haben schon vor deutlich größerem Publikum gespielt, aber fairerweise muss man wohl auch sagen, dass Therapy? schon deutlich bessere Alben auf den Markt geworfen hatten als zuletzt. Der Zenit ist und war wohl immer das immer noch faszinierend eindringliche Troublegum, das für mich immer noch die Highspeed-Platte schlechthin ist. Diese Zeit ist aber nun auch schon eine ganze Menge Jahre her und daher muss man sich wohl kaum wundern, dass die drei Iren lediglich das Hafenklang (fast) voll kriegen.
Davon lassen sich die drei aber offenbar nicht entmutigen. Von Song 1 an sind die drei voll in ihrem Element und wärmen erstmal das Publikum mit alten Hits, vorwiegend von Troublegum, auf. Dabei zeigen Andy Cairns, Mike McKeegan und mittlerweile-Drummer Neil Cooper (der sich angeblich nicht besonders gut fühlte) volle Präsenz, binden von Anfang an ganz offensiv das Publikum mit ein. So ist es nicht verwunderlich, dass es ziemlich schnell zu Stage-Dives und viel gepoge vor der Bühne kam. Highlight dabei war sicherlich der Kerl, der eine Weile vor mir stand, und dabei (vermutlich) seiner Freundin simste, dass er voll am pogen sei – dabei stand im ganzen Raum vermutlich keiner so still wie er. Viele Grüße von mir auf diesem Wege, kleiner Angeber.
Zurück zum eigentlichen Event. Therapy? spielten nach der Aufwärmphase dann auch die ein oder andere Nummer aus dem aktuellen, mir unbekannten Longplayer Crooked Timber. Die Stimmung kühlte dabei ein klein wenig ab, was nicht an den Songs an sich lag sondern eher daran, dass keiner die Songs kannte. Man muss Therapy? aber hoch anrechnen, dass sie Profis genug waren, immer wieder mit Einwürfen aus den alten Zeiten die Menge brodeln zu lassen.
Alles in allem muss man einfach sagen, dass das Konzert wirklich cool war. Soviel bin ich seit langen nicht mehr während eines Konzerts gehopst. Fleißig mitgesungen habe ich auch und so war die ganze Aktion insgesamt ein wirklich cooler abens. Ich muss jetzt auf jeden Fall mal schauen, ob das neue Album vielleicht mal wieder eine Investition wert ist.